Michael Douglas meistert "The Kominsky Method"

In der Netflix-Serie "The Kominsky Method" von Chuck Lorre ("The Big Bang Theory") begegnet Michael Douglas neben Co-Star Alan Arkin dem Älterwerden mit Humor. Wir verraten, wie die erste Streaming-Serie des Oscar-Preisträgers geworden ist und trafen den 74-Jährigen zum exklusiven Gespräch.

46 Jahre nach seinem Schauspieldurchbruch in der Kultserie "Die Straßen von San Francisco" kehrt Michael Douglas mit "The Kominsky Method" (ab 16. November bei Netflix) ins Seriengeschäft zurück. Doch für den Preisträger der GOLDENEN KAMERA 1990 hat der neue Streaming-Wurf des "The Big Bang Theory"-Schöpfers Chuck Lorre mit dem Fernsehen von einst nicht mehr viel gemein – und das nicht nur, weil er mittlerweile zum altehrwürdigen Schauspiel-Eisen gehört...

Michael Douglas über "The Kominsky Method"

Darum geht's in "The Kominsky Method"

Sandy Kominsky (Michael Douglas) war einst ein gefeierter Hollywood-Star, der jetzt eine renommierte Schauspielschule betreibt und sich trotz eigener Alterszipperlein, die mit der sich anbahnenden Beziehung zu seiner Schülerin Lisa (Nancy Travis) einhergehen, um seinen einstigen Agenten kümmern muss. Denn Norman (Alan Arkin) droht, durch den bevorstehenden Tod seiner krebskranken Frau Eileen (Susan Sullivan) und die Tablettensucht seiner Tochter Phoebe (Lisa Edelstein) in eine ausgewachsene Latelife-Krise zu verfallen.

Trailer zu "The Kominsky Method"

GOKA-Wertung

Dass das Netflix Original "The Kominsky Method" großes Schauspielkino geworden ist, verdankt die Dramedy vor allem seinen beiden Hauptdarstellern. Michael Douglas und Alan Arkin harmonieren vorzüglich und frotzeln sich durch die körperlichen und seelischen Probleme, die das letzte Kapitel des Lebens für den Menschen bereit hält. Showrunner Chuck Lorre ist dabei das Bemühen anzumerken, Unterhaltung für ein reiferes Publikum zu präsentieren. Doch trotz einiger bewegender Momente vertraut Sitcom-Guru Lorre selbst bei Sandys drohender Prostatakrebserkrankung auf geriatrische Witze, anstatt emotional und dramaturgisch wirklich dahin zu gehen, wo es weh tut.

Die für den zahnlosen Massengeschmack locker und leicht gehaltenen acht Episoden werden aber nicht nur von den beiden Oscar-Gewinnern getragen, sondern auch von handverlesenen Top-Cameos gekrönt. Und so sorgen unter anderem Ann-Margret ("Ein verrücktes Paar") als lüsterne Witwe oder Danny DeVito (GOLDENE KAMERA 2010) als Sandys skurriler Urologe mit dafür, dass "The Kominsky Method" vielleicht nicht der erhoffte große Serienwurf geworden ist, aber feinste Bingewatch-Qualität bietet.

"The Kominsky Method": Michael Douglas im Interview

GOLDENE KAMERA: Was hat Sie an dieser Serie gereizt?

MICHAEL DOUGLAS: Das Material war einfach zu gut, um es abzulehnen. Chuck Lorre ist als Serienschöpfer einfach fantastisch. Ich hatte eigentlich keine Pläne, in einer Streaming-Serie mitzuspielen, aber als ich "The Kominsky Method" las, hat mich die Qualität umgehauen. Und es schadete natürlich nicht, dass ich ein riesiger Fan von Chuck bin. Meine Familie und ich schauen schon seit Jahren "The Big Bang Theory" und andere seiner Shows. An seiner neuen Serie gefiel mir, dass Chuck den Humor im Alterungsprozess gefunden hat, was nicht gerade leicht ist. (lacht) Ich spiele jetzt also eine Rolle, die meinem Leben sehr ähnelt.

Wie kommen Sie mit dieser Tatsache des Lebens klar? Was sind die Vor- und Nachteile des Älterwerdens?

Lassen Sie uns uns lieber auf die Vorteile konzentrieren. (lacht) Jemand hat vor kurzem ein Spiel mit mir gespielt: "Ich gebe dir den Namen eines Arzneimittels, und du sagst mir, wofür oder wogegen es ist." Ich war geschockt, wie viele mir bekannt waren! Das Gute am Älterwerden ist, dass ich jetzt meine Zeit bewusster manage, denn ich bin mir im Klaren, dass meine Zeit begrenzt ist. Wochenenden und Urlaube werden genau geplant, worüber sich meine Frau und meine Kinder immer lustig machen. Als ich jünger war, habe ich das Leben auf mich zukommen lassen und bin mit dem Strom geschwommen.

Apropos Medikamente, wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Ich bin Krebs-frei! Schon seit sieben Jahren. Und ich habe jedes Jahr einen Check-Up. Vor ein paar Jahren hatte ich einen kleinen Tumor, aber zum Glück war er gutartig und ist entfernt worden. Ich fühle mich sehr gut.

Wird das Schauspielern leichter oder schwerer mit zunehmendem Alter?

Mit dieser Serie habe ich gelernt, dass ein langsameres Tempo gut für das komödiantische Timing sein kann. Ich habe in meiner Karriere eher dazu tendiert, diese Pausen mit Überaktivität zu kompensieren. Was härter wird, ist das Lernen der Dialogzeilen. Das braucht jetzt länger als früher, aber in anderen Jobs wird man mit 65 schon entlassen. Ich kann also dankbar sein, dass ich mit 74 noch Arbeit habe! Ich liebe meine Job, weil er mich am Leben hält. Golfspielen wird nach einer gewissen Zeit einfach zu langweilig. (lacht)

Interview: Anke Hofmann