"The New Pope": Wer ist der wahre Papst?

Zwischen Glaube und Laster: Im Sky Original „The New Pope“ (ab 20. Februar, 20.15 Uhr, Sky Atlantic HD) tritt John Malkovich gegen Jude Law an.

Heftige Atemzüge, ein Griff ans Herz. Gerade noch hatte Papst Pius XIII. (Jude Law) eine bewegende Predigt vom Balkon des Markusdoms in Venedig gehalten, da bricht er plötzlich zusammen.

Trailer "The New Pope"

Es folgt die allerletzte Einstellung der Dramaserie „The Young Pope“: Die Kamera zoomt heraus, immer weiter Richtung Himmel – und nimmt Pius’ Seele mit. So schien es zumindest. Aber die Geschichte um Pius XIII. geht weiter. Wie, das erzählt jetzt die neunteilige Fortsetzung „The New Pope“, eine Produktion von Sky, HBO und Canal+.

Darum geht's in "The New Pope"

Neun Monate liegt Pius im Koma, als der Vatikan eine neue Papstwahl ansetzt. Gewählt wird letztlich der britische Adlige Kardinal John Brannox (John Malkovich, „Gefährliche Liebschaften“) – intelligent, kultiviert und ein gemäßigter Kirchenmann. Doch als Papst Johannes Paul III. hat er schon bald mit den Skandalen, Intrigen und der Krise der katholischen Kirche zu kämpfen.

Und dann ist da noch Amtsvorgänger Pius XIII., der selbst im bewusstlosen Zustand das Leben der Menschen auf rätselhafte Weise beeinflusst. „Pius könnte jederzeit aus dem Koma erwachen“, verriet uns Regisseur und Co-Autor Paolo Sorrentino am Rande des Drehs in den Cinecittà-Studios in Rom. „Wir fanden, Jude Laws Gage wäre etwas zu hoch, um ihn nur beim Schlafen zu zeigen.“

Wie viele Zuschauer war auch Law zunächst überrascht über den Vorschlag einer Fortsetzung. „Ich denke, wir hätten alle keine zweite Staffel gemacht“, so der Brite, „wenn Paolo nicht eine unglaubliche Idee gehabt hätte, wie es mit Pius weitergeht. Als Schauspieler versucht man immer, die Widersprüche einer Figur zu finden und herauszuarbeiten. Meine Figur besteht praktisch nur aus Widersprüchen!“

Würdiger Gegenpart

In Sir John Brannox hat der dogmatische Pius XIII. diesmal einen mehr als würdigen Gegenpart. Oscarpreisträger Sorrentino („La Grande Bellezza“) erklärte die neue Figur so: „Sir John will sich von Extremen fernhalten. Er ist ein Papst des Ausgleichs. Aber: Auch er hat seine dunklen Geheimnisse, seine Leichen im Keller.“

Damit ist er in „The New Pope“ längst nicht der Einzige. In freizügigen Bildern zeigt Sorrentino auch die Abgründe der Kirche. Sei es eine Sex- und Drogenorgie im Vatikan-Umfeld oder eine Nonne, die beim Waschen des komatösen Papst Pius im Krankenbett ihren Trieben nachgibt.

Verständlich also, dass „The New Pope“ nicht im Vatikan gedreht werden durfte. Stattdessen ließ Sorrentino vieles in den nur zwölf Kilometer entfernten Cinecittà-Studios nachbauen. Hier entstanden einst Filmklassiker wie „Ben Hur“ und „Cleopatra“.

Der Petersdom steht im Studio

Für „The New Pope“ wurde in Halle 15 die Sixtinische Kapelle nachgebaut, wo traditionell der Papst gewählt wird. 13 Wochen arbeiteten Künstler und Handwerker an dieser beeindruckenden Kulisse. Der Maßstab: eins zu eins, 41 mal 13,4 Meter. Michelangelos berühmte Decke wurde später per CGI eingefügt, aber Teile seines Freskos „Das jüngste Gericht“ an der Stirnseite waren beim Dreh vor Ort vorhanden.

Ebenso imposant: der Set in einer Nachbarhalle. Hier hatte das Team etwas verkleinert das Innere des Petersdoms rekonstruiert. Am Tag zuvor war der Set für eine Szene mit 900 Statisten gefüllt: Priester, Kardinäle, Bischöfe, alle in eigens angefertigten Gewändern. Entsprechend müde sah Kostümdesigner Carlo Poggioli bei unserem Besuch immer noch aus. „Es dauert eben ewig, bis man 900 Statisten wieder ausgezogen hat“, sagte er und lachte.

Bei allem Stress gab aber Poggioli zu, dass der stolze Name Cinecittà immer noch Türen öffnet: „Für die Serie mussten wir Uniformen der Schweizergarde anfertigen. Zum Glück bekamen wir Hilfe von der Firma, die tatsächlich Ausstatter des Vatikans ist.“

Exquisit sind in der Serie auch die Anzüge Malkovichs. Sie wurden eigens angefertigt von der neapolitanischen Schneiderei Cesare Attolini, die auch die Windsors ausstattet. Der elegantere Papst ist Sir John allemal. Ob das reicht? Wenn es um das höchste Amt geht, gilt im Vatikan schließlich: Es kann nur einen geben.