"What/If" bei Netflix: Renée Zellweger als zweifelhafte Gönnerin

In der neuen Netflix-Serie "What/If" spielt Renée Zellweger eine diabolische Investorin, die ein glücklichen Paar ins Unglück stürzt.

Sie brauchen Geld? Dann leihen Sie mir einfach Ihren Mann! Keine Frage: Ein äußerst unmoralisches Angebot, das Anne Montgomery (Renée Zellweger) in "What/If" der klammen Startup-Chefin Lisa (Jane Levy) macht. Wenn Jane ihren geliebten Barkeeper Sean (Blake Jenner) für eine Nacht der mysteriösen Gönnerin überlässt, die verheirateten Paare gern ihre moralische Grenzen aufzeigt, wäre ihr Gentechnik-Unternehmen finanziell gerettet.

„Ein unmoralisches Angebot“ eben, wie es Adrian Lyne 1993 bereits mit Robert Redford, Demi Moore und Woody Harrelson in den Hauptrollen verfilmte. Damals war eine Frau das Objekt der Begierde, diesmal ist es ein Mann - und eine unmoralische Renée Zellweger stellt das Paar in zehn Episoden auf die Probe.

Trailer: "What/If"

Für die 50-jährige Oscar-Preisträgerin ist "What/If" die erste TV-Serie, bei der sie die Hauptrolle übernimmt. Zuletzt war es etwas ruhiger geworden um die Texanerin, die nach ihrem Durchbruch mit "Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück" (2001) vor 15 Jahren mit "Unterwegs nach Cold Mountain" einen Oscar gewann, sich danach komplett aus dem Filmgeschäft zurück zog und 2016 mit "Bridget Jones' Baby" ihr Comeback feierte.

Im Interview verrät uns die GOLDENE KAMERA Preisträgerin von 2011, warum sie nur wenig mit ihrer Filmfigur in dem Anthologieformat von Showrunner Mike Kelley ("Revenge") gemeinsam hat.

Renée Zellweger im Interview zu "What/If"

GOLDENE KAMERA: „What/If“ ist provokativ und mysteriös. Was war die Attraktion für Sie?

Renée Zellweger: Erstens macht es Spaß, eine abscheuliche Figur wie Anne Montgomery zu spielen. Und zweitens wollte ich schon immer mal in einer Serie mitspielen, die augenzwinkernd auf unsere Gesellschaft schaut. Ich habe mich von Anfang an mit (Serienschaffer) Mike Kelley gut verstanden. Mir gefällt es, dass seine Shows sehr gegenwärtig und gesellschaftsrelevant sind. „Revenge“ war eine Mischung aus „Der Graf von Monte Christo“ und dem Bernie Madoff-Skandal. Und in „What/If“ zeigen wir, wie sehr wir für unsere eigenen Interessen oder für Erfolg bereit sind, unsere ethischen Grenzen zu kompromittieren.

GOLDENE KAMERA: Wie skrupellos sind Sie, um zu erreichen, was Sie wollen?

Ich habe zum Glück nicht sehr viel mit Anne gemeinsam. Aber Ihre Garderobe finde ich beneidenswert! (lacht) Ich bin konservativer als Anne und wesentlich anspruchsloser. Ich bin eher zurückhaltend, und nur mit meinen besten Freunden erlaube ich mir, unverfroren zu sein.

Inwieweit unterscheidet sich Anne Montgomery von anderen TV-Figuren wie Victoria Grayson (Madeleine Stowe) in „Revenge,“ Cookie Lyon (Taraji P. Henson) in „Empire“ oder Alexis Colby (Joan Collins) in „Dynasty,“ deren eigene Verbitterung und Schmerz das Leben anderer zur Hölle machen.

Unsere Inspiration waren die Moralfilme der 80er, und das Film Noir Genre. Aber Frauen wie Anne gibt es schon seit Shakespeare. Oder seitdem der Mensch zur Feder gegriffen hat, um Geschichten niederzuschreiben.

Was war Ihre Inspiration für Anne Montgmery?

Anne Bancroft als Mrs. Robinson in „Der Reifeprüfung.“ Statt sich in den Alkohol zu stürzen oder in die Arme eines wesentlich jüngeren Mannes zu fallen, nutzt meine Figur ihren Schmerz, ihre Selbstverachtung und ihre Unzufriedenheit, um ihr eigenes Imperium zu bauen und so die Welt und Menschen manipulieren zu können.

Ist das Leben Schicksal oder freier Wille? Wann haben Sie sich zum letzten Mal „Was wäre, wenn ...“ gefragt?

Heute Morgen (lacht). Theoretisch ist jede Entscheidung wichtig, denn man weiß nie, welche Konsequenzen sie birgt. Aber es bringt nichts, sich Gedanken über etwas zu machen, worüber wir keine Kontrolle haben. Stattdessen versuche ich, im Moment zu leben.

Interview: Anke Hofmann

Unser Serientipp, weil...

Was passiert mit moralisch integren Menschen, wenn sie auf ein unmoralisches Angebot eingehen? Die Antwort wird mit vielen überraschenden Wendungen gegeben, ist unterhaltsam aber nicht sonderlich tiefsinning. Von Renée Zellweger weiß man, dass sie mehr kann.