"Biohackers": Jessica Schwarz auf dem Killer-Campus

In der neuen Netflix-Serie "Biohackers" (ab Donnerstag, 20. August) hat Jessica Schwarz als Professorin ein tödliches Geheimnis.

"Mach sie gesund, versprich es!", fordert das Mädchen, deren Mutter im voll besetzten ICE bewusstlos zu Boden gestürzt ist. Ein Herzinfarkt? Mia, die gerade ihr Medizinstudium begonnen hat, wird ein Defibrillator in die Hand gedrückt. Doch dann fallen nacheinander fast alle Passagiere um.

Die deutsche Netflix-Serie "Biohackers" beginnt mit einem Schockerszenario, was zur Verschiebung ihrer Premiere führte. Eigentlich sollte die Ende April stattfinden – auf dem Höhepunkt der Coronakrise. "Es geht bei uns zwar nicht um eine Pandemie, aber manche Szenen hätten damals verstörend wirken können", meint der Autor und Regisseur Christian Ditter ("Vorstadtkrokodile"), der mit "Biohackers" seine erste Serie schuf. Deshalb verlegten er und der Streamingdienst den Start auf August.

Trailer: "Biohackers"

Darum geht's in "Biohackers"

Mia (Luna Wedler, "Dem Horizont so nah"), beginnt ihr Studium an der Uni Freiburg und legt enormen Ehrgeiz an den Tag, um sich einen Platz im Mitarbeiterteam von Prof. Dr. Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) zu erkämpfen. Lorenz ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erbgutveränderung, der sogenannten Genomeditierung. Was niemand ahnt: Mia hat mit ihr noch eine Rechnung offen.

Hintergrund

"Mittlerweile kann man zwischen Coronafakten und der Fiktion, die wir erzählen, sehr viel klarer trennen, so dass ich jetzt keine Sorge mehr habe, dass sich jemand verängstigt fühlt." Was die Ursache für den Vorfall im Schnellzug ist, wird erst gegen Ende des sechsteiligen Nervenkitzels aufgelöst.

Luna Wendler spielt Mia

"Ich war total angetan von dieser Medizinwelt. Mein Vater ist Arzt und konnte mir einige Fragen beantworten", sagt Luna Wedler. "Zudem spielt Mia ja eine Rolle und führt eigentlich zwei Leben, was mich unglaublich gereizt hat."

Die 20-Jährige lebt seit zwei Jahren in einer Züricher WG. Und auch ihre Serienfigur landet in einer WG mit schrägen Mitbewohnern, die mit Pflanzen experimentieren und sich Chips unter die Haut implantieren. Durch Mia werden sie in ein gefährliches Abenteuer katapultiert.

"Wir wollten im Ton der frühen Amblin-Filme erzählen, die auch eine gewisse Leichtigkeit haben", sagt Christian Ditter. Die von Steven Spielberg mitbegründete Produktionsfirma brachte in den 1980erJahren u. a. "E.T." und "Gremlins" ins Kino. "Menschen wie du und ich werden mit einer Herausforderung konfrontiert, die größer als sie selbst ist."

Zur Herausforderung für Mia und ihre Kommilitonen wird ein Geheimprojekt von Prof. Lorenz, das nicht fernab der Realität ist: "Die Serie behandelt die Genomeditierung in Ei- und Spermazellen oder in befruchteten Eizellen. Theoretisch könnten damit Erbkrankheiten bei Embryonen aus künstlicher Befruchtung verhindert werden", erklärt Dr. Ole Pless vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie, Fachberater bei "Biohackers". Solche Eingriffe würden durchgeführt, seien jedoch ethisch umstritten: "Viele Wissenschaftler lehnen sie ab, da sie das Erbgut künftiger Generationen dauerhaft verändern."

Jessica Schwarz spielt Prof. Lorenz

Lorenz-Darstellerin Jessica Schwarz (hier im Interview) war begeistert von ihrem Part, auch wenn „die Gegenspielerin eine Rolle ist, mit der ich mich noch anfreunden muss“. Das Unileben hat die 43-Jährige, die mit 16 zu modeln begann, nie kennengelernt: "Interrail und Erstsemesterpartys habe ich irgendwann schon vermisst." Am Ende der sechs Folgen stehen Lorenz und Mia im Zentrum eines überraschenden Cliffhangers. Bis zu einer Fortsetzung aber kann man sich die Zeit gut mit weiteren deutschen Netflix-Inhalten vertreiben –"Biohackers" nämlich markiert nur den Start einer zweiten Welle von Eigenproduktionen.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Was Serien betrifft, können die Deutschen inzwischen mit dem internationalen Standard locker mithalten. "Biohackers" erinnert tatsächlich ein wenig an die US-Serien "Revenge" und "What/If". Die böse, geradezu übermächtige Frau, die mit ihrem krankhaften Ehrgeiz über Leichen geht, ist zwar nicht neu. Aber Jessica Schwarz, die die Zuschauer ja eher als "nettes Mädchen von nebenan" kennen, wird im maßgeschneiderten Anzug mit ihrem zynischen Lächeln dieser Rolle überraschenderweise erstaunlich gut gerecht. Und auch Luna Wedler als Gegenpart kann überzeugen.

Klar, wird nicht nur bei den Rollenprofilen mit Klischees gespielt, doch es ist die Mischung, die "Biohackers" ausmacht: Größenwahn, Rache, medizinischer Fortschritt und natürlich Liebe - es ist für jeden etwas dabei. Dazu vermittelt der Kontrast der ländlichen Idylle Freiburgs mit den Zukunftstechnologien, die schon Realität sein könnten, Spannung.

Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Christian Ditter hat nach "Love, Rosie - Für immer vielleicht", "Girlboss" und "How to be Single" erneut bewiesen, dass er auf dem internationalen Markt Zuhause ist. Die sechs Folgen à ca. 43 Minuten lassen sich hervorragend hintereinander wegschauen. Und der Cliffhanger am Ende verlangt geradezu nach einer Fortsetzung.