2. Staffel "Dark": Zeitreise in die 1920er Jahre

Obwohl die 2. "Dark"-Staffel erst am 21. Juni bei Netflix startet, wurde eine Dritte bereits bestätigt. Danach ist allerdings Schluss. Wir verraten, wie es weitergeht.

Die 2. Staffel der Mysteryserie "Dark" beginnt mit einer echten Überraschung. GOLDENE KAMERA ist in Halle acht des Filmstudios Babelsberg zu Besuch und sieht zwei Darstellern beim Graben zu. Schwitzend liegen beide in einem schmalen Tunnel. Der enge Gang kommt "Dark"-Zuschauern durchaus bekannt vor. Unerwartet ist dagegen das Jahr, in dem dieser Prolog spielt: 1921. Nun also die 20er-Jahre. Damit hat "Dark" seine fünfte Zeitebene erreicht – nach 1953, 1986, 2019 und 2052.

Teaser: "Dark 2"

Ja, die erste deutsche Netflix-Produktion ist eine Zeitreiseserie. Aber nicht nur. Raffiniert mischt "Dark" Mystery, Familiendrama und Krimi. In der fiktiven Kleinstadt Winden verschwinden im Jahr 2019 mehrere Jungen. Währenddessen kommt Schüler Jonas (Louis Hofmann) einem Geheimnis auf die Spur: Ein Höhlensystem in der Nähe des örtlichen AKWs scheint ein Portal zu verschiedenen Zeitzonen zu sein.

Diese kurze Zusammenfassung täuscht: Eine komplexere Serie als "Dark" ist kaum denkbar. Das liegt zum einen an der Prämisse ihrer Story, wonach Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht nacheinander, sondern gleichzeitig passieren; zum anderen am riesigen Ensemble mit mehr als 30 Figuren, die zum Teil von je drei Darstellern (Kind, Erwachsener, Senior) verkörpert werden.

Bildergalerie zur ersten "Dark"-Staffel

Umso erstaunlicher war der große Erfolg von Staffel eins, vor allem international. Seit dem Start werden "Dark"-Stars wie Mark Waschke und Karoline Eichhorn regelmäßig im Urlaub erkannt, egal ob in Finnland, den USA oder Thailand. Laut Netflix’ Daten hat die Serie vor allem in Lateinamerika extrem viele Zuschauer.

Gina Stiebitz, die Jonas’ Schulkameradin Franzi spielt, spürte den "Dark"-Effekt als Erste: Nach Serienstart wuchs ihre Instagram-Followerschaft von 200 auf 10.000 – in nerhalb weniger Stunden. Online diskutieren unzählige Fans ihre Theorien zur Serie.

Verantwortlich für diesen Hype sind Chefautorin Jantje Friese und Regisseur Baran bo Odar ("Who Am I?"). "Zu behaupten, wir hätten diesen Erfolg erwartet, wäre lächerlich", sagt Friese im Interview. "Wir dachten, im besten Fall schauen ein paar seltsame, nerdige Teenager zu." Tatsächlich aber war die Serie ein solcher Hit, dass Netflix den beiden Showrunnern einen Exklusivvertrag gab. Ihre Arbeit wird dadurch aber auch nicht leichter. "Das Schreiben dieser Serie ist wie eine komplizierte mathematische Formel", so Friese. "Änderst du an einer Stelle eine Kleinigkeit, funktioniert woanders ein ganzer Handlungsstrang nicht mehr."

Dabei ist das Zeitreiseelement in "Dark" eher Mittel zum Zweck. "Jantje und mich hat schon immer die Frage fasziniert, welche vergangenen Entscheidungen einen Menschen prägen", sagt Baran bo Odar. "Diesmal haben wir eine Story kreiert, in der Figuren die Möglichkeit haben, zu diesen Momenten zurückzukehren."

Darum geht's in der 2. Staffel "Dark"

Zu Details der neuen acht Folgen schweigen die Macher. Fest steht: Zum Cast stößt u. a. Winfried Glatzeder (74), der die ältere Version von Ulrich Nielsen spielt – bisher dargestellt von Oliver Masucci (50). Der Fokus wird aber wieder auf Jonas liegen. Am Ende der ersten Staffel war er unfreiwillig im Jahr 2052 gelandet, in einem postapokalyptischen Trümmerfeld. Acht Monate sind seitdem vergangen.

"Die Zeit in der Zukunft hat Jonas geprägt", verrät unser GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträger von 2018 Louis Hofmann. "Er ist weitaus robuster und aktiver als in Staffel eins. Er trägt viel Wut in sich und ist bereit, alles zu tun, um in seine Zeit zurückzukehren."

Bei der Story den Überblick zu behalten, fällt selbst Hofmann nicht immer leicht: "Manchmal hatte ich schon Kopfschmerzen. Aber in Staffel zwei ging es leichter. Die Story wird emotionaler. Es gab Szenen, da kamen mir beim Lesen die Tränen."

Bilder von Kindermumien

Kurz vor Ende unseres Setbesuchs können wir noch einen Blick auf das Moodboard werfen. So nennt man die Sammlung von Fotos, Skizzen und Gemälden, die den Machern als künstlerische Inspirationsquelle dient. Die Mischung der Motive für Staffel zwei ist rätselhaft bis verstörend: mit Schmuck verzierte Skelette. Gepeinigte Leiber in Bruegels Gemälde "Der Triumph des Todes". Männer in Strahlenanzügen. Bekleidete Kindermumien.

"Dark" ist dabei, eine eigene Mythologie zu erschaffen – wie einst "Lost", die Mutter der modernen Mysteryserien. Ein Unterschied zu dem übernatürlichen Inseldrama: Die "Dark"-Macher haben einen Plan. Sie wissen, wie ihre Serie enden soll. Klar ist nun auch: Bei "Dark" handelt es sich um ein Trilogie. Staffel drei ist bereits bestätigt.

Und so denken Friese und Odar auch während der letzten Handgriffe an Staffel zwei daran, wie es weitergeht. Wer wüsste es besser als die Macher der Zeitreiseserie: Das Ende ist gleichzeitig der Anfang.