Verliebte Jungs in "All You Need"

Die erste schwule ARD-Serie „All You Need“ zeigt vier Männer zwischen One-Night-Stands und großer Liebe.

Darum geht's in "All You Need"

Medizinstudent Vince (Benito Bause) hat sein Outing schon hinter sich und genießt sein Leben in Berlin. Ganz anders Tom (Mads Hjulmand): Der Familienvater rückt erst mit 43 damit raus, dass er schwul ist. Er fährt auf den Webdesigner Levo (Arash Marandi) ab. Als auch noch Robbie (Frédéric Brossier) ins Spiel kommt und das Herz von Vince im Sturm erobert, beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt für die vier Protagonisten der neuen Serie „All You Need“ (Ab 7. Mai in der ARD-Mediathek und am 16. und 17. Mai auf ONE).

Hintergrund

„Unser Fünfteiler ist die erste queere deutsche Serie im Mainstream“, so der schwule Regisseur und Autor Benjamin Gutsche zu GOLDENE KAMERA (lesen Sie hier das gesamte Interview). „Sie erzählt über das schwule Leben in einer Großstadt. Mein Anspruch ist Authentizität.“ Zwar sei der Großteil der Handlung fiktiv, aber es gäbe durchaus auch Momente, die auf persönlichen Erlebnissen basieren: „Beispielsweise die Erfahrungen aus dem Nachtleben oder die Reflexionen darüber, wie heranwachsende Jungs so konditioniert werden, dass sie nicht mehr mit Puppen, sondern mit Robotern und Rittern spielen.“ Er habe eine Serie von der Community für die Community machen wollen, erklärt Gutsche, „und wer darüber hinaus Lust hat, sie anzuschauen, ist natürlich eingeladen.“

Bereits vor dem Streamingstart sorgte „All You Need“ für Diskussionen im Netz. Auf Instagram diskutierte Gutsche live mit Bambi Mercury (33, hier im Interview), Drag-Artist und dem TV-Publikum bekannt durch Heidi Klums Castingshow „Queen of Drags“. Mercury, der auf Instagram 60.000 Follower hat und selbst in der ersten Folge mitspielt, kritisierte, dass die Hauptdarsteller von „All You Need“ heterosexuell sind. Er sagt: „Jemand, der queer ist, würde wahrscheinlich eher hinterfragen, ob es realistisch ist, wenn er so reagiert, wie das Drehbuch es vorgibt.“

Mercurys Kritik im Netz wollte Gutsche nicht auf sich sitzen lassen: „Ich habe offengelegt, dass es für uns schwierig war, schwule Schauspieler zu casten, weil es sich verbietet, beim Casting nach der sexuellen Präferenz zu fragen.“ Umso großartiger, sagt der Autor, sei deshalb auch jenes Zeichen, das Anfang Februar dieses Jahres 185 Schauspieler*innen mit dem #ActOut-Manifest gesetzt hätten: „#ActOut hat die deutsche Filmbranche dafür sensibilisiert, dass heterosexuelle Schauspieler*innen alles spielen dürfen, während es homosexuellen oder queeren Schauspieler*innen verwehrt bleibt und sie auf bestimmte Rollen festgelegt sind.“