Der neue Streich des "Simpsons"-Schöpfers: "Disenchantment"

Unser Serien-Event der Woche: Nach "Die Simpsons" und "Futurama" entzaubert Matt Groening mit seiner Netflix-Produktion "Disenchantment" über eine trinkfeste Prinzessin und ihre skurrilen Gefährten das bierernste Fantasy-Genre.

Dass am 14. August auf ProSieben die 29. Staffel von "Die Simpsons" mit einer Art "Game of Thrones"-Persiflage gestartet ist, mag Zufall gewesen sein. Doch dass Animationsgenie Matt Groening sein Zeitgeist-Auge auf das Sujet mittelalterlicher Fantasy-Welten geworfen hat, wird spätestens mit der Weltpremiere seiner neuen Serie "Disenchantment" am 17. August auf Netflix überdeutlich.

Darum geht's in "Disenchantment"

Im Zentrum von "Disenchantment" steht die 19-jährige Prinzessin Tiabeanie aus dem Märchenstadtstaat Dreamland, die sich selbst lieber Bean nennt und nach dem Tod ihrer Mutter erleben muss, dass sie ihr neu verheirateter Königsvater Zøg so schnell wie möglich unter die Haube bringen will. Um diesem standesgemäßen Schicksal zu entgehen, sucht Bean mit dem abenteuerlustigen Elfengefährten Elfo und ihrem persönlichen Hausdämon Luci immer wieder das Weite – und entdeckt dabei eine Fantasy-Welt voller Möglichkeiten, mit der die trinkfreudige Prinzessin aber nichts wirklich anfangen kann...

Trailer zu "Disenchantment" (VoD-Start: 17.8.2018)

Die Antihelden in "Disenchantment"

Dass Matt Groening für seine Animationswelten nerdige Charaktere mit Kultpotential entwickelt, dürfte seit dem popkulturellen Siegeszug von Homer Simpson keine Überraschung darstellen. Aber vor allem mit seiner "Disenchantment"-Hauptfigur schlägt Groening noch mal ein neues Kapitel auf.

Denn Bean aka Prinzessin Tiabeanie ist nicht nur eine renitente und talentfreie 19-Jährige, deren slackerhafte Planlosigkeit an die Mädels aus Lena Dunhams "Girls" erinnert. Sie hat auch massive Alkoholprobleme, deren ungeschönte Darstellung ihrer feministisch angehauchten Rebellenrolle innerhalb eines bizarr überholt wirkenden patriarchalischen Systems eine ganz eigene Note verleiht.

Character-Clip: Prinzessin Bean in "Disenchantment"

Neben ihrer Alkoholsucht steht Bean ihr Luci im Weg. Der Jungdämon wurde Bean aus mysteriösen Gründen zur Hochzeit geschenkt und versucht mit demonstrativ zur Schau gestelltem Nihilismus, die junge Prinzessin ins Verderben zu führen, indem er ihr vorgaukelt, dass nur exzessiver Spaß zur Selbstbefreiung führt.

Character-Clip: Luci in "Disenchantment"

Als Engelchen-Gegenstück zum dämonischen Teufelchen sitzt Bean der 18-jährige Elfo auf der Schulter, der zu ihrem Gefährten wird, weil ihn der harmonische Alltag in Elfwood anödet. Daher stürzt er sich mit unbedarftem Optimismus in die blutrünstige Fantasy-Welt von Dreamland und verliert dabei sein Herz an die impulsive Prinzessin, was seinen moralischen Kompass zusätzlich durcheinander wirbelt.

Character-Clip: Elfo in "Disenchantment"

GOKA-Wertung

Nach den Persiflagen auf Familien-Sitcoms in "Die Simpsons" und auf Arbeitsplatz-Komödien in "Futurama" kontrastiert Matt Groening jetzt das Genre der Erste-Lebenskrise-Dramedy mit dem archaischen Ambiente mittelalterlicher Märchenwelten und erzeugt damit wunderbare Momente bizarrer Komik.

Wie bei den "Simpsons" oder "Futurama" zünden dabei nicht immer alle Gags. Aber durch Groenings neuen Ansatz, zwar zehn einzelne Episoden aber gleichzeitig eine sich horizontal durchziehende Geschichte zu erzählen, sehen Fans erwachsenerer Animationskunst gerne über pubertäre Durchhänger hinweg. Denn bezogen auf das Fantasy-Genre leistet "Disenchantment" (zu deutsch: "Entzauberung") mit spürbarer "Spaß an der Freud"-Bravour, was der Titel verspricht.