Serien-Event der Woche: "Philip K. Dick's Electric Dreams"

Mit seiner stargespickten Sci-Fi-Anthologieserie, die auf Kurzromanen des "Blade Runner"-Autoren Philip K. Dick basieren, beschert uns Amazon Prime Video "elekrisierende (Alp)Träume".

Ohne ihn wäre das Science-Fiction-Kino um einige unvergessliche Zukunftsvisionen ärmer. Bei der "Blade Runner"-Saga, den "Total Recall"-Filmen, "Minority Report", "Scanner Darkly" aber auch dem Serien-Hit "The Man in the High Castle" handelt es sich um Verfilmungen literarischer Vorlagen, die der 1982 verstorbene Kultautor Philip K. Dick. ersonnen hat. Ab dem 12. Januar gibt es auf Amazon Prime Video mit der Anthologieserie "Electric Dreams" elektrisierenden Nachschlag.

Originaltrailer zu "Philip K. Dick's Electric Dreams" (VoD-Start: 12.1.2018)

Die von "Breaking Bad"-Ikone Bryan Cranston produzierten "Electric Dreams" bestehen aus zehn jeweils 50-minütigen und eigenständigen Episoden, deren Kurzgeschichten-Vorlagen Philip K. Dick in den 1950er Jahren zu Papier gebracht hat...

Darum geht's in "Philip K. Dick's Electric Dreams"

Episode 1: "The Hood Maker" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Der Haubenmacher" aus dem Jahre 1955)
In einem totalitären Regime sollen Agent Ross (Richard Madden) und seine telepathische Assisstentin Honor (Holliday Grainger) verhindern, dass der mysteriöse "Haubenmacher" Telepathie-unterbindende Masken an die Bevölkerung verteilt.

Episode 2: "Impossible Planet" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Der unmögliche Planet" aus dem Jahre 1953)
Die von ihrem Pflegeroboter RB29 (Malik Ibheis) begleiteten Millionärin Irma Louise Gordon (Geraldine Chaplin) hat den Wunsch, ein letztes Mal die Erde mit eigenen Augen zu sehen. Die gewieften Weltraum-Reisebüro-Angestellten Brian (Jack Reynor) und Ed (Benedict Wong) versprechen ihr, diesen Wunsch zu erfüllen – obwohl sie an die Existenz der Erde gar nicht mehr glauben.

Episode 3: "The Commuter" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Der Pendler" aus dem Jahre 1953)
Als der Bahnangestellte Ed Jacobsen (Timothy Spall) feststellt, dass diverse Pendler sich mit dem Zug zu einer Stadt bringen lassen, die offiziell gar nicht existiert, macht sich der gebeutelte Familienvater selber auf den Weg nach Macon Heights und entdeckt eine Idylle, die alle privaten Probleme verschwinden lässt – mit fatalen Konsequenzen.

Episode 4: "Crazy Diamond" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Die todsichere Masche" aus dem Jahre 1954)
Die synthetische Humanoidin Jill (Sidse Babett Knudsen) überredet Ed Morris (Steve Buscemi) zu einem Diebstahl, der dem Firmenangestellten und seiner Frau Sally (Julia Davis) ein neues Leben ermöglichen soll. Doch der schöne Plan läuft nicht wirklich wie geplant.

Episode 5: "Real Life" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Ausstellungsstück" aus dem Jahre 1954)
Polizistin Sarah (Anna Paquin) flüchtet sich in eine virtuelle Simulation, in der sie in den Kopf des Software-Entwicklers George (Terrence Howard), der als Vigilante genau wie sie einen Serienkiller jagt. Und wird von dem Verdacht beschlichen, dass ihre eigene Realität die eigentliche Simulation ist.

Episode 6: "Human Is" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Menschlich ist" aus dem Jahre 1955)
Vera (Essie Davis) führt eine entfremdete Ehe mit Colonel Silas Herrick (Bryan Cranston). Als der emotionslose Militär aber völlig verändert von einem Einsatz auf dem Alien-Planeten Rexor IV zurückkehrt, glauben nicht nur die Behörden, dass der plötzlich einfühlsame Herrick fremdbestimmt wird.

Episode 7: "Kill All Others" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Der Gehenkte" aus dem Jahre 1953)
Eine Politikerin (Vera Farmiga) ruft zu gesellschaftsreinigendem Mord und Totschlag auf. Philbert Noyce (Mel Rodriguez) wagt zu widersprechen und wird so zum gesuchten Feind des neuen Systems.

Episode 8: "Autofac" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Krieg der Automaten" aus dem Jahre 1955)
In einer postapokalyptischen Welt stellen von künstlicher Intelligenz betriebene Fabriken weiter Konsumgüter für die blind konsumierende Menschheit her. Die Rebellin Emily (Juno Temple) versucht diesen Teufelskreis zu durchbrechen und macht mit Hilfe der Androidin Alice (Janelle Monáe) eine frappierende Entdeckung.

Episode 9: "Safe & Sound" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Foster, du bist tot" aus dem Jahre 1955)
Der ängstliche Kleinstadt-Teenager Foster Lee (Annalise Basso) zieht mit ihrer Mutter Irene (Maura Tierney) in die große Stadt und entwickelt dort angesichts allgegenwärtiger Maßnahmen zur Terrorabwehr endgültig paranoide Züge – bis sie von unerwarteter Stelle seelischen Beistand bekommt.

Episode 10: "Father Thing" (basiert auf der Philip K. Dick-Kurzgeschichte "Das Vater-Ding" aus dem Jahre 1954)
Der kleine Charlie (Jack Gore) ist davon überzeugt, dass sein Vater (Greg Kinnear) im Zuge einer Alien-Invasion ausgetauscht worden ist und versucht mit seinen Freunden zu verhindern, dass seine Mutter (Mireille Enos) und den Rest der Menschheit das gleiche Schicksal ereilt.

GOKA-Wertung

Wie für Anthologieserien typisch, sind auch bei "Philip K. Dick's Electric Dreams" die einzelnen Episoden qualitativ unterschiedlich ausgefallen. Das liegt aber nicht an der durchgehend exzellenten Besetzung, sondern am konzeptionellen Ansatz, statt der unterschiedlichen Zukunftsvisionen die menschlichen Einzelschicksale ins Zentrum rückt. Während die Reduzierung der alternativen Sci-Fi-Welt zur traumwandlerischen Kulisse etwa in den Episoden "Crazy Diamond" oder "The Commuter" vorzüglich funktioniert, kranken Episoden wie "Human Is" oder "The Hood Maker" daran, dass deren komplexe Gesellschaftsstrukturen in den Vordergrund drängen, ohne auserzählt werden zu können.

Diese einzelnen Durchhänger lassen sich aber verschmerzen, denn auch die schwächeren Episoden sorgen für etwas, dass im Fernsehbetrieb selten geworden ist: Sie laden den herausgeforderten Zuschauer zum Nachdenken und Weiterträumen ein.

Muss ich sehen, weil...
...die "Electric Dreams" trotz auffälliger Qualitätsschwankungen mit Zukunftsvisionen vergangener Tage für elektrisierende Abwechslung im heutigen Serien-Einerlei sorgen.

Für Fans von...
...Serien wie "Black Mirror" (seit 2011) und "Dark" (seit 2017)

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