Wie sich Emilia Schüle ihre "Treadstone"-Rolle per Skype sicherte

Emilia Schüle spielt in "Treadstone" die KGB-Agentin Petra Andropov.
Emilia Schüle spielt in "Treadstone" die KGB-Agentin Petra Andropov.
Foto: USA Network
In der neuen Amazon-Prime-Serie "Treadstone" ist Emilia Schüle als russische KGB-Agentin zu sehen. Wie sich die Action-Rolle bekommen hat, verrät sie uns im Interview.

"Treadstone" ist das berüchtigte, geheime Black Ops-Programm der CIA, das Verhaltensmodifizierung nutzt, um Rekruten in fast übermenschliche Attentäter zu verwandeln. Das zehnteiliges Serien-Spin-off der Jason- Bourne-Filme steht ab Fr, 10. Januar bei Amazon Prime Video zum Streaming bereit. In der ersten "Treadstone"-Staffel werden Schläferagenten rund um die Welt plötzlich erweckt, um ihre tödlichen Missionen auszuführen.

Trailer: "Treadstone"

Emilia Schüle im Interview zu "Treadstone"

GOLDENE KAMERA: Was kannst du uns über deine Figur Petra verraten?

Emilia Schüle: Das interessante an Petra ist, dass sie in der Serie in zwei unterschiedlichen Zeitebenen gezeigt wird. Einmal als junge Frau in den 70er Jahren in West Berlin, wo sie als KGB Offizierin an einer wichtigen Mission arbeitet. Und dann zeigt man sie in der Serie auch in der Heute-Zeit, wo sie offensichtlich nicht mehr im KGB arbeitet.

Wie hast du dir Rolle bekommen? Wie viele Casting-Runden gab es, bevor du die Zusage bekommen hattest?

Ehrlich gesagt gab es nur eine einzige. Es gab eine Self-Tape-Audition. Dann habe ich zwei Monate gar nichts gehört und hatte schon damit abgeschlossen, aber dann kam der Call-Back – das war letztes Jahr kurz vor Weihnachten. Und dann gab es praktisch ein Skype-Kennenlernen. Es ging alles ziemlich zackig. Es war wirklich ein Traum. Ich musste nicht durch fünf schreckliche nervenaufreibende Casting-Runden, sondern nur die eine und dieses Skype-Gespräch. Und dann ging’s schon los nach Budapest und zum Kamp-Training.

Erzähle ein bisschen mehr über diese Kampf-Training. Und auch über die Stunts. Welche Stunts waren besonders schwer oder herausfordernd?

Ich hatte gleich in der ersten Episodenfolge einen sehr großen Kampf, der auch zwei Minuten one-on-one. Dafür habe ich drei Wochen trainiert, und das hat natürlich unheimlich Freude gemacht. Aber ich kenne das nicht, dass man für Projekte bis zu drei Wochen für eine Szene Kampftraining hat. Das ist eine ganz neue Form des Arbeitens, aber eben auch ein sehr wunderbarer Weg, seine Figur kennen zu lernen.

Abgesehen vom Action und den Kampfszenen, inwieweit unterscheidet sich die Arbeit in einer US-Serie von einer deutschen Serie außerdem?

Die amerikanische Serienentwicklung funktioniert anders als in Deutschland. In Deutschland haben wir meistens alle Folgen schon auf dem Tisch, bevor wir den ersten Drehtag antreten. Das war bei „Treadstone“ und auch bei der anderen Serie, die ich gedreht habe – „Berlin Station,“ ganz anders. Das ist ein work in progress, da bekommt man teilweise nur eine Woche bevor der neue Drehblock beginnt die neuen Episoden. Und das empfinde ich auch als Herausforderung, weil man eben während man dreht diese Figur letztendlich erst richtig kennen lernt und entwickelt. Und nicht bevor man den ersten Drehtag antritt schon alle Bücher auf dem Tisch hat.

Zuerst „Berlin Station,“ jetzt bist du in „Treadstone“ zu sehen. Du bist also zur Spezialistin von internationale Agentenserien geworden. Warum bist du so perfekt für diese Rollen? Ist dein Russisch-Kenntnis eine Hilfe?

In „Berlin Station“ habe ich ja ein Mädchen aus der rechtsradikalen oder rechtspopulistischen Szene gespielt, also ein Ausflug in ein ganz anderes Milieu. Und jetzt hier bei „Treadstone“ haben sicherlich meine russischen Wurzeln eine Rolle gespielt. Obwohl das gar nicht unbedingt ein Faktor war, diese Rolle spielen zu dürfen, denn Gabrielle ist ja auch rein Deutsche. Ich glaube in der Filmbranche braucht man Talent, aber man braucht auch einfach Glück.

