"Höllental": True-Crime-Serie über das Verschwinden von Peggy Knobloch

Ein Gedenkstein in Nordhalben erinnert an Peggy Knobloch
Ein Gedenkstein in Nordhalben erinnert an Peggy Knobloch
Foto: Alexander Gheorghiu
Die 6-teilige Serie "Höllental" beleuchtet den Mordfall der neunjährigen Peggy Knobloch aus unterschiedlichsten Perspektiven. Alles über den rätselhaften „Cold Case“.

Die Kameradrohne schwebt über einem Waldweg. Sie dreht nach rechts ab, stoppt über einem Wendehammer, fliegt zögerlich weiter und nimmt dann eine unscheinbare Stelle mitten im finstersten Wald ins Visier. Genau dort, bei Rodacherbrunn in Thüringen, so die unheilvolle Stimme eines unsichtbaren Erzählers, habe ein Pilzsammler am 2.7.2016 einen Kinderschädel gefunden – den Schädel der erst neunjährigen Peggy Knobloch, die seit dem 7.5.2001 vermisst wurde.

Ihr Mörder wurde nie gefunden. Oder saß er zwischenzeitlich hinter Gittern und wurde wieder freigelassen? Wie konnte das blonde Mädchen mit den strahlend blauen Augen und der Diddl-Maus am Schulranzen am helllichten Tag auf dem Marktplatz verschwinden? Und warum wurden DNA-Spuren des Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort von Peggys Skelett gefunden, obwohl er nichts mit dem Mord zu tun hatte? Fragen, auf die es bis heute keine Antworten gibt.

20 Jahre Ungewissheit

19 Jahre nach Peggys Verschwinden rollt die Filmemacherin Marie Wilke das rätselhafte Verbrechen, das zu Deutschlands bekanntesten Kriminalfällen zählt und mittlerweile ein „Cold Case“ ist, noch einmal neu auf.

Ihre sechsteilige, erzählerisch angelegte True-Crime-Serie „Höllental“ wurde an Originalschauplätzen gedreht, sie arbeitet mit Einblendungen von Vermisstenplakaten und Verdächtigen, historischen Aufnahmen von Pressekonferenzen und Suchaktionen – sowie immer wieder mit fesselnden Kameraperspektiven, die etwa Peggys Heimweg aus der Sicht des kleinen Mädchens oder die Suche der verzweifelten Mutter im düsteren nächtlichen Lichtenberg zeigen.

Es sind eindringliche Bilder, die Wilke eingefangen hat. Mal fokussieren sie den Blick des Zuschauers für Sekunden auf den Kaugummiautomaten, den Peggy kurz vor ihrem Verschwinden passiert haben muss. Ein anderes Mal fast quälend lang auf das blaue Wohnhaus oder die Treppe zum Kinderzimmer. Stumme Zeugen des Verbrechens?

Der Aufwand war enorm: Die Filmemacherin recherchierte jahrelang und überzeugte viele Interviewpartner, vor die Kamera zu treten: „Ich musste viel Vertrauen aufbauen. Teilweise hat es über ein Jahr gedauert, bis Personen zu Interviews bereit waren.“ Hartnäckigkeit, die sich gelohnt hat: In „Höllental“ verraten 20 auf unterschiedlichste Weise involvierte Personen ihre Sicht auf den Mordfall Peggy Knobloch, unter ihnen sind Ermittler und Zeugen, Journalisten und Anwohner.

Hoffen auf die Wahrheit

Warum ist ausgerechnet dieses Verbrechen für eine derart aufwendige Serie geeignet? „Weil der Kriminalfall Knobloch ein einziges, großes Rätsel ist und in 20 Jahren unglaubliche Wendungen und Entwicklungen genommen hat“, so Marie Wilke.

Der größte Wunsch der Filmemacherin? „Ich hoffe, dass man den Täter findet. Das ist immer noch möglich, wenn zum Beispiel jemand unsere Serie sieht und sich an eine Beobachtung erinnert, der er damals keine Bedeutung beigemessen hat.“ Ist „Höllental“ ein Testballon für weitere „True Crime“-Serien im ZDF? Marie Wilke: „Gut möglich! Ich arbeite bereits an mehreren Ideen.“

"Höllental" im TV

Die ersten beiden Folge "Höllental" zeigt das ZDF am Freitag, 8. Januar, ab 23.15 Uhr. Episoden 2 und 3 folgen am Montag, 11. Januar, um 0.05 Uhr. Eine Woche später endet die Reihe mit den beiden letzten Teilen ab 0.10 Uhr. Alle 6 Folgen gibt's bereits vorab hier in der ZDF-Mediathek.