Serien-Event der Woche: "Godless"

Mit der siebenteiligen Mini-Serie "Godless" geht Oscar-Preisträger Steven Soderbergh ("Traffic") unter die Western-Visionäre – und macht "Downton Abbey"-Beauty Michelle Dockerty zur Pistolera.

Der englische Werbespruch "Welcome to No Man's Land" bringt es auf den Punkt: In der von Hollywood-Mogul Steven Soderbergh produzierten und von seinem Co-Autor Scott Frank ("Logan: The Wolverine") inszenierten Western-Miniserie "Godless" (ab 22. November auf Netflix) sind Männer fehl am Platz und Frauen das starke Geschlecht...

Darum geht's in "Godless"

Seit einem Grubenunglück sind im beschaulichen Minenstädtchen La Belle Männer Mangelware. Statt Sheriff McNue (Scoot McNairy) hat die Bürgermeister-Witwe Mary Agnes (Merrit Wever) das Sagen – unterstützt von schlag- und schießfertigen Frauen wie der etwas außerhalb lebenden Farmerin Alice Fletcher (Michelle Dockery). Bei ihr sucht das geflüchtete Bandenmitglied Roy Goode (Jack O'Connell) Zuflucht, der das brutale Vorgehen seines Ziehvaters Frank Griffin (Jef Daniels) nicht mehr ertrug und sich mit der letzten Beute davon machte. Während sich Roy auf der Farm von Alice nützlich macht, sucht der psychiotische Outlaw Frank nach dem Verräter – und wird schließlich in La Belle fündig...

Originaltrailer zu "Godless" (VoD-Start: 22.11.2017)

GOKA-Wertung

Dass sich die Frauen von La Belle nicht mehr von patriarchalischer Gewalt einschüchtern lassen und im spektakulären Massen-Shoot-out-Finale bleihaltig zurückschlagen, verleiht "Godless" einen emanzipatorischen Touch, der dank packender Schauspielleistungen von Michelle Dockery und vor allem Merrit Wever ("The Walking Dead") mehr als bloße Staffage bleibt.

Gepaart mit einer exzellenten Kameraführung, atemberaubend in Szene gesetzten Originalschauplätzen im Umfeld von Santa Fe sowie ungeschönt brutaler Wild-West-Realität erweist sich Steven Soderberghs siebenteilige Serie als gelungener Ausflug ins historisierende Genregeschäft. Einziges Manko: Der zentrale Storyfaden fühlt sich wie ein klassischer Western an, um den herum zum Wohle der Serienstruktur einzelne Sub-Plots gestrickt wurden. Aber das ist bereits Nörgeln auf hohem Niveau, denn so episch und zugleich erfrischend wie in "Godless" kam der Wilde Westen schon lange nicht mehr in unsere Wohnzimmer geritten.

Muss ich sehen, weil...
...das Thema Emanzipation im historischen Western-Gewand eine unerwartet erfrischende Note bekommt.

Für Fans von...
... "Schneller als der Tod" mit Sharon Stone (1995) und der HBO-Serie "Deadwood" (2004-2006)