„Babylon Berlin 3“: Die Stadt der Geheimnisse in den späten 20er

Liv Lisa Fries und Volker Bruch im Interview.

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Was ist neu in Staffel drei von „Babylon Berlin“? Wie lange wird die Serie laufen? GOLDENE KAMERA hat die Antworten.

"Und in der Seeeele ... brennt nichts als Schmerz“! Die letzten Töne der großen Musiknummer von Filmstar Betty Winter hallen noch nach, als das Unfassbare geschieht: Ein riesiger Scheinwerfer löst sich von der Decke des Filmateliers Neubabelsberg, rast nach unten und trifft Winter am Kopf. Die Hauptdarstellerin von „Dämonen der Leidenschaft“ ist sofort tot. Erschlagen.

Anderthalbjährige Drehpause

Ein Unfall? Ein geplanter Mord? Oder vielleicht der Versuch, eine der ersten Tonfilmproduktionen zu sabotieren? Zumindest ist es ein neuer Fall für Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und die erst kürzlich zur Kriminalassistentin beförderte Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) im Berlin von 1929. Auch in Staffel drei (ab 24. Januar bei Sky) sind die beiden wieder die Hauptfiguren von „Babylon Berlin“, dem Historienkrimi von X Filme Creative Pool in Co­Produktion mit ARD Degeto, Sky, WDR und Beta Film.

Die anderthalbjährige Drehpause zwischen Staffel zwei und drei hat Spuren hinterlassen – zumindest bei Volker Bruch. „Die Serie war im TV so präsent, dass ich Rath am Ende eher als Zuschauer kannte“, so Bruch (GOLDENE KAMERA 2018). „Bei der Kostümprobe zu Staffel drei hatte ich leichte Identitätsprobleme. Ich sah in den Spiegel und dachte: Das sieht so ähnlich aus wie Rath, aber nicht richtig. Zum Glück war am ersten Drehtag alles wieder okay.“

Es half vermutlich, dass hinter der Kamera das altbewährte Team stand: Die Autoren und Regisseure sind wieder Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Sämtliche Skripte haben sie abermals gemeinsam verfasst; jeder hat Szenen für alle zwölf Folgen gedreht. „Diese Arbeitsweise erstickt jedes Anspruchsdenken im Keim. ‚Das ist meine Szene! Das ist meine Episode!‘, das gibt es nicht. So ein Projekt ist perfekt, um Egos zu bändigen“, verrät uns Henk Handloegten.

Okkultismus als neues Thema

Die Arbeitsteilung also bleibt. „Was Staffel drei von den bisherigen Staffeln unterscheidet“, sagt Achim von Borries, „ist, dass wir näher an den Figuren sind. Die neuen Folgen sind emotionaler, die Geschichte übersichtlicher.“ Sein Kollege Tom Tykwer stimmt zu: „Das Schöne an der neuen Staffel ist, dass wir die Welt bereits etabliert haben. Sie lebt und atmet. Wir können da direkt hineinspazieren. Jetzt geht es sofort ans Eingemachte.“ So bekommen bereits bekannte Charaktere neue Facetten, wie etwa der manisch­ depressive Industrielle Alfred Nyssen (Lars Eidinger). Oder auch Oberst Wendt (Benno Fürmann), denn die Unterwanderung der Berliner Politik durch Nationalisten geht auch in Staffel drei weiter. Natürlich gibt es aber auch wichtige neue Figuren, wie den Gangsterboss Walter Weintraub (Ronald Zehrfeld) – und neue Milieus.

Neben der Filmbranche lernt der Zuschauer auch die Kaffeehauskultur der pulsierenden Metropole kennen. Er kann zudem in die Redaktionen der Pressestadt Berlin blicken, wo um das Jahr 1930 Tageszeitungen in gleich mehreren täglichen Ausgaben erschienen. Und auch das Thema Okkultismus, damals in Berlins Upperclass der letzte Schrei, kommt vor. Die drei Macher genießen sichtlich das riesige Panorama, das ihnen das Serienformat bietet. Gleichzeitig bleibt die Produktionsweise eine Herausforderung. „Eine Serie zu machen ist wie ein Langstreckenlauf“, erklärt Tom Tykwer. „Doch kurz bevor man das Ziel erreicht, kommt immer einer, der das Zielschild abschraubt und weiter nach hinten versetzt. Man steht praktisch wieder an der Startlinie. Zum Glück erlebt man währenddessen wie ein Marathonläufer manchmal ein High, das einen nicht mehr aufhören lässt.“

Die Serie soll 1933 enden

Aber auch „Babylon Berlin“ wird einmal enden. Co­-Drehbuchautor Henk Handloegten verrät sogar, wann: „Wir haben lange überlegt und uns darauf geeinigt, dass wir bis 1933 erzählen wollen.“ Das bedeutet, dass die Serienmacher nicht alle Gereon­-Rath­-Romane des Schriftstellers Volker Kutscher adaptieren werden, sondern wahrscheinlich nur fünf. Kutscher ist mit seinen bisher sieben Romanen bereits im Jahr 1935 angelangt. „Wir haben der Serie den Titel ‚Babylon Berlin‘ gegeben“, so Handloegten weiter, „und dieses Zeitalter endet nun mal 1933. Was danach kommt, ist etwas anderes, auch wenn die Figuren weiterleben.“

Auch DiCaprio schaut die Serie

Wie es mit der Serie weitergeht, beobachtet auch das Ausland mit Interesse. Die bisherigen Folgen wurden international zum Teil überschwänglich gelobt. Auf der Website „Rotten Tomatoes“ erhielt Staffel eins 100 Prozent. Sprich: Es gab ausschließlich positive Kritiken. Zur internationalen Fangemeinde gehören sogar Weltstars. So verriet Leonardo DiCaprio im Sommer 2019 in Berlin anlässlich der deutschen Premiere von „Once Upon a Time in Hollywood“, dass er „Babylon Berlin“­-Fan sei. Womöglich verfolgt auch US­-Regisseur Damian Chazelle die Serie sehr genau. Der Oscarpreisträger („La La Land“) arbeitet derzeit an seinem neuen Kinofilm mit Brad Pitt und Emma Stone. Dieser spielt um 1930 in Los Angeles, es geht um den Übergang vom Stumm­- zum Tonfilm. Der Titel des Projekts: „Babylon“

"Babylon Berlin 3": 12 neue Folgen ab 24. Januar, 20.15 Uhr bei Sky 1

Die Doku zur Serie

Prostitution, Drogen, große Kriminalfälle: Die zweite Staffel der Doku-Reihe „Sündenbabel Berlin“ erzählt in zwei Folgen vom Berlin der 20er als „Metropole des Verbrechens“. Aber auch das politische und gesellschaftliche Leben wird in Archivaufnahmen rekonstruiert: 23. Januar, 21.45 Uhr bei Spiegel Geschichte.