Jana McKinnon: "Ich bin die neue Christiane F."

Unberechenbar, wenn sie nicht „drauf“ ist: Christiane (Jana McKinnon) entgleist immer öfter
Unberechenbar, wenn sie nicht „drauf“ ist: Christiane (Jana McKinnon) entgleist immer öfter
Foto: © 2020 Constantin Television GmbH / Amazon Studios / Soap Images
Exklusiv: Jana McKinnon über die Amazon Original Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (ab 19. Februar), extreme Szenen beim Dreh – und die Nebenwirkungen.

Sie spritzt Heroin, prostituiert sich auf dem Straßenstrich, macht mehrere Entzüge und wird doch immer wieder rückfällig: Jana McKinnon (22) spielt im Amazon Prime Original "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" Deutschlands bekanntesten Junkie – Christiane F.

GOLDENE KAMERA traf den Jungstar zum Interview über den Reiz der Rolle, Ekel vor Spritzen und ihre Albträume.

Jana McKinnon im Interview

Welche Frage hätten Sie Christiane F. gern gestellt, wenn Sie die Möglichkeit gehabt hätten?

Ich hätte so viele Fragen, aber ich würde sie als Erstes fragen, wie es ihr geht, sie ist ja im Grunde ein normaler Mensch. Wir sollten sie nicht als Ikone sehen, sondern Empathie gegenüber ihrer Geschichte empfinden.

Was ist der schauspielerische Reiz an dieser Rolle?

Sich in das Thema Drogensucht hineinzuarbeiten und herauszufinden, was das mit einem macht und was es für einen Abhängigen bedeutet.

Welche Szenen waren für Sie besonders herausfordernd?

Es gibt eine Szene, in der ich eine Überdosis nehme. Das zu spielen war für mich eine Herausforderung, weil ich in der Realität noch nie gesehen habe, wie jemand dabei reagiert, und weil man selber auch nicht weiß, wie man in dem Fall aussehen würde. Sich genau in dieses Körpergefühl hineinzuversetzen war für mich eine große Herausforderung.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Vor dem Drehbeginn hatte ich Angst und Ekel vor Spritzen, aber für die Serie musste ich den Umgang damit lernen. Deshalb hat uns ein Ex-Abhängiger mit einer Kochsalzlösung demonstriert, wie man drückt. Außerdem habe ich viel recherchiert und mir Dokus und Videos von Leuten, die „drauf“ sind, angeschaut. Das fand ich alles spannend, weil es keinen Höhenflug ohne einen Entzug, den sogenannten „Rock Bottom“, geben kann – und weil der Rausch und der anschließende Absturz einander bedingen.

Das klingt nach einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema.

Absolut, sie war sogar so intensiv, dass ich nachts davon geträumt habe. In meinem Traum habe ich in meinem ganzen Körper einen Heroinrausch gespürt, ich wurde regelrecht von dem Gefühl überflutet. Anschließend durchlebte ich in demselben Traum einen Entzug und habe die Schmerzen wirklich gespürt. Beim Schauspielen konnte ich oft auf dieses Gefühl, das in meinem Körper gespeichert wurde, zurückgreifen.

Kannten Sie den Bestseller „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ schon vor der Vorbereitung auf die Rolle?

Ja, ich bin im Frühling 2019 nach Berlin gezogen und habe es innerhalb von zwei Tagen verschlungen. Anschließend habe ich mir sämtliche Orte angeschaut, an denen die Jugendlichen damals ihre Zeit verbrachten. Zwei Wochen später wurde ich dann zum Casting eingeladen. Das war wirklich ein verrückter Zufall.

In der Serie hat Christiane – wie alle in ihrer Clique – eine besondere „Kraft“: Sie fühlt sich unsterblich. Warum?

Ich finde, dass das gut passt, weil Christiane F. durch ihre Geschichte tatsächlich irgendwie unsterblich wurde.

Ist die Beziehung von Christiane und Benno eine Party- und Drogen-Liebe – oder eine romantische?

Für meine Christiane ist es auf jeden Fall eine echte und ganz große Liebe.

Das häufigste Accessoire Ihrer Serie sind Zigaretten. Wie viele haben Sie geraucht und waren das filmübliche Kräuterzigaretten?

Nein, echte, denn von Kräuterzigaretten bekommt man schnell Kopfschmerzen. Für die Serie habe ich für meine Verhältnisse tatsächlich unfassbar viel geraucht. Aber nach dem Dreh habe ich wieder damit aufgehört.

Welchen Denkanstoß gibt die Serie?

Dass Drogensüchtige trotz oder wegen ihrer Sucht die gleichen Bedürfnisse haben wie andere. Sie wollen genauso geliebt und als Menschen wahrgenommen werden.