Neuauflagen von "Friends" & Co.: Das Comeback der Sitcom-Klassiker

Vor 25 Jahren wurde Jennifer Aniston (2. v. l.) über Nacht mit der Serie "Friends" weltbekannt.
Vor 25 Jahren wurde Jennifer Aniston (2. v. l.) über Nacht mit der Serie "Friends" weltbekannt.
Foto: ©Warner
SIe sind wieder da: Der Hype um Sitcom-Klassiker hört nicht auf. Warum alte Comedy-Serien zum Milliardengeschäft geworden sind.

Es war ein TV-Event für die Ewigkeit: Am 6. Mai 2004 lief in den USA die letzte Folge der Erfolgssitcom „Friends“, und unglaubliche 52,5 Millionen Menschen waren am Fernseher dabei. Nie wieder hat seither eine US-Serie so viele Zuschauer erreicht.

Das "Friends" Reunion-Special

Rund 16 Jahre später steht die wohl beliebteste aller US-Sitcoms vor einem kleinen Comeback: Ende des Sommers drehen Jennifer Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matthew Perry, Matt LeBlanc und David Schwimmer ein Reunion-Special.

Ein Skript soll es dafür nicht geben, stattdessen blicken die sechs erstmals gemeinsam auf den Megaerfolg zurück. Die Gage für jeden der sechs Stars laut Branchenblatt „Variety“: rund 2,5 Millionen Dollar!

Das Timing ist kein Zufall. Die Reunion wird ein Aushängeschild der neuen Streaming-Plattform HBO Max, die im Mai in den USA gestartet ist. Dort sind alle 236 Folgen verfügbar. In Deutschland läuft „Friends“ (1994– 2004) derzeit bei Comedy Central, TNT Comedy und Amazon Prime Video.

Hype um Sitcom-Klassiker

Auf den Streaming-Plattformen gehören Sitcom-Klassiker zu den meistgesehenen Programmen überhaupt, oft sogar vor aktuellen Highlights. Die Folge ist ein kostspieliges Wettbieten der Streamer um die mehrjährigen Ausstrahlungsrechte alter Hitserien.

So zahlte HBO Max 425 Millionen Dollar für „Friends“. Die Sitcom „The Office“ (2005–13) ist dem im Sommer startenden US-Streamingdienst Peacock 500 Millionen Dollar wert. Dieselbe Summe zahlt Netflix, um ab 2021 „Seinfeld“ (1989–1998) zeigen zu dürfen.

Kurios: Unter den Fans von „Friends“ & Co. sind viele junge Zuschauer, die während der ursprünglichen Ausstrahlung zum Teil nicht mal geboren waren. Sie entdecken die Klassiker neu. Für ältere Zuschauer überwiegt dagegen die 90er- Jahre-Nostalgie.

Inmitten unzähliger Streaming-Neustarts versprechen alte Serien Verlässlichkeit – die US- Journalistin Alexis Nedd prägte den Begriff „Comfort Binge“. Vor allem Sitcoms besitzen diesen Wohlfühlfaktor dank überschaubarer Casts und den so vertrauten Wohnzimmer-Sets.

Die ersten Minuten von "Friends"

Und: Während Dramaserien meist horizontal über Staffeln hinweg erzählen, sind Sitcom-Plots abgeschlossen: 22 Minuten Gags, dann die nächste Story. Die Reihenfolge der Folgen ist oft egal, was Sitcoms auch für lineare Sender attraktiv macht. TNT Serie etwa hat „Friends“ allein vom 20. Juni bis 3. Juli insgesamt 120(!)-mal im Programm.

Rückkehr mit Risiko

Da liegt es nahe, alte Publikumshits wiederzubeleben. Bereits vor der „Friends“-Reunion wagten mehrere andere US-Sitcoms diesen Schritt. "Will & Grace" (1998–2006) startete 2017 eine Fortsetzung, „Roseanne“ (1988–97) kam vorletztes Jahr zurück. Und auch „Verrückt nach Dir“ (1992–99) legte 2019 neue Folgen nach.

Die Bilanz ist gemischt: Nur „Roseanne“ läuft (als „The Conners“) weiter, „Will & Grace“ wurde eingestellt, und auch bei „Verrückt nach Dir“ ist wohl wieder Schluss. Dennoch arbeiten weitere Sitcoms derzeit an einer Rückkehr. Selbst Altmeister David E. Kelley denkt über neue Folgen von „Ally McBeal“ nach.

Könnte auch „Friends“ wieder in Serie gehen? Das ist nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Auch wenn die Hauptdarsteller danach keinen vergleichbaren Erfolg mehr hatten: Die Sitcom hat sie reich gemacht – und tut es weiterhin. Durch geschicktes Verhandeln damals sind sie bis heute am finanziellen Erfolg ihrer Serie beteiligt. Einnahmen für jeden der sechs: rund 20 Millionen Dollar – pro Jahr.

Weitere Sitcom-Neuauflagen

Auch diese 3 Sitcoms aus den 90ern könnten bald fortgesetzt werden:

  • "Hör mal, wer da hämmert"

US-Star Tim Allen überlegt aktuell, wie seine Erfolgssitcom (1991–99) weitergehen könnte. Statt einer kompletten Staffel favorisiert Allen aber einen Einzelfilm.

  • "Frasier"

Paparazzi fotografierten Kelsey Grammer im April 2019 mit einem neuen „Frasier“- Skript in der Hand. Wann seine Hitserie (1993–2004) weitergeht, ist noch offen.

  • "Die Nanny"

Gerade erst trug der Cast der Comedy (1993–99, verfügbar bei Amazon Prime Video) per Videocall die Pilotfolge vor. Star Fran Drescher ist offen für neue Episoden.

Bildergalerie: Diese Serien schrieben Geschichte