Neue Serie "Mrs. America" mit Cate Blanchett als Antifeministin

Lieber Küche als Karriere: In „Mrs. America“ (ab Dienstag, 1. September, 21.00 Uhr, FOX) setzt sich Cate Blanchett gegen Gleichberechtigung ein.

Alle Menschen sind gleich, Männer wie Frauen. Sogar US-Präsident Richard Nixon befürwortet 1972 den Verfassungszusatz „Equal Rights Amendment“, der die Gleichstellung der Geschlechter gesetzlich verankern soll. Mit weiblichem Widerstand hat niemand gerechnet.

Trailer zu "Mrs. America" (OV)

Darum geht's in "Mrs. America"

Die erzkonservative Aktivistin Phyllis Schlafly (Cate Blanchett), Mutter von sechs Kindern, mobilisiert verunsicherte Hausfrauen gegen das „liberale Establishment“, das die traditionellen Familienwerte verteufle und glückliche Mütter ins Berufsleben drängen wolle.

Die organisierte Frauenbewegung der USA um Gloria Steinem (Rose Byrne), hofierte Herausgeberin des feministischen Magazins „Ms.“, nimmt die biederen Kontrahentinnen und Kommentare wie „Ihr kriegt doch bloß keinen Mann ab“ nicht ernst. Bis Phyllis und ihre Legion erste Abgeordnete mit selbst gebackenem Brot und Augenaufschlag überzeugen, gegen den Zusatzartikel zu stimmen.

Kampf gegen Frauenrechte

In neun spannenden (und perfekt durchgestylten) Folgen beleuchtet „Mrs. America“ den erbitterten Kampf der Frauen – gleichberechtigt aus allen Perspektiven. Dass sich ausgerechnet Geschlechtsgenossinnen gegen Frauenrechte stark machen, bleibt dabei umso verstörender.

Emmy-Gewinnerin Dahvi Waller („Mad Men“) schrieb die Serie übrigens 2016 – bevor sich abzeichnete, dass Hillary Clinton nicht die erste Präsidentin der USA werden würde.

Feminismus ist unweiblich

Cate Blanchett, die auch als Produzentin mit einstieg, war Phyllis Schlafly kein Begriff. „Aber da war diese alte Dame, die bei Donald Trumps Auftritten mit Standing Ovations gefeiert wurde. Ich wollte unbedingt mehr über sie erfahren“, erzählt unsere GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 2002. „Paradoxerweise hat Phyllis bewiesen, wie mächtig Frauen sein können, während sie zugleich deren Position schwächte. Sie hat erreicht, dass Feministinnen als unweiblich galten.“

Als Monster wird sie deshalb aber nicht dargestellt. Auch bei der ambitionierten Titel-Antiheldin mit Juraexamen geht „Mrs. America“ subtil und einfühlsam vor: Eben noch betont Mrs. Schlafly, sie sei noch nie diskriminiert worden – und im nächsten Moment wird sie als einzige Frau in der Herrenrunde verdonnert, das Sitzungsprotokoll zu führen. Allein schon für den Gesichtsausdruck in dieser Szene hat Cate Blanchett ihre Emmy-Nominierung mehr als verdient.

„Gloria Steinem sagt, sie warte bis heute darauf, dass Männer gefragt werden, wie sie Kinder und Karriere unter einen Hut bringen“, so der Star. „Ich werde in Interviews ständig danach gefragt. Das zeigt doch, wie erschreckend wenig sich seit den 70ern geändert hat!“