Serien-Event der Woche: "Arthurs Gesetz"

Geht 'Comedy Noir' a la "Fargo" auch in Deutschland? Die neue Miniserie "Arthurs Gesetz" mit Martina Gedeck und Jan Josef Liefers als vom Pech verfolgtes Killer-Pärchen wider Willen ist auf dem richtigen Weg.

Dass TNT Germany deutsche Serien mit internationalem Format produzieren kann, hat der Pay-TV-Sender bereits mit "Weinberg" und dem diesjährigen GOLDENE KAMERA-Gewinner "4 Blocks" unter Beweis gestellt. Mit der sechsteiligen Miniserie "Arthurs Gesetz", die ab dem 31. August zunächst beim Telekom-Streamingportal EntertainTV erhältlich ist und Mitte Dezember auf TNT Comedy startet, tritt TNT jetzt in Fernsehdeutschland das Erbe der schwarzhumorigen Provinzposse "Hindafing" an – und präsentiert einen makaberen Spaßreigen, der noch weitaus radikaler daherkommt...

Trailer "Arthurs Gesetz"

Darum geht's in "Arthurs Gesetz"

Im fiktiven Kleinstadtkaff Klein Biddenbach lebt der Arbeitslose Arthur Ahnepol (Jan Josef Liefers, Interview) in den Tag hinein. Als die finanziellen Schwierigkeiten Überhand nehmen, lässt er sich von seiner verhassten Ehefrau Martha (Martina Gedeck, Interview) dazu überreden, die Versicherung zu prellen und dafür seine rechte Hand zu opfern – was tüchtig in die Hose geht.

Neuen Lebensmut schöpft Arthur erst wieder, als er an seinem 50. Geburtstag die Bekanntschaft der Dorf-Prostituierten Jesse (Cristina do Rego) macht und beschließt, für sie sein Leben umzukrempeln. Leider hat ihr Zuhälter und Vaterersatz Mario (Robert Gallinowski) etwas dagegen – bis er bei einem nächtlichen Besuch bei den Ahnepols auf bizarre Weise zu Tode kommt und das entfremdete Ehepaar sowie Marthas zur Leichenbeseitigung hinzugerufene Polizistenschwester Muriel (Gedeck in einer Doppelrolle) vor ein zusätzliches Problem stellt. Denn Jobcenter-Sachbearbeiterin Frau Lehmann (Nora Tschirner) hat den vom Pech verfolgten Arthur schon länger auf dem Kieker...

Langtrailer zu "Arthurs Gesetz" (VoD-Start: 31.8.2018)

GOKA-Wertung

Handamputation mittels Kreissäge, Tod durch oral verabreichten Bauschaum, ein im Schädel steckengebliebener Kronleuchter – für Zartbesaitete dürfte "Arthurs Gesetz" zu viel des Guten sein. Doch diese exzellent getricksten Spezialeffektszenen spiegeln zusammen mit der innovativ-verspielten Inszenierung von Regisseur Christian Zübert ("Lommbock") und Kameramann Ngo The Chau den Mut wieder, endlich auch mal in Deutschland ohne Rücksicht auf Verluste reinrassige Genre-Unterhaltung mit Schmackes zu fabrizieren.

Dass die aus einer Kurzfilmclip-Idee von Drehbuchautor Benjamin Gutsche entstandene Konzeptserie auch inhaltlich trägt, ist zwei Faktoren zu verdanken. Zum einen wird "Murphys Gesetz", dass alles schief geht, was nur schief gehen kann, mit einer derart eskalierenden Konsequenz auf Pechvogel Arthur & Co. angewendet, dass man über die sechs Episoden einfach dranbleiben muss. Und zum anderen lassen Jan Josef Liefers als ohnmächtiger Pantoffelheld und Martina Gedeck als passiv-aggressiver Hausdrachen sowie als unsichere Polizeichefin hinter ihren grotesken Rollen eine Tragik durchschimmern, die im Verlaufe der Miniserie immer deutlichere Konturen annimmt.

Im Bereich der Nebenrollen ragt Nora Tschirner heraus. Als prollige Jobcenter-Zicke Claudia Lehmann verleiht sie der zuletzt im "Tatort: Die robuste Roswita" zelebrierten Flapsigkeit ihrer TV-Kommissarin Kira Dorn eine bösartige Note, die einen komplett vergessen lässt, wen man da vor sich hat. Derart starke Schauspielleistungen sind es auch, die über so manch unnötigen Klamauk hinwegtrösten, dessen Plumpheit die einzige Schwäche dieser sehenswerten deutschen Fingerübung in Sachen 'Comedy Noir' darstellt.