Ein Leben für die Krone: Die 4. Staffel "The Crown"

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In Staffel vier der Royal-Saga „The Crown“ kommt es zum Duell der eisernen Ladys.

Der royale Ausstieg von Prinz Harry und seiner Meghan, Pädophilie-Vorwürfe gegen Prinz Andrew, ein Premier mit Covid-19 und das Land obendrein im Brexit-Chaos. Das Jahr 2020 hat bewiesen, dass man eine Serie über das englische Königshaus nahezu unendlich fortsetzen könnte. Und so hat auch Netflix erkannt, dass es verfrüht war, Peter Morgans „The Crown“ nach der fünften Staffel beenden zu wollen: Im Juli wurde eine der teuersten Serien-Produktionen aller Zeiten doch noch um eine sechste Staffel verlängert. Aber das ist Zukunftsmusik, zuerst dürfen Olivia Colman und Tobias Menzies ein weiteres Mal als britisches Königspaar ran.

Und wohl kaum eine Staffel wurde heißer erwartet als die vierte. Denn darin heiratet nicht nur Diana Spencer (Emma Corrin) den Thronfolger Prinz Charles (Josh O’Connor) und wird zur Königin der Herzen. „Akte X“- Star Gillian Anderson hat darüber hinaus ihren großen Auftritt als Margaret Thatcher.

Trailer: "The Crown" 4

Die Regierungszeit der Eisernen Lady von 1979 bis 1990 bildet den erzählerischen Rahmen dieser vierten Staffel. Denn die Serie mag ein intimes Porträt der Königsfamilie mit ihren Skandalen und persönlichen Streitereien sein, ihre Erzählstruktur aber wird von der britischen Politik bestimmt. So war die erste Staffel ganz auf die Amtszeit von Winston Churchill zugeschnitten, der ein besonders enges, fast schon mentorenhaftes Verhältnis zur jungen Queen Elizabeth II. pflegte.

Staffel zwei konzentrierte sich – nach einem kurzen Intermezzo des unglücklich agierenden Premiers Anthony Eden – auf die von Regierungschef Harold Macmillan angestoßene Dekolonialisierung mehrerer britischer Territorien. Und in der dritten Staffel musste sich die Königin zum ersten Mal mit einem Ministerpräsidenten der Labour-Partei auseinandersetzen, der sich für die Abschaffung der Monarchie starkmachte. Am Ende eroberte sie aber auch die Gunst von Harold Wilson. Doch nun kommt Margaret Thatcher.

Alphafrauen unter sich

Dass Elizabeth es zum ersten Mal mit einem weiblichen Regierungschef zu tun bekommt, bringt noch einmal eine neue Dynamik in die Serie. Zumal bekannt ist, dass die beiden Alphatiere sich aneinander aufgerieben haben. Thatcher war kein Fan der Monarchie, Elizabeth spürte eine ähnliche Animosität gegen die Politikerin. „Sie bleibt zu lange und sie redet zu viel. Sie hat zu lange unter Männern gelebt“, soll sie laut dem königlichen Biografen Kenneth Rose über Thatcher gesagt haben. Mit großartigen Schauspielerinnen wie Oscar-Gewinnerin Colman und eben Gillian Anderson dürften die wöchentlichen Audienzen im Buckingham Palace besonders prickelnd werden.

Auch die geschichtlichen Entwicklungen in den 1980er-Jahren bieten viel Stoff für hochdramatische Serienunterhaltung. So sah die Thatcher-Ära eine Geiselnahme in der iranischen Botschaft in London, den von blutigen Rückschlägen geprägten Friedensprozess in Nordirland, die Angst vor einem wiedervereinigten Deutschland und vor allem den Falklandkrieg. Die Auseinandersetzung mit Argentinien um die entlegene Inselgruppe war einer der seltenen Momente, in denen Elizabeth II. ihre sorgsam gepflegte politische Neutralität aufgab. Bei einem Dinner mit US-Präsident Reagan erklärte die Queen: „Dieser Konflikt wurde uns durch pure Aggression aufgedrängt. Wieder einmal müssen wir für die Freiheit kämpfen.“ Fakten wie diese sind historisch belegt.

Was „The Crown“ jedoch auszeichnet, ist, dass die Serie hinter die Kulissen blickt und die Gedankengänge und Diskussionen zeigt, die zu den monumentalen Entscheidungen der jeweiligen Epoche geführt haben. Und deshalb ist die Saga auch immer dann am stärksten, wenn sie die menschliche Seite der Königin von England zeigt.

Menschen mit Makeln

Einen solchen besonders starken Moment gab es in der dritten Staffel: Episode drei zeigte die Katastrophe von Aberfan, bei der ein walisisches Bergarbeiterdorf von einem Haldenrutsch begraben wurde. Dabei starben allein 116 Kinder. Ihren zu späten Besuch der Unglücksstätte bezeichnet Elizabeth II. bis heute als das größtes Versäumnis ihrer Regentschaft.

Ein ähnlich tragisches Ereignis dürfte im Mittelpunkt der für 2021 geplanten fünften Staffel stehen, in die der Amoklauf von Dunblane fällt. 1996 tötete ein Mann dort 16 Erstklässler sowie eine Lehrerin. Als es daraufhin Forderungen nach schärferen Waffengesetzen gab, blaffte Prinz Philip: „Würden Sie auch Cricketschläger verbieten, wenn jemand damit Schüler erschlägt?“ Auf das Echo, das er dafür von seiner Ehefrau bekommt, darf man sich bereits jetzt freuen. Ebenso wie auf die frostige Beziehung von Elizabeth und Diana sowie die ersten Auftritte von William und Harry, deren Geburt in Staffel vier fällt. Mit den Royals wird es ganz einfach nie langweilig.