"Vienna Blood": Wahnsinn in Wien

Dr. Max Liebermann (Matthew Beard) und Inspektor Oskar Reinhardt (Juergen Maurer).
Dr. Max Liebermann (Matthew Beard) und Inspektor Oskar Reinhardt (Juergen Maurer).
Foto: ZDF
Mysteriöse Morde im Wien der Jahrhundertwende: Der Dreiteiler „Vienna Blood“ wandelt auf den Spuren von „Sherlock“.

Wien im Jahr 1900. Das Leben tobt: Bei prunkvollen Empfängen fließt in Strömen der Champagner, die feine Gesellschaft spricht über Kunst, Kultur – und den Psychologen Sigmund Freud. Doch die Stadt ist auch morbide: Im Obduktionssaal liegt die junge Charlotte Löwenstein (Alma Hasun). Der Gerichtsmediziner beugt sich über die Leiche der Frau, die ein tödlicher Schuss traf. Die Eintrittswunde ist deutlich zu sehen. Eine Austrittswunde? Fehlanzeige. Der Arzt ist verzweifelt: „Jemand nimmt uns auf den Arm.

Trailer: "Vienna Blood"

Entweder das – oder aber wir haben es hier mit Hexerei zu tun.“ Die Annahme liegt nahe: Löwenstein war ein Medium, lud verschleierte Gäste zu Séancen. Der ungewöhnliche Mord soll von einem ungleichen Duo gelöst werden: Inspektor Oskar Reinhardt (Juergen Maurer, „Vorstadtweiber“) ist altgedienter Polizist, ein Mann fürs Grobe – Gewalt, Verfolgung, Verzweiflung. Widerwillig muss er für diesen Fall jedoch feingeistige Begleitung hinnehmen: Dr. Max Liebermann (Matthew Beard, „The Imitation Game“), einen englischen Psychoanalytiker, der mit seinem Beobachtungsgeschick Verdächtige entlarvt.

Die dunklen Seiten von Wien

In drei 90-minütigen Folgen der Produktion von ORF, BBC und ZDF (Ab 15. November, 22.15 Uhr im ZDF) haben die Ermittler Zeit, sich aneinander zu gewöhnen. Gemeinsam tauchen sie ein in „die dunklen Seiten der Stadt“, so Matthew Beard. Düstere Ecken und zwielichtige Gestalten gibt es viele im Wien der Jahrhundertwende. Die Stadt, die Wirren der Zeit – das treibt die historische Serie, die keinesfalls verstaubt wirkt, voran. Action gibt es obendrein: so etwa eine Verfolgungsjagd, die an den Klassiker „Der dritte Mann“ erinnert, oder einen erbitterten Kampf im berühmten Prater-Riesenrad.

Angesichts all der Herausforderungen nähern sich die beiden Ermittler an. Die frotzelige Freundschaft der beiden ist einer der Gründe, weshalb die Abenteuer des österreichisch-englischen Duos an den Serienhit „Sherlock“ denken lassen. Juergen Maurer sieht das pragmatisch: „Die Bücher sind ähnlich gut, weil sie derselbe Mann geschrieben hat.“ Tatsächlich wirkte Steve Thompson schon bei der berühmten britischen Serie mit, bevor er das Skript für „Vienna Blood“ schrieb. Das überzeugte Maurer, er las es, „ohne einmal aufzustehen“. Dass der Regisseur Robert Dornhelm („Das Sacher“) Thompsons Drehbuch gut umsetzen würde, war zu erwarten: Er hat ein Händchen für historische, österreichische Stoffe. Fest steht: Reinhardt und Liebermann werden wiederkommen. An Staffel 2 wird schon gearbeitet.