Serien-Event der Woche: "The End of the F***ing World"

Teenage Angst Galore: In dieser neuen Netflix-Serie gehen die britischen Newcomer Jessica Barden und Alex Lawther auf einen nihilistischen Selbstfindungs-Roadtrip der besonders schwarzhumorigen Art.

Abseits der üblichen Superhelden-Adaptionen aus den Marvel und DC Comic-Universen finden sich immer wieder Verfilmungen wenig bekannter Graphic-Novel-Perlen, die wie beispielsweise "Ghost World" (2001) oder "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" (2010) ihren Vorlagen zu Ehren gereichen. In diese Schublade gehört auch die 8-teilige und für den englischen Sender Channel 4 produzierte Serie "The End of the F***ing World" (ab 5. Januar auf Netflix), die auf dem 2013 erschienenen Comic-Original von Charles Forsman basiert.

Darum geht's in "The End of the F***ing World"

Der 17-jährige Schüler James (Alex Lawther) ist überzeugt davon, ein Psychopath zu sein und liebäugelt nach zahllosen Tiertötungen damit, seinen ersten "großen" Mord zu begehen. Sein potentielles Opfer Alyssa (Jessica Barden), die sich in den unnahbaren Außenseiter verguckt hat, erweist sich allerdings als seelisch noch weitaus verwirrter als er selber. Fasziniert lässt sich James von der launischen Kratzbürste zu einem Roadtrip überreden, der dem Aufstöbern ihres abgetauchten Vaters (Barry Ward) gilt und nicht nur wegen James' mörderischen Neigungen zusehends eskaliert...

Trailer zu "The End of the F***ing World" (VoD-Start: 5.1.2018)

GOKA-Wertung

Dass "The End of the F***ing World" keine Serie für jedermann ist, dürfte bereits der nihilistische Titel verraten. Wer allerdings seine Freude an wagemutigen Stoffen fernab konventioneller TV-Unterhaltung hat, wird an der Teenage-Angst-Variante von "Bonnie und Clyde" seine helle Freude haben. Regisseur Jonathan Entwistle und Co-Drehbuchautorin Charlie Covell schrecken nicht davor zurück, ihren schwarzhumorigen Coming-of-Age-Trip, der von den beiden Hauptfiguren lakonisch trocken aus dem Off kommentiert wird, mit drastischen Gewalteruptionen und düsteren Wendungen zu würzen.

Dass einem dabei das dysfunktionale Duo ans Herz wächst, ist den beiden glänzend harmonierenden Protagonisten zu verdanken, die das tragikomische Doppel-Psychogramm der Vorlage mit ergreifendem Leben füllen. Alex Lawther ("The Imitation Game") lässt unter einer sympathischen Loseroberfläche bedrohliche Abgründe durchschimmern. Und Jessica Barden ("Penny Dreadful") kommt als emotionaler Wirbelwind daher, der einen einfach mitreißen muss.

Indem Lawther und Barden ihre Figuren zwischen taffer Coolness und innerer Unsicherheit changieren lassen, verdeutlichen sie, dass es sich bei den Antihelden James und Alyssa letztendlich um vernachlässigte Jugendliche handelt. Und das macht die vermeintliche Comedy-Serie "The End of the F***ing World" gleichzeitig zu einem bewegenden Generationendrama, ohne diesen Aspekt übermäßig zu dramatisieren. Mehr kann man von einer Comicverfilmung wirklich nicht verlangen.

Muss ich sehen, weil...
...man erlebt haben muss, wie einem frappierend asoziale Monster in Teeniegestalt derart ans Herz wachsen können. Binge-Watch-Alarm!

Für Fans von...
...den Netflix-Serien "Tote Mädchen lügen nicht" und "Love"