Marc Terjung: "Die 4. 'Ku'damm'-Staffel könnte 1967 und 1968 spielen"

Headautor Marc Terjung („Edel & Starck“, „Danni Lowinski“) schrieb die Drehbüchern zu "Ku'damm 63". Ein exklusives Interview über die 3. Staffel, seine Lieblingsfiguren und ein Ausblick auf Staffel 4.

Herr Terjung, worum geht’s in der 3. Staffel der „Ku’damm“-Reihe?

Marc Terjung: Für uns war es wichtig, dass die Serie 1963 spielt. Zu diesem Zeitpunkt wird Berlin bereits seit zwei Jahren von der Mauer geteilt – und das Lebensgefühl hat sich stark verändert. Natürlich ist es reizvoll zu erzählen, was das mit unseren Figuren macht. Denn auch die mittlerweile gereiften Schöllack-Töchter spüren die politischen Veränderungen. Und darüber hinaus emanzipieren sie sich immer stärker von ihrer Mutter.

Doch welche Auswirkungen hat die Mauer konkret auf Familie Schöllack?

Marc Terjung: Am meisten beeinflusst sie deren Lebensfühl. Denn einerseits spürten die Berliner in den 60er Jahren eine große Aufbruchsstimmung, während sie andererseits gleichzeitig das Gefühl hatten, in einer eingemauerten Stadt zu leben. Außerdem gibt’s in „Ku’damm 63“ einen Erzählstrang, der sich mit den Schwierigkeiten in Ostberlin beschäftigt – etwa, wann und wie man die innerdeutsche Grenze passieren konnte. Und natürlich spielt auch Kennedys Besuch eine Rolle. Ja, das Lebensgefühl in der geteilten Stadt spüren unsere Figuren in vielen Details ihres Alltags – vom Beginn der Erzählung, Weihnachten 1962, bis zum Herbst ’63.

Wer steht im Mittelpunkt der drei neuen Teile?

Marc Terjung: Vor allen Dingen Monika, wie bereits in den Jahren zuvor. Monika ist die Figur mit der meisten Erzählzeit. Helgas, Evas und Caterinas Zeit ist paritätisch aufgeteilt.

Nach der Wirtschaftswunderzeit und dem Beginn des Rock’n’Roll in der 1. Staffel sowie der Beschäftigung mit MeToo und der Filmindustrie in der 2. Staffel reflektiert die 3. Staffel bestimmt ebenfalls wieder Zeichen der Zeit – wie zum Beispiel den Grand Prix Eurovision de la Chanson. Welche noch?

Marc Terjung: Zuallererst den allgemeinen gesellschaftlichen Aufbruch – und die progressiven sowie reaktionären Kräfte. Denn das einheitliche Bild der Gesellschaft der 50er Jahre brach in den 60ern immer mehr auf.

Was symbolisieren die drei Hauptfiguren Helga, Monika und Eva?

Marc Terjung: Emanzipation und Selbstermächtigung. Monika ist diesbezüglich am weitesten. Sie hat bereits mit ihrer Mutter verhandelt und ihre eigene Stimme gefunden. Helga findet sich endlich als Frau, sie entdeckt eine Leidenschaft. Und Eva muss einen komplizierten Umweg machen, um letztlich zu sich selbst zu finden. Bei Eva ist der Beginn der 60er – und das Moderne – übrigens auch optisch sichtbar, denn ihre Kostüme werden deutlich von der Londoner Modeszene beeinflusst.

Welche Figur in der 3. Staffel ist Ihr persönlicher Lieblingsprotagonist - und warum?

Marc Terjung: Beim Schreiben habe ich immer sehr viel Freude mit Caterina gehabt. Und wir haben eine schöne neue Dimension für Helga gefunden.

Der spannendste Handlungsstrang?

Marc Terjung: … ist der große Strang, der alles verbindet: Das Verhältnis von drei Töchtern zu ihrer Mutter.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Ku'damm-Reihe?

Marc Terjung: Intelligentes Erzählen sowie der schöne Umgang mit einer Zeit, deren Schönheit und Schwierigkeiten wir gleichermaßen beleuchten. „Ku’damm“ ist keine reine Nostalgie, und jeder kann sich in dem damaligen Lebensgefühl wiedererkennen – zumindest die ältere Generation.

Wie verändert sich die Serie optisch im Vergleich zur 2. Staffel?

Marc Terjung: Optisch ist alles noch sehr ähnlich – mit Ausnahme von Kleinigkeiten. Die größten Veränderungen passieren über Kostüm, Maske, Frisuren und Style.

Welche Rolle spielt diesmal die Musik?

Marc Terjung: Für Monika eine ganz wichtige! Denn die Lieder, die sie schreibt und singt, spiegeln ihre Entwicklung – sowie Monikas Weg zum Finden ihrer „Stimme“. Ich liebe es, dass wir bei „Ku’damm“ die Möglichkeit haben, das Finden der Stimme über Musik zu erzählen. Außerdem spiegeln die musikalischen Elemente natürlich auch das Lebensgefühl, und die Aufbruchstimmung und die „Swinging Sixties“.

Eine richtig spannende historische Entwicklung fängt 1968 mit dem Beginn der Studentenrevolution an. Haben Sie bereits nachgedacht, ob und wie sich das später mit der „Ku'damm“-Reihe verbinden lässt?

Marc Terjung: Klar, auch weil die ersten Anzeichen dafür bereits in einer Studentenrevolte 1963 spürbar waren. Wenn es eine vierte Staffel geben sollte, wären 1967 und 1968 die logischen Jahre dafür.

Doch wo und wann gab es 1963 bereits erste Anzeichen?

Marc Terjung: Beispielsweise an der Freien Universität gegen den damaligen AStA-Vorsitzenden Eberhard Diepgen. Der nämlich war den Studenten zu konservativ, und sie sind gegen ihn auf die Barrikaden gegangen.

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