Filmmusik a la YouTube: Schauspielstars in Musikvideos

Lars Eidinger im Deichkind-Video "Richtig gutes Zeug" ist nur einer von zahlreichen deutschen Film- und internationalen Hollywood-Stars, die mit Cameos in Musikvideos für Schauspiel-Glamour auf YouTube sorgen.

Seit die Elektro-Rapper von Deichkind Mitte März das Video zu ihrem Hit "Richtig gutes Zeug" gelauncht haben, wurde fast 4 Millionen Mal abgerufen, wie sich Lars Eidinger zum konsumkritischen Affen macht...

Lars Eidinger im Musikvideo "Richtig gutes Zeug" von Deichkind (2019)

Der Ausnahmeschauspieler, der bei der Aftershow-Party der GOLDENEN KAMERA 2019 mit einem mitreißenden DJ-Set sein musisches Multitalent unter Beweis gestellt hat, scheint ohnehin das Medium "Musikvideo" als neue Bühne des künstlerischen Ausdrucks für sich entdeckt zu haben. Außer in dem neuen Deichkind-Video "Keine Party" (YouTube) gibt es Eidinger noch in Herbert Grönemeyers "Morgen" (YouTube), Yung Hurns "Diamant" (YouTube) und "Eine Geschichte/Und Du?" von Drangsal zu bewundern...

Lars Eidinger im Musikvideo "Eine Geschichte/Und Du?" von Drangsal (2018)

Und dabei bilden Lars Eidinger und seine musikalischen Mitstreiter die volle Bandbreite dessen ab, was Musikvideo-Regisseure mit ihren cineastischen Cameo-Gästen so auf die Beine stellen...

Filmstars in Musikvideos: Die Anfänge

Als sich Mitte der 1980er Jahre YouTube als das neue MTV zu etablieren begann, kamen schnell Musikvideos in Mode, in denen der Song zum Score eines eigenen kleinen Kurzfilms wurde.

Dabei auf etablierte Schauspielgrößen zurückzugreifen war eine logische Konsequenz, die als erste Kate Bush für sich zu nutzen wusste: In ihrem von "Monty Python"-Mastermind Terry Gilliam erdachten und dessen langjährigem Mitstreiter Julian Doyle inszenierten "Cloudbusting"-Video spielt Kate Bush an der Seite von "Fellinis Casanova" Donald Sutherland...

Donald Sutherland im Musikvideo "Cloudbusting" von Kate Bush (1985)

Filmstars in Musikvideos: Personifizierte Traumfrauen und Traummänner

Waschechte Leinwandstars wurden jedoch nicht nur als schauspielerische Musikvideo-Co-Stars, sondern auch als personifizierte Wunschträume eingesetzt. Ein erstes schönes Beispiel ist Tom Pettys makaber-romantische Video-Interpretation seines Songs "Mary Jane's Last Dance", in der die damalige "9 1/2 Wochen"-Traumfrau Kim Basinger das Objekt der Sänger-Begierde verkörpert...

Kim Basinger im Musikvideo "Mary Jane's Last Dance" von Tom Petty (1993)

Neben zahllosen Traumfrau-Beispielen wie Angelina Jolie im "Anybody Seen My Baby"-Video von The Rolling Stones (YouTube), Kirsten Dunst im "I Knew You Loved Me"-Video von Savage Garden (YouTube) oder Scarlett Johansson im "What Goes Around... Comes Around"-Video von Justin Timberlake (YouTube) sind Hollywoods Traummänner in Musikvideos in dieser Objekt-Funktion seltener vertreten - oder ironisch gebrochen wie Channing Tatum in Pinks Kurzfilm zu "Beautiful Trauma"...

Channing Tatum im Musikvideo "Beautiful Trauma" von Pink (2017)

Filmstars in Musikvideos: Arthouse-Kurzfilme

Das Musikvideo-Genre bietet Schauspielstars immer wieder auch die Bühne zur kreativen Entfaltung. So verwandelte Drew Barrymore als Regiesseurin den Song "Our Deal" von Best Coast in eine moderne "Romeo & Julia"-Variante (YouTube). Und "Luther"-Star Idris Elba inszenierte sich in seiner Interpretation des Mumford & Sons-Songs "Lover of the Night" gleich selbst...

Idris Elba im Musikvideo "Lover of the Light" von Mumford & Sons (2012)

Doch das musikalische Ausbrechen aus dem schauspielerischen Hollywood-Korsett geht auch extremer. So liefert sich "Transformers"-Enfant terrible Shia LaBeouf in Sias Video zu "Elastic Hearts" (YouTube) einen kontroversen Kampf der Geschlechter. Und in der Massive Attack-Hommage an Andrzej Zulawskis Underground-Kultfilm "Possession" (1981) durchlebt Rosamund Pike wie dereinst Isabelle Adjani eine schauspielerische Tour de Force...

Rosamund Pike im Musikvideo "Voodoo in My Blood" von Massive Attack (2016)

Filmstars in Musikvideos: Kultfiguren als Kultgaranten

Wenn es sich beim Cameo-Gast um eine veritable Leinwand-Ikone handelt, können Musikvideos auch selber Kultstatus erreichen. Als Blaupause für diesen Effekt gilt die Tanzeinlage von Oscar-Preisträger Christopher Walken im Fatboy Slim-Video "Weapon of Choice" von Spike Jonze, das allein bei den MTV Video Music Awards 2001 sechs Preise einheimste...

Christopher Walken im Musikvideo "Weapon of Choice" von Fatboy Slim (2001)

Auch wie Tom Hanks im Video zu "I Really Like You" (YouTube) den Gesangspart von Carly Rae Jepsen übernimmt, wurde bislang fast 244 Millionen Mal abgerufen. Eine Traumquote, die das "Synthesizers"-Video von Butch Walker zwar bei weitem nicht erreicht. Dafür schlüpft darin Matthew McConaughey noch einmal in seine ikonische Rolle aus "Confusion - Sommer der Ausgeflippten" (1993), die dem GOLDENE KAMERA-Preisträger (2014) dereinst den Durchbruch bescherte...

Matthew McConaughey im Musikvideo "Synthesizers" von Butch Walker & The Black Widows (2012)

Filmstars in Musikvideos: Das große Promi-Schaulaufen

Ansonsten gilt natürlich auch bei Filmstar-Cameos in Musikvideos: je mehr desto cooler. Beginnend 1989 mit Michael Jacksons "Liberian Girl" (YouTube) über Mobys "We Are All Made of Stars" (YouTube) und Paul McCartneys "Queenie Eye" (YouTube) bis hin zu Deichkinds "Wer sagt denn das?" (YouTube) sorgt musikalisch unterlegtes Promi-Schaulaufen für gesteigerte YouTube-Aufmerksamkeit.

Den ultimativen Promi-Vogel schossen dabei 2011 die Beastie Boys mit ihrem selbstironischen "Fight for Your Right Revisited"-Kurzfilm ab, in dem sich halb Hollywood die Ehre gibt...

"Fight for Your Right" (Revisited") von Beastie Boys (2011)