Die dritte Staffel "Charité" zeigt die Tage der Entscheidung

Die dritte Staffel der Serie "Charité" spielt im Jahr des Baus der Mauer, die unmittelbar neben der Klinik verlief.

Seine Fliege hängt schief, aber die Sprüche sitzen. Der Saal ist rappelvoll, er hört die Lacher, in den Augen seiner Studenten blitzt Bewunderung. Ein Spruch zum Schluss, dann eilt Otto Prokop (Philipp Hochmair) aus dem Saal. Der Professor hat einen Termin mit einer Leiche. Den Toten widmet er seine Wissenschaft, der Serologe gilt als Wegbereiter der modernen Gerichtsmedizin. So schmissig beginnt die dritte Staffel der Serie „Charité“ (die neuen Folgen der 3. Staffel immer dienstags, ab dem 12. Januar, 20.15 Uhr im Ersten und bereits in der Mediathek) über die wechselvolle Geschichte des Berliner Universitätsklinikums.

Die erste Staffel spielte zur Zeit Robert Kochs 1888. Die zweite nahm die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs in den Blick. Ulrich Noethen lernte operieren und lieferte als Chirurgen-Genie Sauerbruch eine Glanzvorstellung. Nun drehen die Macher das Rad weiter bis zum August 1961, die Zeit des Mauerbaus.

Hintergrund

Gefilmt wurde in Tschechien, nach der letzten Klappe kam der Lockdown: „Der am Poliovirus erkrankte Junge im Film muss beatmet werden“, sagt Regisseurin Christine Hartmann. „Da sehe ich im Nachhinein große Parallelen zu Corona. Wir zeigen auch, wie eng Politik und Medizin verknüpft sind.“ 1961 wurde in der DDR bereits gegen Kinderlähmung geimpft. Der Westen aber lehnte Impfdosen aus dem Osten als DDR-Propaganda ab.

Die große Herausforderung bestand bei der dritten Staffel in der Nähe zur Gegenwart. Hartmann: „Wir mussten authentischer erzählen.“ Wie war die Lage 1961? „Der große Exodus an Fachkräften vor dem Mauerbau machte die Charité zu einem fragilen Gebilde, das auch von der Partei vorsichtig angefasst wurde“, weiß Medizinhistoriker Dr. Rainer Herrn. „Ärzte und Pflegepersonal verwalteten den Mangel und improvisierten erfindungsreich.“

Kritisch sieht er die Darstellung der Größe der an der Grenze gelegenen Charité, die „fast wie ein Kleinstadtkrankenhaus“ wirke. Dabei war es „eine Klinikstadt mit 4000 Mitarbeitern, ein vibrierender Bienenstock.“

Die Schicksale der vier Hauptfiguren sind bewegend: Die Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich) kämpft um ihre Krebsforschung bei Prof. Prokop. Der Österreicher Philipp Hochmair („Die Vorstadtweiber“) brilliert in der Rolle seines Landsmanns: „Lustigerweise sagte am Set ein tschechischer Pathologe, der den echten Prokop noch ka