"8 Zeugen": Auf der Suche nach der Wahrheit

Inspiriert von der wissenschaftlichen Arbeit der Psychologin Dr. Julia Shaw: In „8 Zeugen“ (ab Donnerstag, 25. März, TV Now) ist nichts, wie es scheint.

Jede Erinnerung ist falsch. Wir erleben etwas, und schon in den nächsten Sekunden beginnen sie sich zu verändern.“ Die Psychologin und gerichtliche Sachverständige Dr. Jasmin Braun (Alexandra Maria Lara) wendet stets den eisernen Grundsatz der Erinnerungsforschung an: Niemals Zeugen persönlich befragen. Das Ergebnis würde verfälscht. Als die kranke Tochter des Berliner Innensenators während eines Museumsbesuchs entführt wird, muss Braun mit der wichtigsten Regel brechen. Sie interviewt in einer einzigen Nacht in einem Museumsbüro acht Zeugen.

Trailer: "8 Zeugen"

Alexandra Maria Lara im Interview

„Das Konzept der Serie hat mich sofort gepackt“, erzählt Alexandra Maria Lara (GOLDENE KAMERA 2005). „Diejenige zu sein, die dieses Kammerspiel im Dialog mit acht Schauspielern führt“, sei der Auslöser für ihre sofortige Zusage gewesen. Als die Bücher kamen, war Lara begeistert: „Allein die Erklärungen über Erinnerung und die damit verbundenen Fähigkeiten und Leistungen unseres Gehirns sind extrem spannend.“

Hintergrund

Die Skripte von Autor und Regisseur Jörg Lühdorff („Ein starkes Team“) entstanden in Zusammenarbeit mit Dr. Julia Shaw. Die Wissenschaftlerin, die 2016 den Bestseller „Das trügerische Gedächtnis“ veröffentlichte, fungierte als Beraterin. „Die Frage ist nicht, ob eine Erinnerung falsch ist, sondern wie falsch sie ist“, meint Shaw.

Sie forscht am University College London im Bereich Rechtspsychologie, Erinnerung und künstliche Intelligenz. „Selbst die kostbarsten Erinnerungen aus unserer Kindheit“, schreibt die Deutschkanadierin in ihrem Buch, „lassen sich formen und umformen wie eine Kugel aus Lehm.“ Ein Zurück zum Ursprung einer Erinnerung gibt es nicht. Das hängt mit der Struktur des Gehirns zusammen. Es speichert eine Erinnerung nicht in Gänze, sondern legt sie zergliedert „an unterschiedlichen Orten“ ab. So bewahrten etwa die Nervenzellen im visuellen Teil der Großhirnrinde, was wir gesehen, im Hörzentrum, was wir gehört und „im somatosensorischen Cortex behalten sie alles, was wir auf der dem Tastsinn betreffenden Ebene empfunden haben“.

Verbindungen zwischen diesen weit voneinander entfernten und zigfach überschriebenen Neuronen herzustellen sei im Grunde eine unlösbare Aufgabe. Also wird getrickst: Das autobiografische Gedächtnis, ein Langzeitspeicher voller Erinnerungen an unser früheres Leben, füllt entstehende Lücken mit Material auf, das sinnvoll wirkt. Details werden hinzugedichtet. Wie fiktiv sind Erinnerungen?

„Ich muss zugeben“, sagt Shaw, „es bleibt immer ein Rest von Zweifel, ob überhaupt eine Erinnerung richtig ist.“ Unsere Vergangenheit sei „eine fiktionale Repräsentation“. Das Einzige, dessen wir uns sicher sein könnten, „ist das, was in der Gegenwart geschieht“.

Fiktive Erinnerung

In einer der acht Episoden von „8 Zeugen“ kommt eine besonders beeindruckende Studie von Shaw zum Tragen. Darin geht es um Erinnerungsverfälschung. Demnach sei es möglich, gewisse Menschen davon zu überzeugen, in ihrem Buch, „lassen sich formen und umformen wie eine Kugel aus Lehm.“

Ein Zurück zum Ursprung einer Erinnerung gibt es nicht. Das hängt mit der Struktur des Gehirns zusammen. Es speichert eine Erinnerung nicht in Gänze, sondern legt sie zergliedert „an unterschiedlichen Orten“ ab. So bewahrten etwa die Nervenzellen im visuellen Teil der Großhirnrinde, was wir gesehen, im Hörzentrum, was wir gehört und „im somatosensorischen Cortex behalten sie alles, was wir auf der dem Tastsinn betreffenden Ebene empfunden haben“. Verbindungen zwischen diesen weit voneinander entfernten und zigfach überschriebenen Neuronen herzustellen sei im Grunde eine unlösbare Aufgabe.

Also wird getrickst: Das autobiografische Gedächtnis, ein Langzeitspeicher voller Erinnerungen an unser früheres Leben, füllt entstehende Lücken mit Material auf, das sinnvoll wirkt. Details werden hinzugedichtet. Wie fiktiv sind Erinnerungen? „Ich muss zugeben“, sagt Shaw, „es bleibt immer ein Rest von Zweifel, ob überhaupt eine Erinnerung richtig ist.“ Unsere Vergangenheit sei „eine fiktionale Repräsentation“. Das Einzige, dessen wir uns sicher sein könnten, „ist das, was in der Gegenwart geschieht“. In einer der acht Episoden von „8 Zeugen“ kommt eine besonders beeindruckende Studie von Shaw zum Tragen. Darin geht es um Erinnerungsverfälschung. Demnach sei es möglich, gewisse Menschen davon zu überzeugen, ein Verbrechen begangen zu haben.

Shaw wollte der Welt beweisen, wie leicht unser Gedächtnis zu manipulieren ist, und dass es nicht nur die Details sind, die uns trügen. Dazu wandte sie Verhörtechniken an, die nicht einmal der Polizei erlaubt sind. „Als Erstes habe ich wichtige Personen im Leben meiner Probanden kontaktiert, um Insiderwissen über reale Ereignisse zu sammeln“, erklärt Shaw. Diesen echten Erinnerungen habe sie dann „mittels Suggestivfragen“ falsche Erinnerungen untergemischt. „Ich log, dass ich genau wüsste, was passiert ist. Ich übte sozialen Druck aus, indem ich sie aufforderte, sich ein bisschen mehr Mühe zu geben. Am Schluss erteilte ich ihnen die Aufgabe, sich den Vorfall zu Hause genau vorzustellen und so viele Bruchstücke wie möglich zu visualisieren.“ Danach erntete Shaw die „voll ausgebildeten falschen Erinnerungen“. Es kam ihr selber vor wie „Gedächtniszauberei“.