Neue Serie "Devs": Abgründe im Silicon Valley

Zum TV-Start seiner ersten Serie "Devs" auf Fox spricht Sci-Fi-Ass Alex Garland über Kubrick und Comedy.

Schon mit seinen Sci-Fi-Werken "Ex Machina" (2014) und "Auslöschung" (2018) sorgte der britische Autor und Regisseur Alex Garland für Hochspannung und gab zugleich smarte Denkanstöße. Seine achtteilige Miniserie "Devs" (ab Mittwoch, 19. August, 21 Uhr, FOX), die er in Kalifornien und England drehte, befasst sich nun mit dem Phänomen des Quantencomputers, dessen Leistungsfähigkeit bisherige Superrechner bei Weitem übertreffen soll.

Trailer: "Devs"

Darum geht's in "Devs"

Mitten in einem Wald im Silicon Valley hütet Forest (Nick Offerman) einen Hightech-Schatz. Der besessene CEO des Unternehmens Amaya hat hier seine mysteriöse Abteilung "Devs" errichtet, in der Entwickler-Genies abgeschottet vom Rest der Firma an einem spektakulären Durchbruch arbeiten. Frisch in die Abteilung befördert, traut Sergei (Karl Glusman) seinen Augen nicht, als er den Code liest, der für einen dortigen Quantencomputer geschrieben wurde. Noch am selben Tag verschwindet Sergei spurlos.

Seine Lebensgefährtin, die Softwareingenieurin Lily (Sonoya Mizuno), die ebenfalls für Amaya arbeitet, glaubt Forests Aussage nicht, Sergei habe Suizid begangen. Furchtlos erforscht sie die wahren Hintergründe.

Nick Offerman im Interview zu "Devs"

Hintergrund

Giganten wie Google, Microsoft oder IBM, aber auch Regierungen – darunter Deutschland – beteiligen sich aktuell an einem Wettrennen um die Entwicklung eines solchen Quantencomputers, mit dem heute nicht einmal vorstellbare Anwendungen Realität werden könnten. Regisseur Garland erzählt vor diesem Hintergrund einen Thriller über das Vorausberechnen menschlichen Handelns und einen Techguru, der Gott spielt.

Nick Offerman spielt den Chef Forest

CEO Forest genießt das Vertrauen seiner Mitarbeiter und verhält sich nach dem Tod ihres Partners überaus verständnisvoll gegenüber Lily. Doch er verbirgt ein düsteres Geheimnis.

Die ernste Rolle besetzte Garland ausgerechnet mit einem US-Comedystar: Nick Offerman. "Ich hatte keine Ahnung, dass Nick vor allem in der Comedy zu Hause ist. Ich hatte zwar von seiner Serie 'Parks and Recreation' gehört, sie aber nie angeschaut. Und ich traf ihn und dachte, er ist ein sehr intelligenter, gutmütiger Mann", so Garland im Interview mit GOLDENE KAMERA. "Dass er sogar ein unglaublich bekannter Comedystar ist, bemerkte ich erst beim Dreh in den USA, als ihn ständig Leute auf der Straße erkannten und seinen Namen riefen."

Sonoya Mizuno spielt Lily

Bei Offermans Filmpartnerin Sonoya Mizuno blieben derlei Überraschungen aus, mit der britisch-japanischen Schauspielerin hatte der 50-Jährige schon in "Ex Machina" und "Auslöschung" zusammengearbeitet. "Viele Schauspieler wollen so sehr gemocht werden, dass es ihnen schwerfällt, Charaktere zu spielen, die nicht leicht und offensichtlich einnehmend sind", so Alex Garland. "Sonoyas Charakter muss mit Trauer umgehen. Sie hat es sehr gut verkörpert."

Wie in "Ex Machina", der von künstlicher Intelligenz in Gestalt einer attraktiven Androidin erzählte, kommt auch hier das Unheil in schöner Verpackung: Die "Devs"-Abteilung wirkt wie ein moderner, in Gold getauchter Tempel, im Zentrum steht der Wunderprozessor als schillernde Säule hinter Glas. "Das Szenenbild ist für mich unglaublich wichtig. Ich denke viel darüber nach", sagt Alex Garland.

Bei "Devs" wollte er das Klischee vom antiseptischen, weißen Technologielabor mit Menschen in weißen Kitteln bewusst vermeiden: "Der Raum sollte sich poetisch anfühlen: Je näher man dem Herzen der Wissenschaft kommt, umso magischer und geheimnisvoller wird es. Andererseits habe ich an Dingen festgehalten, die real sind. Der Rechner im Gebäudekern mit seinen seltsamen Röhren und schimmernden Platten etwa wurde einem echten Quantencomputer nachempfunden, dem man sein Gehäuse abgenommen hat."

Dass die unheimliche Grazie der Serie an Stanley Kubricks "2001: Odysssee im Weltraum" erinnert, ist kein Zufall. "Ich liebe den Film und ich habe ihn Gott weiß wie oft gesehen, auch mit meinem Sohn", sagt Garland. "Und so wäre ich überrascht, wenn es keinen offensichtlichen Einfluss gäbe. Wenn ich an Kubrick denke, trifft bei ihm Kaltes, Analytisches auf etwas, das heiß, irrational und menschlich ist. Vielleicht stellt das eine Gemeinsamkeit dar. Aber das sollten besser andere Leute beurteilen."

Filmen und Serien wie "Star Wars" oder "Star Trek" habe er nie viel abgewinnen können, so der Science-Fiction-Kenner, der als Teenager seine Leidenschaft für das Genre durch die Romane des britischen Autors J.G. Ballard entdeckte. Aber auch die derzeitigen politischen Entwicklungen treiben ihn um. "Wenn es um Zukunft geht, denke ich heute weniger über künstliche Intelligenz oder den Machtgewinn von Technologieunternehmen nach, sondern über gesellschaftlichen Zerfall, Spaltung und Zusammenbruch – und darüber, wie sehr populistische Führer wie Trump, Johnson oder Bolsonaro sie beschleunigen."

Zuletzt hatte Garland an einem neuen Stoff über zivilen Ungehorsam gearbeitet. "Es kam mir vor, als hätten die Menschen vergessen, wie man protestiert, deshalb habe ich darüber geschrieben. Und dann, plötzlich, als Reaktion auf die Ermordung von George Floyd, explodierte der zivile Ungehorsam in Amerika und Europa. Es klingt seltsam, aber ich verspürte eine große Erleichterung, dass endlich ein Kampf stattfand. Allerdings hörte ich auch mit dem Schreiben auf, weil ich gefühlt keinen Grund mehr hatte." Auf Garlands nächstes Projekt nach dem großartigen "Devs" werden wir also ein wenig warten müssen.

GOLDENE KAMERA Serien-Tipp, weil...

Düsterelegante Mystery vom Sci-Fi-Meister Alex Garland, dessen Blick in die Zukunft nicht nur für Fans schauererregend ist.