"Der dunkle Kristall": Größte Puppenproduktion aller Zeiten bei Netflix

Fast 40 Jahre nach der Filmpremiere startet bei Netflix "Der dunkle Kristall" als 10-teilige Serie.

Es war 1982, als sich „Muppets“- Erfinder und Filmemacher Jim Henson einen lang gehegten Traum erfüllte: ein großes Fantasy- Epos, ausschließlich mit Puppen als Darstellern. Ein Kinohit wurde „Der dunkle Kristall“ nicht. Dafür setzte die ausgefeilte Puppenspieltechnik neue Maßstäbe.

Fast 40 Jahre nach dem Kinostart und rund 30 Jahre nach Jim Hensons Tod will eine Frau den Aufwand des Films toppen: Jims Tochter Lisa Henson. Ihre Serie „Der dunkle Kristall – Ära des Widerstands“ (ab Freitag, 30 August bei Netflix) erzählt die Vorgeschichte des Films: In der Fantasiewelt Thra werden die elfenähnlichen Gelflinge von den geierartigen Skeksen unterdrückt. Doch drei junge Gelflinge kommen einem düsteren Geheimnis der Skekse auf die Spur.

Trailer: "Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands"

170 Puppen wurden neu gebaut

„Die Dimensionen der Serie sind episch“, sagt Produzentin Lisa Henson im Interview. „Es ist die größte Puppenproduktion aller Zeiten“. Die 59-Jährige hat den direkten Vergleich: Am Film war sie 1982 als Produktionsassistentin beteiligt. Für das Prequel ließ sie Künstler 70 verschiedene Spezies kreieren. CGI ist die Ausnahme, Henson setzt auf Handwerk. „Beim Aussehen der Puppen wollten wir möglichst nah am Film sein.“ Das Henson-Archiv lieferte viele Anregungen, mehr aber nicht. "Die Puppen aus dem Film waren zu sehr zerfallen, als dass wir sie hätten verwenden können“, so Henson.

Mehr als 170 Puppen wurden eigens für die Serie neu gebaut. Ihre Steuerung hat sich seit 1982 nicht grundlegend geändert. Um einen Skeks im zehnteiligen Prequel zu spielen, braucht es drei Personen: Einer hat seine Hand im Kopf des Wesens, ein anderer steuert im Kostüm die Hände, und ein dritter kontrolliert aus der Distanz per Funk die Mimik.

Puppenspieler wurden nachträglich entfernt

„Was sich aber wirklich verändert hat“, so Henson, „ist die Art der Inszenierung.“ Beim Film von 1982 mussten die Puppenspieler noch im Set versteckt werden. Diesmal konnten sie dank Greenscreen-Technik nachträglich aus dem Bild entfernt werden. Das ermöglicht neue Kameraperspektiven und mehr Dynamik.

Inszeniert hat die Serie der Action- erprobte Kinoregisseur Louis Letterrier („Transporter“). „Bei Louis ist die Kamera konstant in Bewegung“, erklärt Lisa Henson. „Er arbeitete nur mit Steadycam oder Handkamera, oft bediente er sie selbst. Da fällt einem gar nicht auf, dass die Beweglichkeit einer Puppe eingeschränkt ist.“ Letztlich sind für Henson derlei technische Tricks aber zweitrangig: „Ich hoffe, die Zuschauer werden im Laufe der Serie vergessen, dass die Akteure Puppen sind. Das wäre das größte Lob.“