"Am Anschlag": Wer läuft Amok?

Wie die starbesetzte Serie „Am Anschlag“ (Dienstag, 24. August und Mittwoch, 25. August, 21.45 Uhr, ZDFneo) die Menschenkenntnis der Zuschauer testet.

Die Tat geschieht am helllichten Tag: In einem Einkaufszentrum fallen zuerst Schüsse, dann schreien Menschen in Panik. Ein Inferno mit grausamen Bildern: Während Kugeln eine Kundin durchsieben, stirbt neben ihr vor Schreck ein Mann an einem Herzinfarkt.

Darum geht's in "Am Anschlag"

Die Auftaktszene der starbesetzten sechsteiligen Serie „Am Anschlag“ nimmt ihr blutiges Finale vorweg. Allerdings ohne zu verraten, wer da Amok läuft. In Frage kommt eine ganze Reihe von Menschen, deren Erlebnisse in den Tagen vor dem Verbrechen peu à peu aufgerollt werden. Was sie verbindet? Jeder von ihnen wurde zutiefst gekränkt. So erscheint es durchaus plausibel, dass bei einem von ihnen alle Sicherungen durchgebrannt sind.

Das gilt etwa für Security-Mann Georg (Murathan Muslu, „Nicht tot zu kriegen“) und für seine erblindete Lebensgefährtin Eva (Antje Traue, „Dead End“). Ebenso für die berechnende und zugleich betrogene Karrieristin Mira (Julia Koschitz, „Im Schatten der Angst“) oder die Ärztin Sarah (Johanna Wokalek, „Die Päpstin“). Selbst Nebenfiguren wie Sarahs Kinder oder ihr liebeskranker, zum Stalking neigender Kollege Oliver (Daniel Langbein), von dem sie sich in ihrer Not Geld leihen musste, kommen als Täter in Betracht.

Hintergrund

Für den Darsteller des steroidsüchtigen Georg, Murathan Muslu, liegt der Reiz der Serie darin, dass mit dem Psychiater Reinhard Haller, Autor des Sachbuchs „Die Macht der Kränkung“, ein Experte die Produzenten beraten hat. „Mich persönlich haben die Themen Demütigung, Kämpfen und Durchhalten gereizt“, so Muslu gegenüber GOLDENE KAMERA. Meine Figur will alles kontrollieren und ein besseres Leben führen. Doch nichts von dem, was Georg anfasst, will ihm gelingen. Das hat fatale Folgen.“

Julia Koschitz ergänzt: „Leider unterliegen wir oft der Dynamik, nach einem Angriff bewusst oder unbewusst zurückzuschlagen und damit eine endlose Schleife von Verletzungen loszutreten. Ein Ausweg wäre, wenn wir achtsamer miteinander umgingen und versuchten, uns zu verstehen, statt uns gleich zu bewerten, zu verurteilen und zu verletzen.“

Die Zuschauer werden von der Miniserie „Am Anschlag“ in ein raffiniertes Psychoratespiel hineingezogen, die Spannung steigert sich stetig – bis hin zur Auflösung im blutigen Finale.