Streaming-Event der Woche: "Auslöschung"

Mit der Europa-Premiere der Sci-Fi-Bestsellerverfilmung mit Oscar-Preisträgerin Natalie Portman etabliert sich der Streaming-Primus Netflix endgültig als ernstzunehmender Kino-Konkurrent.

Ist nach dem Seriensiegeszug von Netflix & Co. jetzt das Blockbuster-Kino dran? Mit den Netflix-Premieren von Joon-ho Bongs letztjährigem Cannes-Wettbewerbsbeitrag "Okja", dem Fantasy-Spektakel "Bright" mit Will Smith, dem Sci-Fi-Noir-Thriller "Mute" von Duncan Jones und zuletzt dem Franchise-Ableger "The Cloverfield Paradox" lässt sich dieser Eindruck durchaus gewinnen.

Am Beispiel von Alex Garlands Verfilmung des Sci-Fi-Bestsellers "Auslöschung" von Jeff VanderMeer, die ab dem 12. März nur wenige Tage nach ihrem limitierten US-Kinostart via Netflix international Premiere feiert, wird aber einmal mehr deutlich, dass der Streamingdienst den Kinobetreibern keine potentiellen Kassenschlager abspenstig macht. Er bietet vielmehr Produktionen eine globale Plattform, die den Filmstudio-Bossen für eine Kinoauswertung zu wenig mainstreamtauglich erschienen.

Darum geht's in "Auslöschung"

Natalie Portman spielt in "Auslöschung" die Biologin Lena, die nicht schlecht staunt, als ihr verschollener Soldaten-Ehemann Kane (Oscar Issac) plötzlich im Wohnzimmer steht. Als sich sein Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert, werden beide auf dem Weg ins Krankenhaus von Regierungsagenten abgefangen und in den Sperrbezirk "Area X" verbracht. Dort bekommt Lena von Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) eröffnet, dass Kane der einzige Überlebende mehrerer Expeditionen in ein Quarantäne-Gebiet ist, das sich nach einem Meteoriteneinschlag immer weiter ausbreitet. Um herauszufinden, was mit Kane passiert ist, schließt sich Lena dem Team von Dr. Ventress an und macht mit Physikerin Josie (Tessa Thompson), Geologin Cass (Tuva Novotny) und Sanitäterin Anya (Gina Rodriguez) im "The Shimmer" getauften Areal eine schockierende Entdeckung...

Trailer zu "Auslöschung" (VoD-Start: 12.3.2018)

GOKA-Wertung

Warum Paramount Pictures keinen Mut zur globalen Kinoauswertung hatte, lässt sich am Erzähltempo festmachen. Denn in "Auslöschung" steht nicht der reißerische Überlebenskampf von Portman & Co. im Mittelpunkt, sondern die behutsame, nahezu wissenschaftliche Erforschung eines unfassbaren Szenarios, in dem die biologischen Grundregeln und damit die Fundamente des irdischen Seins auf den Kopf gestellt werden.

Anders als in der Romanvorlage schmeißt Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland den Zuschauer nicht mitten ins phantastische Geschehen, sondern verwandelt "Auslöschung" in einen packenden Mystery-Krimi, dessen philosophischer Überbau nicht in einem Spezialeffektgewitter untergeht und dessen vereinzelt eingestreuten Actioneinlagen umso größere Wirkung entfalten. Und wer weiß: Hätte Garland von Anfang an gewusst, dass seine Adaption nicht dem Massengeschmack der Multiplexe gerecht werden muss, hätte der 37-jährige Brite vielleicht auch noch darauf verzichtet, seinen Heldinnen obligatorische Vorgeschichten anzudichten, anstatt ihre unterschiedlichen Charaktere mit filmischen Mitteln zu zeichnen.

Muss ich sehen, weil...
...dieser im positiven Sinne ungewöhnliche Sci-Fi-Thriller eigentlich ins Kino gehört.

Für Fans von...
...Alex Garlands Regiedebüt "Ex Machina" (2014) und Ridley Scotts "Prometheus - Dunkle Zeichen" (2012)

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