"Schatten der Mörder" - Das neue "Babylon Berlin"?

GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Nina Hoss spielt in der ZDF-Serie "Shadowplay" eine ehemalige Professorin, die in der Trümmer-Stadt Berlin als Polizistin ums Überleben kämpft. „Elsie hat einen starken Gerechtigkeitssinn, der im Lauf unserer Geschichte auf eine harte Probe gestellt wird", sagt Hoss in einer Drehpause. Eine weitere Figur der Serie ist der Gynäkologe Dr. Gladow , gespielt von Sebastian Koch. Hinter seiner biederen Fassade verbirgt sich ein kriminelles Genie. „Gladow liebt es, Macht zu haben“, sagt Koch. Warum die beiden Stars ausgrechnet in dieser Serie mitspielen, erfahrt ihr im Interview unseres Reporters Michael Tokarski, der sie am Set in Prag getroffen hat.

Beschreibung anzeigen
Rache zwischen Ruinen: Die Krimiserie "Schatten der Mörder" (4-tlg., tägl., ab Freitag, 30. Oktober, 20.15 Uhr im ZDF) lässt das Jahr 1946 auferstehen.

Das soll sein neuer Arbeitsplatz sein? US-Polizist Max McLaughlin (Taylor Kitsch) schaut entgeistert, als ihn seine deutsche Kollegin Elsie (Nina Hoss) durch die halb zerstörte Wache führt. „Was ist das?“, fragt er und zeigt auf ein Dutzend aufgereihter Holzstäbe. „Stuhlbeine“, erklärt Elsie. „Deutsche dürfen keine Waffen tragen.“ Weil diese Anordnung im Sommer 1946 in Berlin auch für Polizisten gilt, sind diese Knüppel ihre einzigen Waffen.

In der zerbombten Stadt regiert nach Ende des Zweiten Weltkriegs unfassbare Gewalt. Innerhalb eines Jahres gibt es geschätzt 3000 Morde und 200.000 Vergewaltigungen.

Hintergrund

Dieser riesige Moloch ist Schauplatz von „Schatten der Mörder“. In der vierteiligen internationalen Ko-Produktion soll der US-Cop Max eine Polizeieinheit aufbauen, allerdings ohne Ausrüstung oder erfahrenes Personal. „Max & Moritz“ als Mordmotiv Erfinder, Autor und Ko-Regisseur der Serie ist der Schwede Måns Mårlind, der zuvor die Hitserie „Die Brücke“ geschrieben hat.

„Jeder von uns kennt viele Filme über den Zweiten Weltkrieg und über den Kalten Krieg“, sagt Mårlind im Interview mit GOLDENE KAMERA am Rande des Drehs in Prag. „Aber über die Zeit dazwischen gibt es kaum Filme. Die Stunde null fasziniert mich. Die Menschen waren ganz unten angekommen. Solche Situationen bringen das Beste in dir hervor. Oder das Schlechteste.“

Darum geht's in "Schatten der Mörder"

Das gilt auch für McLaughlins Bruder Moritz (Logan Marshall-Green). Als US-Soldat hat er das Konzentrationslager Dachau befreit, doch das Erlebnis hat ihn traumatisiert. Nun fahndet er nach untergetauchten Nazis, um sie zu töten. Inspiration für die Hinrichtungen liefern ihm die makabren Streiche aus „Max und Moritz“, jenem Kinderbuch, aus dem ihm seine deutsche Mutter einst immer vorgelesen hat. Max will seinen Bruder stoppen. Eine Jagd durch die Ruinenstadt beginnt.

Dieses Berlin haben Mårlind und Ko-Regisseur Björn Stein in Prag und Umgebung rekonstruiert. Viele der Filmsets wurden in Lenešice in den Überresten einer stillgelegten Zuckerfabrik gebaut, eine Fläche so groß wie fünf Fußballfelder. „Wer an das damalige Berlin denkt“, sagt Mårlind, „denkt zuerst an viel Grau. Aber bei der Recherche