Ein Duisburger in Hollywood: "Game of Thrones"-Komponist Ramin Djawadi

Filmkomponist Ramin Djawadi lebt und arbeitet in L.A.
Filmkomponist Ramin Djawadi lebt und arbeitet in L.A.
Foto: Getty Images / Kevin Winter
Mit seiner Musik für die Serien "Game of Thrones" und "Westworld" hat der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi den TV-Olymp erobert. Am 8. Juni gastiert er mit seiner Live-Show in Köln.

Ein Serienvorspann hat’s schwer heutzutage, vor allem Viel­gucker überspringen ihn immer öfter. Bei dem Fantasyhit „Game of Thrones“ ist das anders. Auch nach über 60 Folgen schauen die meisten Fans das knapp zweiminütige Intro komplett. Das liegt nicht zuletzt an der mitreißenden Musik. Wer die ­Melodie einmal gehört hat, vergisst sie nicht so schnell: ein düster klingendes Cello im Wechselspiel mit den anderen Streichern, ein ätherisch klingender Chor, das ganze Orchester pulsierend bis zum großen Finale.

Epochal und bombastisch: Längst zählt das Leitmotiv der Serie zu den legendärsten Musikstücken der Fernsehgeschichte. Doch was selbst viele Hardcore-Fans, die die Melodie mitpfeifen können, nicht wissen: Das Titelstück stammt von einem Duisburger.

Und nicht nur das. Der Deutsch-Iraner Ramin Djawadi hat seit dem Serienstart 2011 die komplette Musik zum weltweiten TV-Erfolg „Game of Thrones“ komponiert. Mit der „Game of Thrones Live Concert
Experience“ hat er die Musik samt Orchester sogar auf die Bühne gebracht. Am 8. Juni tritt er mit der stimmungsvollen Show in der Kölner Lanxess Arena auf. Seit 2016 schreibt Djawadi zudem die Musik für die Sci-Fi-Westernserie „Westworld“. Dazu kommen Soundtracks für Blockbuster wie „Pacific Rim“ (2013) oder „Warcraft“ (2016).

Sein Mentor ist Hans Zimmer

Das enorme Talent des gebürtigen Duisburgers zeigte sich früh. „Schon in jungen Jahren wusste ich, dass ich Komponist werden möchte“, sagt Ramin Djawadi (43) im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. Bereits mit vier konnte der Sohn einer Deutschen und eines Iraners Melodien auf dem Klavier nachspielen. Später nahm er Orgelunterricht, mit 13 spielte er Gitarre in einer Band. Die Schule absolvierte er noch in Deutschland, dann zog es Djawadi in die USA, nach Boston. „Das Berklee College of Music hat ein großartiges Programm für Filmmusik- Komposition angeboten. So war mir schnell klar, wohin ich wollte.“

Ramin Djawadi bei CBS

Das Studium absolvierte er mit Auszeichnung und wagte sich ins Mekka für Filmkomponisten: Hollywood. Tatsächlich gelang es ihm, eine Assistenzstelle bei einem anderen deutsche Komponisten zu ergattern. Für den oscarprämierten Hans Zimmer („König der Löwen“) arbeitete Djawadi an Filmen wie „Fluch der Karibik“ mit. Zimmer wurde zu seinem Mentor. Auch solo hatte Djawadi bald Erfolg, etwa mit „Iron Man“ (2008). Und schließlich kam „Game of Thrones“.

Regel Nr. 1: Keine Flöten!

Djawadi erinnert sich: „Mit den Show­runnern David Benioff und Dan Weiss habe ich zunächst viel über das Gesamtgefühl der Serie gesprochen und intensiv die Stimmung und Instrumentierung diskutiert.“ Das komplexe Drama ging inhaltlich neue Wege – da duldeten die Macher auch mu­sikalisch keine Fantasyklischees. Eine der Regeln: keine Flöten! „Das Hauptthema habe ich tatsächlich geschrieben, nachdem ich das Filmmaterial im Meeting mit David und Dan gesehen habe“, so Djawadi. „Ich bin anschließend im Auto nach Hause gefahren und habe bereits die Titelmelodie in meinem Kopf gehört.“

Eine besondere Fähigkeit dürfte ihm geholfen haben: Synästhesie. In der Wahrnehmung des Komponisten sind Eindrücke wie Farben und Töne miteinander gekoppelt. „Es ist schwer zu erklären, was genau in meinem Kopf passiert“, sagt Djawadi. „Die Farben der Szenen inspirieren mich zu ganz bestimmten Noten. Wenn ich komponiere, male ich ein Bild mit Musiknoten.“

Ramin Djawadi performt "Game Of Thrones" Titelmusik live

Sieben Staffeln der Fantasyserie mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Regionen hat er so bereits vertont. „Was ich an der Serie besonders liebe, ist, dass ich mit Instrumenten verschiedenster Kulturkreise arbeiten darf.“ So finden sich im Ensemble unter anderem das armenische Blas­instrument Duduk, eine Kasten­zither und ein vier Meter langes „Wildlingshorn“.

Kommt jetzt „Star Wars“?

Ganz so exotisch geht es in Ramin Djawadis zweiter aktueller Serie „Westworld“ nicht zu. In der Sci-Fi-Serie im Cowboy-Ambiente dominiert das Klavier – auch wenn mit der in Staffel zwei gezeigten „Shogun World“ fernöstliche Klänge einfließen. Auf jeden Fall geht mit „Westworld“ ein Kindheitstraum Djawadis in Erfüllung: Filmkomponist wollte er werden, seit er erstmals den Westernklassiker „Die glorreichen Sieben“ sah, oder besser: hörte.

„Westworld“ wird Djawadi noch einige Staffeln beschäftigen. Bei „Game of Thrones“ dagegen ist bald Schluss. Anfang 2019 startet die finale Staffel. Aber vielleicht nehmen die „Game of Thrones“-Macher ­David Benioff und Dan Weiss ja ihren Komponisten mit zu ihrem nächsten Megaprojekt: Die beiden sollen für Disney eine komplett neue „Star Wars“-Trilogie schreiben und produzieren. Und der weltberühmte „Star Wars“-Stammkomponist John Williams (86) hat schon seinen Rücktritt von der Weltraumsaga verkündet. Von Westeros über Westworld bis in eine weit, weit entfernte Galaxis? Angesichts der verrückten Karriere des Duisburgers würde das auch niemanden wundern.