Florence Kasumba: "Ich bin eher der Kampfsport-Typ!"

Perestroika, Terrorismus, Apartheid und die DDR-Staatspleite: "Deutschland 86" will viel. Doch kann sich die preisgekrönte Agentenserie neu erfinden, indem sie jetzt auf Action setzt? Darüber sprach GOLDENE KAMERA mit Schauspielerin Florence Kasumba.

Ob rasante Verfolgungsjagden, aufwändige Computeranimationen oder extreme Explosionen – in den neuen Episoden der Spionageserie "Deutschland '86" (ab 19. Oktober bei Amazon Prime) treten die Kämpfe gegen die eigene, innere Zerrissenheit zurück, während die Kriege gegen äußere Feinde dominieren. Kein Wunder, dass mit Florence Kasumba ("Black Panther") eine actionerfahrene Hollywood-Heroine den Cast um Jonas Nay ergänzt. Wir trafen die 41-jährige Schauspielerin zum Interview.

Florence Kasumba über "Deutschland '86"

Interview mit Florence Kasumba

Florence, Sie stoßen neu zum Ensemble der Serie – und spielen eine Agentin namens Rose. Wie tickt diese Frau?

Rose ist eine Heldin, die aktiv gegen Apartheid kämpft und sehr viel riskiert. In "Deutschland ‘86" gerät sie pausenlos in sehr gefährliche Situationen. Zum Glück habe ich solche Dinge nie persönlich erlebt, weil ich – wie man auf Englisch sagt – "privileged" aufwuchs: Ich musste für nichts kämpfen, durfte zur Schule gehen, und lebte nicht in einem Krisengebiet. Aber der Dreh in Kapstadt war für mich trotzdem eine andere Erfahrung als für meine Kollegen, weil ich eine dunklere Hautfarbe habe und einige Dinge ganz anders wahrnehme.

Wurden Sie für die Rolle gecastet?

Ich kenne Anna Winger seit 2014. Damals hat sie mir zum ersten Mal von "Deutschland '83" erzählt, und meinte schon damals, das etwas entstünde, was interessant für mich werden könnte. Vor einem Jahr – im November 2016 – wurde die Sache dann spruchreif. Heißt: Ich kam durch die Autorin dazu.

Kannten Sie die "Deutschland"-Reihe schon? Wie hat Ihnen "D83" gefallen?

Ich war total beeindruckt. Für mich ist das so, wie ich Fernsehen sehen möchte – sehr international! Die Serie kommt ganz anders rüber als das, was ich normalerweise im deutschen TV sehe.

"Deutschland 83" war auch international sehr erfolgreich. Was ist wohl das Erfolgsgeheimnis?

Dass es sich dabei um eine historische Geschichte handelt, die sehr interessant ist. Der Kalte Krieg war rückblickend betrachtet überall zu spüren. Mich haben die zerrissenen, ambivalenten Charaktere fasziniert – sowie der tolle Cast und der Look. Übrigens: Meine Bekannten im Ausland haben "Deutschland '83" auf deutsch angeschaut – und die Untertitel gelesen. Dieses Sehverhalten ist völlig neu, und bestimmt ist es ebenfalls ein Baustein des Erfolgsgeheimnisses. Denn normalerweise sind die Amerikaner es ja gewohnt, dass alles synchronisiert wird.

Die Serie läuft bei Amazon Prime. Wie sind Ihre eigenen Fernsehgewohnheiten?

Ich gehe total mit der Zeit. Ich bin Amazon Prime und Netflix-Fan – weil ich tagsüber viel unterwegs bin und gar nicht die Zeit habe, um Punkt 20:15 Uhr vor dem Fernseher zu sitzen. Streaming ist für mich angenehm, weil ich die Dinge, die mich interessieren, auf diese Weise später ansehen kann. Und wenn ich mal ein paar Tage frei habe, schaue ich mir direkt mehrere Folgen von meinen Lieblingsserien hintereinander an.

Warum wohl sind Miniserien momentan so erfolgreich?

Weil sie kurz sind, nur wenige Folgen umfassen und man als Zuschauer ganz schnell damit durch ist. Außerdem werden Miniserien immer hochwertiger und differenzierter.

Trailer zur Amazon-Serie "Deutschland 86"

Was sind Ihre Lieblingsserien bzw. welche schauen Sie aktuell gerade?

Es kommt immer darauf an, in welcher Stimmung ich bin. Mir gefallen die Marvel-Serien "Daredevil", "Jessica Jones" und "The Punisher". Ich mag auch "Greenleaf", "Scandal" und "Grey’s Anatomy" und freue mich auf die 8. Staffel von "Game of Thrones".

Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

2019 kommt der "König der Löwen" in die Kinos. Da bin ich ebenfalls mit dabei.

Und wie ist Ihre "Tatort"-Kommissarin Anais Schmitz angelegt?

Hauptkommissarin Anaïs Schmitz ist eine eigenwillige Ermittlerin, die ihr Temperament nicht immer zügeln kann. Sie arbeitet gerne im Team und ist bei ihren Kollegen sehr beliebt. Doch dann kommt Charlotte Lindholm. Beide Frauen haben einen ähnlichen Ermittlungsstil, brauchen aber etwas Zeit, bis sie begreifen, dass Sie als Team unschlagbar sind.

Wie halten Sie sich körperlich fit? Sind Sie eher der Yoga- oder eher der Kampfsport-Typ?

Ich bin eher der Kampfsport-Typ. Wenn ich in Berlin bin, trainiere ich im Shaolin Tempel Deutschland chinesische Kampfkünste wie Tai Chi Chen, Tai Chi Yang, Shaolin Kung Fu und Qi Gong. Das ist das beste Training für meine Arbeit bei Marvel. Zusätzlich habe ich einen Vertrag bei einem 24/7 Fitness Studio. Das ist sehr hilfreich, wenn man sich zum Beispiel während der Weihnachtszeit vollfrisst und in der ersten Januar Woche im engen Marvel-Kostüm vor der Kamera stehen muss.

Sie stehen viel in Hollywood vor der Kamera. Wie unterscheiden sich Filmdrehs in der "Traumfabrik" am meisten von deutschen Drehs?

Die Blockbuster, in denen ich mitgewirkt habe, hatten sehr hohe Budgets. Das bedeutet ich hatte längere Proben- und Trainingszeiten als in Deutschland, konnte mich länger und besser auf die Rollen vorbereiten. Wir haben viel mehr gearbeitet. Die Tage waren länger und manchmal gab es keinen freien Tag in der Woche. Trotzdem wurde nicht gejammert. Die Crews waren enorm. Bei den Marvel-Filmen bestand die Crew oftmals aus 200 und mehr Personen. Das kann sehr einschüchternd sein, wenn man das nicht gewohnt ist. In Amerika gehe ich immer vor meiner Abholung zum Training. Das ist irgendwann zwischen 3 und 6 Uhr morgens. Für meine Kollegen und mich ist das normal, weil wir vor dem Dreh aufgewärmt sein müssen. Die meisten können sich das nicht vorstellen, wenn ich in Deutschland davon berichte. Am meisten ist mir aufgefallen, dass die Filmschaffenden (Schauspielkollegen und Crew-Mitglieder) eine sehr positive Einstellung zur Arbeit hatten. Das finde ich immer wieder sehr inspirierend.

Interview: Mike Powelz