Horst Lichter: "Was mich drei Tage im Kloster lehrten"

Glücklich fühlt sich Horst Lichter, wenn er auf seinem Motorrad sitzt.
Glücklich fühlt sich Horst Lichter, wenn er auf seinem Motorrad sitzt.
Foto: ZDF
Ein Sprücheklopfer auf der Suche nach Stille: Wie „Bares für Rares“-Star Horst Lichter ein Schweigekloster erlebte.

Als seine Frau mit ihm zum ersten Mal eine Basenfastenkur machen wollte, war Horst Lichter (GOLDENE KAMERA-Preisträger 2014 und 2018) entschieden dagegen: „Sie hat mich dann mehr oder weniger gezwungen. Die ersten Tage waren harter Entzug für mich, keinen Kaffee, keinen Zucker, kein Salz. Ich bekam Kopfschmerzen. Aber am fünften Tag wurde es besser und tat mir am Ende richtig gut. Seitdem liebe ich diese Kuren.“

So ähnlich dachte der Rheinländer, der seit 2013 die Trödelshow „Bares für Rares“ (GOLDENE KAMERA 2018) moderiert, auch über das Schweigekloster. Erst harter Entzug, dann große Kraft. „Die Idee kam von meinem Verlag“, sagt Lichter. „Ich hielt es für ein spannendes Experiment: Der redselige Onkel Hotte geht in ein Schweigekloster, da muss er dann mal die Schnute schließen, und dabei kommt was Schlaues heraus.“

Deutschlands schlagfertigster Schnurrbartträger sagte Ja. Der Verlag schnürte ein Überraschungspaket für die Seele, ein Aufenthalt in einem Schweigekloster in der süddeutschen Provinz. Lichters Vorstellung: „Ich dachte an Mönche und Nonnen, eine Unterkunft in einer kargen Kemenate, aufstehen morgens um vier Uhr, in der Kapelle still vor sich hin beten, draußen arbeiten, zu sich kommen, nachdenken, innehalten.“

Das erste Innehalten war dann etwas ernüchternd. Er stand in der Schlange an der Rezeption. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde er nicht wirklich freundlich in den Zen-Kursus verwiesen. Er müsse auch arbeiten. Wo er helfen wolle, im Garten oder der Küche? Beides klang gut. 2014 wurde Lichter als beliebtester TV-Koch mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet. Aber Küchenarbeit gab es nicht – wegen Corona. Und Gartenarbeit war ausgebucht. Er sollte putzen. „Ja, warum haben sie mich dann überhaupt gefragt?“

Er fühlte sich überfahren, dabei hatte er die größte Prüfung noch vor sich. Lichter sollte einen Zen-Kursus absolvieren, eine buddhistische Meditation im Sitzen. Auftritt des Lehrers: groß schlank, weiße Pluderhose. Ein Pfau. Der Meister philosophierte über das „richtige“ Sitzen, das für Ungeübte schmerzhaft und schwierig sein kann. Eine Dame klagte, ihre Beine würden einschlafen. Was sie denn tun könne? Sie sei nicht bei sich, nicht im Jetzt, beschied der Meister. Sie müsse es probieren, bis die Beine nicht mehr einschliefen. „Das war für mich Arroganz pur“, so Lichter. „Nichts über Dehnübungen, Yoga oder eventuelle Rückenprobleme. Sie wurde einfach abgespeist. Die Frau hatte Schmerzen, das kann man doch nicht weglabern.“ Einmal entdeckte er eine Frau, die alle viere von sich gestreckt im Gras lag. „Bäuchlings herumliegen und zu Klangschalen meditieren, der Typ bin ich einfach nicht.“ Andererseits schätzt er Ruhe durchaus, sieht sich als einen Ritualmenschen: „Morgens nehme ich mir meine Zeit der Stille – und einen Kaffee. So komme ich mit mir ins Reine. Aber dieses Ritual muss jeder für sich selber finden.“

So wurde sein Buch „Ich bin dann mal still“ kein esoterischer Lebenshilferatgeber, sondern ein Mix aus Erfahrungstrip und lebensphilosophischen Betrachtungen. Es ist köstlich, wenn er innerlich aus der Haut fährt, während die anderen beim „richtigen“ Sitzen, Im-Kreis-Gehen oder Fensterputzen zu sich finden. „Nicht missverstehen: Es war nichts falsch an Teilnehmern, Kloster oder Kursen, ich war der falsche Mann am falschen Ort. Dennoch hat mich die Erfahrung viel gelehrt und meine Toleranz geschärft.“

Lichter schwänzte die Kurse, kam dann bei Spaziergängen zur Ruhe, dachte über sein Leben und die großen Fragen nach: Was macht zufrieden? Wie schöpfe ich Kraft? Ganz entspannt ist er in seiner „Yoga-Garage“. Hier liest er Bücher, hört Musik. Aber macht kein Yoga. Lichter: „Das ist mein Kraftort.“ Ähnlich geht es ihm bei Treffen mit Freunden. „Viele, die mich aus dem Fernsehen kennen, denken, ich würde immer viel erzählen. Aber dem ist gar nicht so. Wenn ich bei Freunden sitze, lausche ich ihren Geschichten – und schweige sehr gerne.“

Horst Lichter ist am Freitag, 14. Mai um 22 Uhr in der "NDR Talk Show" zu Gast.