United Colors of Netflix: Die internationalen Originalserien

Zum Start des türkischen Superhelden-Spektakels "The Protector" und der australischen Mysteryserie "Tidelands" präsentieren wir einen Serien-Überblick über die internationalen Netflix-Originale und -Koproduktionen.

Seit die erste deutsche Netflix-Serie "Dark" für internationale Furore gesorgt hat, dürfte auch der ignoranteste Bingewatcher bemerkt haben, dass der amerikanische Streaming-Primus bei seinen Originalserien nicht nur auf heimische US-Produktionen, sondern auch auf internationale Stoffe setzt.

Trailer zu "The Protector"

Die brandneue türkische Superhelden-Serie "The Protector" (ab 14. Dezember) ist dabei nur das jüngste Beispiel einer marktstrategischen Praxis, die seit einigen Jahren das Netflix-Wachstum mitbestimmt.

Internationale Netflix-Originale: die Anfänge

Denn seit Netflix 2012 mit seiner ersten internationalen Koproduktion dafür sorgte, dass die norwegische Crime-Comedy "Lilyhammer" realisiert werden und sich so zur Kultserie mausern konnte, arbeiten die Strategen des Streamingdienstes daran, das Netflix-Portfolio um neue originale Serienstoffe aus dem Ausland zu erweitern.

Dabei tritt Netflix entweder als Koproduzent auf, der wie im Fall des britischen Coming-of-Age-Geheimtipps "The End of the F***ing World" nach seiner heimischen TV-Premiere auf Channel 4 die weltweiten Vertriebsrechte bekommt. Wobei es auch vorkommt, dass Netflix wie im Fall des Thriller-Erfolgs "Haus des Geldes" vom spanischen Sender Antena 3 erst nachträglich die weltweiten Vertriebsrechte erwirbt.

Trailer zu Staffel 2 von "Haus des Geldes" (2017)

Oder der Streaming-Primus produziert lupenreine "Netflix Originale", die wie bei den preisgekrönten Serienerfolgen "Narcos" und "The Crown" als amerikanisch-kolumbianische bzw. amerikanisch-britische Koproduktionen daherkommen können oder wie im Fall der brasilianischen Hitserie "The Mechanism" als rein ausländische Produktion für den US-Konzern entstehen.

Trailer zu "The Mechanism" (VoD-Start: 23.3.2018)

Internationale Netflix-Originale: die Beweggründe

Dass sich unter den 10 (statistisch) beliebtesten Netflix-Eigenproduktionen vom überraschenden Spitzenreiter "The Mechanism" angeführt vier nicht amerikanische Serien befinden, ist einerseits Ausdruck dafür, dass der Bingewatch-Pionier bei seinem Produzenten-Engagement durchaus High-End-Serien mit universellem Appeal im Auge hat. Andererseits bilden diese globalen Hits unter den internationalen Netflix-Produktionen eher die Ausnahme.

Denn parallel zur weltweit immer weiter expandierenden Reichweite konzentriert sich Netflix beim Realisieren originaler Stoffe zumeist auf Serien, die zwar weltweit (und meist nur untertitelt) angeboten werden, aber eher auf nationale Mentalitäten und Geschmäcker der jeweiligen Produktionsländer abzielen.

Ein gutes Beispiel für diese lokale Marktorientierung ist Japan, unter dessen 10 bisherigen Netflix-Serien sich vier Manga-Adaptionen ("Samurai Gourmet", "Million Yen Women", "Erased", "Mob Psycho 100"), eine Bestseller-Verfilmung ("Hibana: Spark") und die Fortsetzung einer japanischen Kultserie ("Midnight Diner") finden.

Internationale Netflix-Originale: die Zukunft

Nach dem türkischen Superhelden-Spektakel "The Protector" und der ebenfalls ab 14. Dezember erhältlichen australischen Mystery-Serie "Tidelands" setzt sich der Reigen internationaler "Netflix Originale" nahtlos fort. Auf die mexikanische Horror-Komödie "Diablero" (ab 21. Dezember) und das indische Teenager-Sportdrama "Golden Boy" (ab 28. Dezember) werden 2019 unter anderem der südkoreanische Historien-Zombieschocker "Kingdom" (ab 25. Januar) und die kolumbianische Fantasy-Dramedy "Einmal Hexe..." (ab 1. Februar) folgen. Außerdem wurde mit der Action-Serie "Queen Sono" gerade die erste afrikanische Netflix-Eigenproduktion bekannt gegeben.

Teaser-Trailer zur Serie "Kingdom"

In deutschen Netflix-Landen war die zweite Eigenproduktion "Dogs of Berlin" nur der Auftakt zu einer Art Großoffensive: Neben dem "Musikbusiness trifft organisiertes Verbrechen"-Knaller "Skylines" mit Edin Hasanovic wurden für 2019 insgesamt fünf deutsche Serien angekündigt hat. Und da ist das geplante Serien-Reboot von "Die Welle" noch gar nicht dabei.

Trailer zu "Dogs of Berlin"

Bei unseren europäischen Nachbarn wird sich nach Frankreich ("Marseille"), Italien ("Suburra"), Spanien ("Die Telefonistinnen") und Dänemark ("The Rain") 2019 auch noch Österreich einreihen, nachdem Netflix koproduzierend in das historische ORF-Serienkiller-Drama "Freud" von Regisseur Marvin Kren ("4 Blocks") eingestiegen ist.

Außerdem ist seit der Ende November gestarteten Sci-Fi-Dystopie "1983" auch Polen in der Netflix-Familie neu dabei. Dort entsteht derzeit die mit Hochspannung erwartete Adaption des polnischen Adventure-Game-Bestsellers "The Witcher", in der "Man of Steel"-Superman Henry Cavill den mittelalterlichen Monsterjäger Geralt von Riva spielen wird. Die Streaming-Zukunft bleibt international!