Neue Serie "Gangs of London": Knallharte Action in Kinoqualität

Die Sky Original Serie „Gangs of London“ vom Macher von „The Raid taucht tief in die Unterwelt der britischen Metropole ein.

Sean (Joe Cole) hat genug gehört. Am Rand des Hochhausdaches stehend, blickt er hinab auf seinen Gefangenen, der kopfüber an der Fassade hinunterhängt. Nur ein Seil an dessen Fuß hält den Mann in der Luft. Wahrscheinlich weiß er wirklich nicht, wer Seans Vater töten ließ. Aber das ist Sean egal. Er nimmt einen Benzinkanister und leert ihn über seinem Opfer und dem Seil aus. Unter dem Flehen des Mannes zündet Sean das Seil an. Kurz darauf brennt auch der Mann. Schrille Schreie. Zuckende Gliedmaßen. Als das Seil schließlich reißt, stürzt der brennende Körper nach unten ins Dunkel der Londoner Nacht.

Trailer zu "Gangs of London" (OV)

Nach den ersten zweieinhalb Minuten ist klar: Ein Menschenleben zählt in der neuen 9-teiligen britischen Serie „Gangs of London“ (ab Donnerstag, 23. Juli, 21.15 Uhr, Sky Atlantic) nichts.

Die Story von „Gangs of London“

Gangsterboss Finn Wallace (Colm Meaney, „Hell on Wheels“) wurde ermordet – doch wer steckt hinter dem Anschlag auf Londons mächtigsten Kriminellen? Sein skrupelloser Sohn Sean sinnt auf Rache. Hauptdarsteller Joe Cole („Peaky Blinders“) erklärt seine Rolle so: „Sean erbt den Thron seines Vaters. Als er aber die Kontrolle übernimmt, verändert sich das Machtgefüge. Er will die Lücke, die sein Vater hinterlassen hat, schließen. Doch daraus entsteht eine ganze Reihe Probleme.“

Sean stellt den Bossen der anderen Londoner Clans ein Ultimatum: keine illegalen Geschäfte, solange der Mörder seines Vaters nicht gefasst ist! Plötzlich liegt in London das organisierte Verbrechen lahm, vor allem Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Seans Mutter Marian (Michelle Fairley, „Game of Thrones“) bestärkt ihren Sohn.

In der Unterwelt allerdings macht sich Sean jede Menge Feinde. Kann ihm ausgerechnet der unscheinbare Kleinkriminelle Elliot (Sope Dirisu, „Humans“) bei der Suche nach dem Mörder helfen?

Razzia bei der Recherche

Co-Autor und -Regisseur von „Gangs of London“ ist Gareth Evans. Der gebürtige Waliser hat zuvor mehrere Jahre in Indonesien gelebt, wo er unter anderem den Martial-Arts-Film „The Raid“ (2011) drehte – für viele Kritiker einer der besten Actionfilme des Jahrtausends. Auch „Gangs of London“ war zuerst als Filmprojekt gedacht. Doch Evans wusste schnell, dass man größer planen müsse.

„London ist eine dieser Städte, in denen man 15 verschiedene Sprachen hört, wenn man eine einzige Straße hinunterläuft“, erklärt er. „Da bietet sich ein großer Cast an. In einem Zwei-Stunden-Film hätte man für all die Nebenfiguren und -storys nur eine Viertelstunde Zeit gehabt. Ich aber wollte andere Sprachen und Kulturen zeigen, also schlug ich eine Serie vor.“

Entsprechend vielfältig und bunt ist das kriminelle London in Evans Serie – von jamaikanischen Banden bis pakistanischen Drogenkartellen, von der albanischen Mafia bis zur chinesischen Triade. Zur Vorbereitung tauchte Evans gemeinsam mit Co-Creator Matt Flannery intensiv in die Materie ein. „Wir haben uns von Journalisten, Ex-Undercover-Cops und ehemaligen Kriminellen durch London führen lassen“, erinnert er sich. „Einer unserer Kontaktleute erzählte uns, dass in Geschäften für Geldüberweisungen tatsächlich Geld gewaschen wird. Als wir vor einem dieser Läden standen, fuhr plötzlich ein Wagen vor, zehn Zivilfahnder sprangen heraus und stürmten hinein.“

Serien-Tipp, weil…

Neben der Authentizität besticht „Gangs of London“ vor allem durch seine Actionsequenzen. Wie schon in „The Raid“ sind Evans’ Kampfszenen perfekt choreografiert, innovativ gefilmt und sehr brutal. Als Zuschauer ist man hautnah dabei, wenn sich etwa Elliot in einem Pub durch eine Übermacht albanischer Gangster prügelt. Elliots einziges Hilfsmittel in dem imposanten Fight: ein Dartpfeil, den er besonders kreativ einzusetzen weiß. Irgendwie eine typisch britische Waffe, wenn auch nicht die feine englische Art.