Anthony Hopkins in "Die zwei Päpste": Ein Duell im Vatikan

Wortgefechte beim Fanta-Trinken: Was das Filmdrama "Die zwei Päpste" (ab Freitag, 20. Dezember, Netflix) mit Anthony Hopkins und Jonathan Pryce über Benedikt und Franziskus verrät.

So etwas hatte es im Vatikan seit über 700 Jahren nicht gegeben. Damals, 1294, war Coelestin V. als Papst zurückgetreten. Doch seitdem war jedem klar: Gottes Stellvertreter auf Erden ist ein Amt auf Lebenszeit. Dann aber kam der 11. Februar 2013: Benedikt XVI. gab bekannt, nicht mehr Papst sein zu wollen. Was war passiert? Waren es nur gesundheitliche Gründe, die den Erzkonservativen mit der Tradition brechen ließen?

Trailer: "Die zwei Päpste"

Darum geht' in "Die zwei Päpste"

An einer Antwort versucht sich nun der Film "Die zwei Päpste". Darin erzählt der Regisseur Fernando Meirelles ("Der ewige Gärtner") auch von der komplizierten Beziehung von Papst Benedikt (Anthony Hopkins) und Kardinal Jorge Bergoglio (Jonathan Pryce "Der Morgen stirbt nie"), der als Papst Franziskus später Benedikt folgen sollte. Ihre Unterschiedlichkeit machte die beiden zu Widersachern: hier der bestens vernetzte deutsche Dogmatiker, dort der unkonventionelle Reformer aus Argentinien.

Der Vatikan in Cinecittà Optisch verblüfft vor allem die Ähnlichkeit von Hauptdarsteller Pryce zu seiner Figur. "Mich faszinierte Franziskus schon früh", verrät der Waliser. "Vor allem wegen seiner weltlichen Führungsrolle bei Themen wie Flüchtlingen oder Klimawandel. Gleichzeitig ist klar: Er war kein Heiliger. In seiner Heimat ist er bis heute nicht unumstritten."

Der Vatikan in Cinecittà

Auch der Film schildert in Rückblenden Bergoglios Vorgeschichte während Argentiniens Militärdiktatur. Der Großteil von "Die zwei Päpste" spielt allerdings in Rom. Da es für den Vatikan keine Dreherlaubnis gab, wurden Schauplätze im römischen Filmstudio Cinecittà nachgebaut – darunter in beeindruckender Weise die Sixtinische Kapelle.

Von Freddy Mercury über Stephen Hawking zum Papst

Schwieriger gestaltete sich die Rekonstruktion der privaten Dialoge der Päpste. Glücklicherweise war mit Anthony McCarten ein Biopic­ Spezialist am Werk. Der Drehbuchautor hatte zuvor Filme über Stephen Hawking ("Die Erfindung der Unendlichkeit") und Freddie Mercury ("Bohemian Rhapsody") verfasst. McCarten erklärt: "Ich habe je drei Monate zu Franziskus und Benedikt recherchiert. Erst dann habe ich sie im Drehbuch mit unterschiedlichen Ansichten Streitgespräche führen lassen."

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Auch wenn es keine Zeugen für diese Gespräche gab, fesselt "Die zwei Päpste" mit packenden Wortgefechten über Glauben, Gott und die Welt. Verbrieft dagegen sind die im Film gezeigten überraschenden Schwächen Benedikts für zwei sehr weltliche Laster: Fanta und die Serie "Kommissar Rex".