2. Staffel "Tote Mädchen Lügen nicht": Hannah war nicht die Einzige

Sie war erfolgreich, aber nicht kritiklos: die 1. Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" rund um den Suizid von Hannah Baker. Ab dem 18. Mai zeigt Netflix 13 neue Episoden von "13 Reasons Why", wie die Serie im Original heißt.

Das Rätselraten um Hannahs Selbstmord geht weiter: In der 2. Staffel "Tote Mädchen lügen nicht" entdeckt ihr Freund Clay (Dylan Minnette) Polaroids, die ihn auf die Spur eines furchtbaren Vorfalls bringen. "Die Kassetten waren nur der Anfang", verrät eines der Fotos....

Trailer zur 2. Staffel "Tote Mädchen Lügen nicht"

Darum geht's in der 2. Staffel "Tote Mädchen Lügen nicht"

Fünf Monate sind vergangen, seit Hannah Baker (Katherine Langford) an ihre Schulkameraden Kassetten verteilen ließ, in denen sie gegen jeden einzelnen Vorwürfe erhob, sie in den Suizid getrieben zu haben. Auch in der 2. Staffel geht es um die Geschichte ihres Selbstmordes, aber diesmal wird sie aus einer anderen Perspektive erzählt. Katherine Langford verrät GOKA-Reporterin Anke Hofmann bei ihrem Setbesuch: "Es geht weniger um Hannah, als um die Nachwirkungen der Ereignisse der ersten Staffel - wie Hannahs Selbstmord die anderen Figuren beeinflusst hat, und wie sie jetzt weiterleben." Hauptdarsteller Dylan Minnette ergänzt: "Clay macht viel durch in dieser Staffel. Vor allem aber wird er Gerechtigkeit für Hannah fordern."

Obwohl Hannah nicht mehr die Erzählerin ist, müssen ihre Fans aber nicht auf sie verzichten: "Ich glaube, Hannah wird mehr in dieser Staffel zu sehen sein als erwartet und in Rückblenden und Erinnerungen auftauchen. Als eine Art Manifestation – oder Geist – für Clay", sagt Katherine Langford. Und auch ein Wiedersehen mit anderen Figuren wie Jessica (Alisha Boe), Bryce (Justin Prentice), Justin (Brandon Flynn), Tony (Christian Navarro), Alex Standall (Miles Heizer) und Olivia Baker (Kate Walsh) wird es geben.

Eine wichtige Rolle in Staffel 2 von "Tote Mädchen lügen nicht" wird Jessica (Alisha Boe) spielen. Denn sie muss den sexuellen Missbrauch verarbeiten und versucht, wieder ein normales Leben zu führen. Schließlich wurde ihr Vergewaltiger, der Highschool-King Bryce (Justin Prentice), für seine Tat bisher nicht zur Rechenschaft gezogen. Wird Bryce seine verdiente Strafe bekommen? Netflix gab diesbezüglich nur eine sehr vage Auskunft: "Bryce wird hoffentlich kriegen, was er verdient".

Auch Hannahs Mutter (Kate Walsh) versucht, den Selbstmord ihrer Tochter besser zu verstehen. Sie findet heraus, dass noch nicht alle Geschichten ihrer Tochter erzählt wurden. "Der Zuschauer wird neue Dinge über Hannah erfahren, die ihn überraschen oder sogar schockieren werden. Aber egal wie gut – oder böse – Hannah war, dieses Schicksal der ersten Staffel hat sie nicht verdient!", sagt Langford über die Entwicklung ihrer Serienfigur. Neue Blickwinkel auf das Geschehen der 1. Staffel, lassen auch Hannahs Freunde und Schulkameraden in einem anderen Licht erscheinen.

Vor allem aber geht es laut Netflix darum, "...auf welche Art und Weise Jungs zu jungen Männern erzogen werden und wie sie Frauen in unserer Kultur behandeln - und was in beiden Fällen verbesserungsfähig ist." Die Macher wollen also den Zuschauern nach all der Kritik an der Serie etwas mit auf dem Weg geben und ihnen Möglichkeiten aufgezeigen, Trauer richtig zu verarbeiten und mit sexuellem Missbrauch oder Mobbing besser umzugehen.

Exklusiver Blick hinter die Kulissen: Anke Hofmann am Set von "Tote Mädchen lügen nicht 2"

Hintergrund

In vielen Ländern wurde die 1. Staffel der Netflix-Serie, die auf dem gleichnamigen Buch von Jay Asher basiert, heftigst und kontrovers diskutiert. Eltern und Organisationen beklagten, dass es die Serie nicht schaffen würde, den Suizid als die Tragödie darzustellen, die er tatsächlich sei. Die Folgen von Hannahs Entscheidung würden romantisiert und gerade das junge Zielpublikum könne so leicht manipuliert werden, die Darstellung einer Selbsttötung könne suizidgefährdete Menschen zur Nachahmung anregen.

Die Hauptdarsteller sind sich ihrer Verantwortung voll bewusst: "Ich habe noch nie an einem Projekt gearbeitet, wo die Beziehung und Kommunikation mit Fans so eng und tief war. Mir ist es sehr wichtig, eine Stimme für die zu werden, die nach Hilfe suchen", sagt Minnette. Und Langford ergänzt: "Ich suche sogar den Dialog mit allen, die sich mit Hannah identifizieren und will für sie mit Hilfe der Sozialen Medien da sein. Natürlich bin ich als 22-Jährige alles andere als eine Expertin – weder medizinisch noch durch meine Lebenserfahrung. Aber ich kann mittels dieser Medien auf Webseiten und Infostellen verweisen, wo Betroffene Hilfe finden."

Auch die Macher der Serie haben sich entschieden, einen Warnhinweis vor jeder Folge abzuspielen, um nicht erneut eine Debatte um die Sorgfalt beim Thema Selbstmord auszulösen. In dem kurzen Video warnen die Schauspieler: "Die Sendung behandelt Probleme aus dem echten Leben. Wenn du selbst von diesen Problemen betroffen bist, dann könnte die Sendung nicht gut für dich sein. Oder du schaust sie lieber mit einem Erwachsenen, dem du vertraust."

Die Schauspieler warnen vor "Tote Mädchen lügen nicht"

GOKA-Wertung

In "Tote Mädchen lügen nicht" geht es nicht nur um Hannahs Suizid, sondern auch um andere Probleme von Jugendlichen. Wie fühlt es sich an, gemobbt und ausgestoßen zu werden? Viele Teenager kennen dieses Gefühl und identifizieren sich mit den Geschichten der Figuren - und sie bemerken: du bist nicht allein mit deinen Problemen! Ihre Sorgen und Nöte werden aufgegriffen und ernst genommen. Die Serie richtet sich also an die junge Generation, doch das Reinschauen lohnt für alle Altersgruppen.