Sonja Gerhardt: "Ob sich eine Dreiecksbeziehung zwischen Monika, Joachim und Freddy entwickelt?"

Sonja Gerhardt spielt seit der ersten "Ku'damm"-Staffel die rebellische Monika Schöllack. Vor welchen Schicksalsschlägen und Liebeswirren sie in "Ku'damm 63" steht, verrät die 31-jährige Hauptdarstellerin exklusiv im Interview.

Vor welchen Herausforderungen steht Monika in der 3. Satffel?

Sonja Gerhardt: Auf Monika kommt einiges zu: Sie ist mit Joachim verheiratet, wird von ihm schwanger – und verliert das Kind. Außerdem ist sie jetzt viel erwachsener und muss sämtliche Konsequenzen tragen. Ich musste mich völlig neu an die Rolle annähern und Monika ganz neu erfinden.

Wie stellt Monika ihre Emanzipation diesmal unter Beweis?

Sonja Gerhardt: Indem sie nach wie vor zu ihren Gefühlen und zu sich selbst steht – und nicht von einem Mann abhängig ist. Monika kriegt ihr Leben selbst auf die Reihe. Aber in der dritten Staffel ist sie nicht die einzige, die sich emanzipiert. Denn ihre Schwestern Helga und Eva – und selbst ihre Mutter Caterina – werden immer selbstbestimmter.

In der 3. Staffel komponiert Monika einen Song für die Sängerin Lore Lay…

Sonja Gerhardt: Genau, für deren Bewerbung beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“. Damals gab’s bei diesem Gesangswettbewerb übrigens eher „Heile-Welt-Musik“ – weil sich die Menschen in der Nachkriegszeit sehr danach gesehnt haben. Neben einigen anderen Liedern habe ich auch das Lied für Lore Lay im Studio eingesungen. Ich musste mit dem Song aber erst einmal warm werden, weil er überhaupt nicht Monikas Stil ist. Doch als ich das Lied öfter gehört– und es auch beim Dreh gesungen habe, fand ich es plötzlich immer schöner. Es hat richtig Spaß gemacht, zu singen und zu performen.

Was ist diesmal der Reiz an der Rolle der Monika?

Sonja Gerhardt: Die Darstellung ihres Erwachsenwerdens. Monika muss die Konsequenzen ihres Handelns tragen und Verantwortung für sich selbst übernehmen. Diesmal kommt sehr viel Emotionales auf sie zu.

Welche Rolle spielen Monikas Männer Freddy und Joachim für ihre Weiterentwicklung?

Sonja Gerhardt: Monikas Männer spielen nach wie vor eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Mit Joachim ist Monika verheiratet, mit Freddy hat sie die gemeinsame Tochter Dorli. Aber ob sich eine Dreiecksbeziehung aus dieser Ausgangslage entwickelt? Das bleibt ein Geheimnis!

Was lernen Sie durch die „Ku'damm“-Reihe über deutsche Geschichte?

Sonja Gerhardt: Schon seit „Kudamm 56“ lerne ich immer mehr über die Emanzipation der Frauen - beispielsweise, wie wenig Rechte sie früher hatten und wofür sie kämpfen mussten. Denn Mann und Frau waren damals absolut nicht gleichgestellt, und die Frauen trugen die ganze Verantwortung für die Zufriedenheit des Mannes. Aber interessanterweise kamen die Männer oft ebenfalls nicht mit dieser Rollenverteilung klar – und haben ziemlich viel Druck gespürt. Vor dem Dreh von „Kudamm“ habe ich nicht geahnt, dass Männer und Frauen damals gleichermaßen unter den gesellschaftlichen Schablonen litten.

Warum waren die 1963er Jahre eine spannende Zeit?

Sonja Gerhardt: 1963 war ein spannendes Jahr, weil die Mauer bereits seit zwei Jahren stand und in dem Jahr der sogenannte Passagierschein für Besuche in Ostdeutschland genehmigt wurde. Außerdem kam John F. Kennedy 1963 nach Berlin. Damals sind hunderttausende Menschen zu seiner Kundgebung gegangen – aus dieser Rede stammt auch das berühmte Zitat „Ich bin ein Berliner“. Dieses Ereignis spielt auch bei uns in der dritten Staffel eine Rolle.

Wie entwickelt sich die Mode weiter? Hat Monika einen neuen Kleidungsstil?

Sonja Gerhardt: Nein, weil sie schon immer eine Vorreiterin war – auch was das Tragen von Hosen betrifft. Die Frauenmode war in den 60er Jahren aber insgesamt deutlich frecher und selbstbewusster als jemals zuvor. Frauen trugen Hosen und Anzüge nun mit großer Selbstverständlichkeit. Eva Schöllack hat sich dahingehend in „Ku’damm 63“ am weitesten entwickelt. Sie sieht richtig fesch aus.

Wie gut haben Sie durch den Dreh Tanzen und Singen gelernt?

Sonja Gerhardt: Ich habe schon in jungen Jahren im Kinderensemble des „Friedrichstadt-Palast“ getanzt, deshalb hatte ich bereits Tanzerfahrung. Aber Rock 'n' Roll habe ich für „Kudamm“ komplett neu gelernt. Diesmal tanzen wir nicht mehr so viel wie in den vorherigen Staffeln, aber dafür singe ich jetzt mehr. Das Singen habe ich erst durch „Kudamm“ gelernt – und dadurch meine Lust und Leidenschaft dafür gefunden.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Reihe?

Sonja Gerhardt: Die unglaublich detailreiche Zeitreise in die Geschichte. Als Zuschauer lernt man viel über die damalige Zeit – und gleichzeitig über die Musik und die Mode. Außerdem schließt man jede Figur ins Herz! Und auch der Rock 'n' Roll, das Tanzen und Singen kommen nicht zu kurz.

Wie hat „Kudamm“ Ihr Leben verändert?

Sonja Gerhardt: Durch „Kudamm 56“ bin ich einer breiteren Masse bekannt geworden. Das hat meine Karriere angekurbelt. Ich habe für die Rolle mehrere Preise gewonnen, und war für den International Emmy Award nominiert. Seit der ersten Staffel ist so viel passiert, dass ich das alles erst mal reflektieren und hinterherkommen musste. Ich bin „Kudamm“ wirklich sehr dankbar.