Apropos Glück, würdest du gerne weiterhin in internationalen Projekten mitspielen. Hast du eine Künstleragentur in Amerika? Bemühst du dich aktiv um Serien oder Filme in der USA?

Ja, selbstverständlich. Ich habe eine britische Vertretung und meine deutsche Agentur fungiert auch international. Natürlich habe ich Lust, auch außerhalb Deutschlands – und sei es nur in Europa – mit anderen Regisseuren zusammen zu arbeiten, oder auch in Amerika. Ich werde dieses Jahr auch einen kleinen Auftritt im neuen Film von Ruben Östlund haben, was mich auch wahnsinnig freut, weil ich ihn für ein Genie halte.

Du hattest als kleines Mädchen Ballett- und Tanzunterricht. Inwieweit war das hilfreich für die Stunts?

Lustigerweise wurde mir in Budapest beim Stunttraining immer wieder gesagt, dass ich zu sehr wie eine Tänzerin aussehe (lacht) und dass meine Bewegungen aggressiver aussehen müssen. Ich musste also eher daran arbeiten, dass ich – sagen wir mal - männlichere Energie hatte bei den Kämpfen. Aber nichtsdestotrotz ist als Schauspieler die Beweglichkeit definitiv wichtig und ich war froh, dass ich vor zwei Jahren angefangen habe, sehr viel Sport zu machen - Krafttraining und Ausdauertraining - weil mir das das nötige Selbstbewusstsein gegeben hat, überhaupt an mich glauben zu können von Tag Eins an beim Kampftraining.

Wie hat dein Traum für die Schauspielerei angefangen? Wolltest du schon immer Schauspielerin werden oder bist du nur zufällig in dieser Branche gelandet?

Letzteres. Es ist tatsächlich ganz zufällig passiert, dass ein Foto von mir gemacht wurde und ich plötzlich in einer Agentur war, ohne wirklich verstanden zu haben, was eine Agentur ist. Als der Traum Schauspielerei hatte ich nie bewusst formuliert, sondern ich bin mit Elf einfach in der Kartei gelandet, und dann haben relativ schnell ein, zwei Jobs geklappt. Am Anfang was es Werbung, dann Kurzfilm. Und dann kam schon der erste Kinofilm. Mit 15 habe ich dann mein Herz an die Schauspielerei verloren.

Hattest du die „Bourne“ Trilogie und „Bourne Legacy“ gesehen?

Ich bin natürlich mit diesen Filmen groß geworden. Sie waren revolutionär. Ich glaube, die Bourne-Figur und der Begriff Treadstone ist einfach jedem jungen Menschen bekannt. Ich bin auch ins Kino gerannt und habe mich an der Wackel-Kamera erfreut und an den tollen Kämpfen.

Und inwieweit hat diese Rolle etwas Neuen in dir geweckt? Vielleicht deine innere Kick-ass-woman?

Das trifft es ganz gut (lacht). Es ist ein Riesengeschenk, als deutsche Schauspielerin eine Actionserie machen zu können, weil es das eben in Deutschland in dieser Form nicht gibt. Als Frau so große Kampfszenen lernen zu dürfen und wirklich ein Bad Ass zu sein, das war ein großer Traum von mir. Und da war ich sehr erstaunt, dass das in mir steckte.

Noch ein letzte Frage zur Ku’damm-Reihe, die bei unseren Usern sehr populär ist: Hast Du eine Wunschvorstellung, wohin sich Eva Fassbender in „Ku’damm 69“ entwickeln soll?

Ich finde, dass Eva gerade in einer absolut interessanten Lage ist. Sie erpresst ja gerade ihren Mann und kann sich dadurch theoretisch alle Unabhängigkeiten gönnen, die andere Frauen in dieser Zeit nicht haben. Deswegen hoffe ich, dass sie richtig die Sau rauslässt! Und dass sie wieder arbeitet und sich ein bisschen austobt, sich aber vielleicht auch künstlerisch etwas auslebt. Die Eva kann ja nichts so richtig gut. Es wäre schön, wenn sie etwas für sich findet, was sie wirklich mag. Und auch dass sie ihre Sexualität zurückgewinnt. Das ist ja unter Fassbender und der Prostitution ein bisschen flöten gegangen. (lacht)