"Ich und die Anderen": Die schrägste Serie des Jahres

Was für ein abgedrehter Egotrip! In der Sky Original Serie „Ich und die Anderen“ kann ein Mann bestimmen, wie die Mitmenschen auf ihn reagieren.

Darum geht's in "Ich und die Anderen"

Sind hier denn alle völlig verrückt geworden? Als er eines morgens aufwacht, versteht Tristan (Tom Schilling) die Welt nicht mehr. Seine schwangere Freundin Julia (Katharina Schüttler) liegt nicht wie gewohnt neben ihm, sondern hat die Wohnung verlassen und schickt ihm feindselige Nachrichten aufs Smartphone. Vor dem Haus wartet ein von ihm nicht bestellter Taxifahrer (Ramin Yazdani), der ihn zur Arbeit fährt und rätselhaftes Zeug redet. Und dann wissen auch noch sämtliche Menschen, denen Tristan begegnet, wirklich alles über ihn, selbst seine Penisgröße. Sein Chef (Lars Eidinger), seine Kollegen, sogar Wildfremde.

Mit diesem kuriosen Szenario beginnt die deutsch-österreichische Serie „Ich und die Anderen“, die in diesem Jahr bereits auf der Berlinale für Aufsehen sorgte und ab Donnerstag, 29. Juli, 20.15 Uhr bei Sky Atlantic zu sehen ist. Schon die ersten Minuten werfen beim Zuschauer zahlreiche Fragen auf – und im Laufe der Serie kommen noch viele weitere Fragezeichen hinzu.

Trailer: "Ich und die Anderen"

Denn Tristan findet heraus, dass er bestimmen kann, wie Menschen auf ihn reagieren. In jeder Folge probiert er etwas anderes aus. Mal liebt ihn jeder wie verrückt, mal sagen sich alle die Wahrheit, mal agiert Tristan wie ein Superheld mit Helfersyndrom. Erzählt wird dies in oft surrealistischen Szenen mit wundersamen Charakteren, bizarrer Situationskomik und brillanten Dialogen. Eine durchgängige Handlung im klassischen Sinne gibt es auf den ersten Blick nicht.

Hintergrund

„So eine Art von Serie hat es bislang noch nicht gegeben“, erklärt David Schalko im Interview mit GOLDENE KAMERA. Der Österreicher lieferte die Idee, schrieb das Drehbuch, führte Regie und war als Produzent beteiligt. Bekannt wurde er als Entwickler origineller Serien wie „Braunschlag“ und „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“.

Über „Ich und die Anderen“ sagt Schalko: „Im Kern ist die Serie eine Versuchsanordnung über die Stellung des Individuums in der Welt. Im Zeitalter von Social Media wird ja viel über das Verhältnis vom eigenen Ich zu den anderen gesprochen. Welche Rolle spielen andere in meinem Leben? Und was verändert sich für mich, wenn sich die anderen verändern? Diese philosophischen Fragen bilden das Gerüst der Episoden.“ Dass deren Stil polarisieren könnte, ist ihm natürlich bewusst: „Manche Zuschauer werden von der Serie begeistert sein, andere werden sie komplett ablehnen. Es gibt wenig dazwischen, denke ich.“

Der grandios aufspielende Hauptdarsteller Tom Schilling, in fast jeder Szene zu sehen, war von Anfang an David Schalkos Wunschbesetzung. „Schon beim Schreiben des Drehbuchs hatte ich ihn immer als Hauptfigur vor Augen“, sagt er. „Seine Figur ist zu Beginn eine Art Mann ohne Eigenschaften. Trotzdem muss sie so faszinierend sein, dass man ihr gern zusieht. Dafür ist Tom perfekt, weil er aus wenig sehr viel herstellen kann. Im weiteren Verlauf baut sich seine Figur dann immer mehr zusammen, Tristan erfindet sich von Folge zu Folge selbst. Es ist toll, ihm dabei zuzusehen. Wenn Tom nicht zugesagt hätte, dann hätte ich die Serie vielleicht gar nicht gemacht.“ Nach sechs Folgen bricht „Ich und die Anderen“ ziemlich abrupt mit einer überraschenden Wendung ab. „Die zweite Hälfte der Geschichte hatte ich bereits im Kopf, als ich die ersten Folgen geschrieben habe“, sagt Schalko. „Natürlich würde ich sie gern in einer weiteren Staffel fertig erzählen