"Dignity": Götz Otto als pädophiler Sektenführer Paul Schäfer

Die wahre Geschichte der Colonia Dignidad als 8-teilige Thriller-Serie - hochkarätig mit Götz Otto und Devid Striesow besetzt.

Argwöhnisch beobachtet der Chef des Krankenhauses Bernhard Hausmann (Devid Striesow) wie der kleine Karl fröhlich mit seinem "Onkel" Schäfer ("James Bond"-Bösewicht Götz Otto) plaudert und durch den Wald spaziert. Wenig später greift Hartmann kurzerhand zum Gewehr und erschießt vor den Augen des chilenischen Militärs den Jungen. Angeblich wollte er so beweisen, dass die deutschen Waffen, die sie schmuggeln, einwandfrei funktionieren.

Dies ist nur eine der grausamen Szenen in der Serie "Dignity" (ab dem 19. Dezember). Zum Auftakt hat sich der neue Streaminganbieter Joyn PLUS+ ein besonders erschreckendes Stück Zeitgeschichte ausgesucht und als 8-teiliges Drama verfilmt.

Darum geht's in "Dignity"

Alt-Nazi Paul Schäfer gründet 1961 die Colonia Dignidad, eine Siedlung für seine christliche Sekte. Sie leben abgeschottet, streng nach Geschlechtern getrennt und später unter dem Schutz des Pinochet-Regimes in Chile. Folter, Vergewaltigungen und Mord gehören zum Alltag der Sekte.

1996: Staatsanwalt Leo Ramirez (Marcel Rodrigurez) soll Paul Schäfer wegen Kindesmissbrauchs verhaften. Was keiner weiß: Leo war selbst Opfer von Schäfers Schreckensregime. Als Kind wurde er gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern Carmen und Pedro (Nils Rovira-Munoz) von der chilenischen Mutter an die Sekte übergeben. Leo gelang es zu fliehen. Doch nun muss er das erste Mal nach 20 Jahren zurückkehren. Als Leo in der Colonia Dignidad ankommt, ist Schäfer bereits untergetaucht. Stattdessen trifft Leo auf die Krankenschwester Anke (Jennifer Ulrich), der Jugendliebe seines Bruders.

Die Sekte wird jetzt unter der strengen Hand des Arztes Dr. Hausmann geführt, der jegliche Auskunft verweigert und Anke das Leben zur Hölle macht. Auch von den deutschen und chilenischen Behörden erhält Leo bei der Suche nach Schäfer viel Gegenwind. Schließlich wird sogar seine schwangere Frau Caro (Martina Klier) bedroht.

Hintergrund

2004 wurde Paul Schäfer in Chile für den sexuellen Missbrauch von 27 Kindern schuldig gesprochen - und mit ihm über 20 chilenische und deutsche Mitglieder der Colonia für die Vertuschung des Kindesmissbrauchs und Behinderung der Justiz. Ein Jahr später wurde er in Argentinien festgenommen und im Dezember erneut angeklagt, was im Mai 2006 zu seiner Verurteilung zu 20 Jahren Haft wegen Kindesmissbrauchs in 25 Fällen führte. Es blieb nicht die letzte, weitere folgten, u.a. wegen Mordes. 2010 starb Paul Schäfer im Gefängnis.

Die Rolle des Dr. Bernhard Hausmann, gespielt von Devid Striesow, ist angelehnt an Hartmut Hopp. Er floh als 18-Jähriger an der Seite Schäfers nach Chile und wurde seine rechte Hand. Als eines der ganz wenigen Mitglieder durfte er die Colonia verlassen, studierte in den USA Medizin, Klavier und Gesang. Anschließend kehrte er zurück und führte ab 1978 das Krankenhaus der Colonia. 2013 wurde er wegen sexuellen Kindesmissbrauchs zu fünf Jahren Haft verurteilt, doch er floh nach Deutschland.

"Fakt"-Reportage zur Colonia Dignidad

Hier ermittelte die Krefelder Staatsanwaltschaft seit 2011 gegen ihn. 2016 beantragte die Krefelder Staatsanwaltschaft, das chilenische Urteil gegen ihn zuzulassen. Im Mai 2019 wurden die Ermittlungen gegen Hartmut Hopp wegen mangelnder Beweise eingestellt. Er lebt mit seiner Frau, einer ehemaligen Kranschwester der Colonia, in Krefeld. (Auszug Pressemappe)

Bereits 2015 erzählte der Spielfilm "Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück" mit Emma Watson und Daniel Brühl in den Hauptrollen die Geschichte der Sekte.

"Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück"

Für die Serie "Dignity" wurde jetzt erstmals an Originalschausplätzen in der ehemaligen Colonia Dignidad, der heutigen Colonia Baviera, in Chile gedreht.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Diese Serie ist nur schwer zu ertragen und eigentlich nichts für besinnliche Feiertage. Hinzu kommt, dass sie im Gegensatz zu dem ähnlich schockierenden Szenario von "Handmaid's Tale - Der Report der Magd" auf wahren Begebenheiten beruht. Und das ist der wahre Horror! Nachdem Jahrzehntelang die Behörden wegschauten, die Opfer immer noch nicht entschädigt sind, darf so ein Verbrechen einfach nicht in Vergessenheit geraten. Die Serie kann also als ein weiteres Mahnmal verstanden werden.

Bei den gekonnt eingesetzten Zeitsprüngen bleibt der Zuschauer gleich doppelt fassungslos zurück: Einerseits sind Schäfers Taten, ohne dass sie im Detail im Bild gezeigt werden müssen, bestialisch. Andererseits verhalten sich aber auch die Menschen von außen, die korrupt sind und die Taten vertuschen wollen, einfach nur abstoßend.

Die Familiengeschichte des Staatsanwaltes lenkt zwar von der Haupthandlung ab und wäre für die Serie nicht zwingend notwendig gewesen, gibt aber den 400 Minuten der acht Folgen eine zusätzliche Krimihandlung. Die vielen Untertitel der deutsch-chilenischen Produktion fordern den Zuschauer zusätzlich. Ingesamt handelt es sich also um keine leichte Kost für die Feiertage, die sich der neue Sender da als Start ausgesucht hat.