GOKA-Kandidat: "Das Leben danach"

Kaputt und traumatisiert – Jella Haase leidet im ARD-Film unter den Folgen der Loveparade-Katastrophe.

Diese Tragödie ist kein leichter Erzählstoff. Vor sieben Jahren starben auf der Loveparade in Duisburg 21 Menschen. Im Gedränge gab es über 500 Schwerverletzte und die Überlebenden sind bis heute zum Teil massiv traumatisiert. Der GOKA-Kandidat "Das Leben danach" (27. September, 20.15 Uhr, Im Ersten) baut um die reale Handlung einen fiktive Geschichte, die es in sich hat.

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Trailer "Das Leben danach"

Darum geht´s in "Das Leben danach"

Kurz vor dem Abi will Antonia (Jella Haase) noch mal richtig feiern. Doch dann ist sie gefangen im Tunnel der Loveparade und wird fast zerquetscht. Auch sieben Jahre nach dieser Katastrophe bekommt Antonia ihr Leben nicht wieder in die gewohnte Bahn. Sie ist schwer traumatisiert, völlig destruktiv und wie sie selber sagt: "kaputt". Antonia weiß nicht wohin mit ihrer Wut und ihren Schuldgefühlen gegenüber den Toten. In einem Anfall zerstört sie sogar die Gedenkstätte der Opfer.

Ihr Vater Thomas (Martin Brambach), ihre Stiefmutter Kati (Christina Große) und ihre beste Freundin Betty (Anna Drexler) sind mit Antonias Verhalten überfordert. Der einzige Lichtblick: Taxifahrer Sascha (Carlo Ljubek). Er behauptet auch Opfer des Loveparade-Unglücks zu sein. Aufopfernd steht er Antonia zur Seite. Doch dann erkennt Antonia, dass er sie belogen hat. Das löst in ihr eine neue Gefühlswelle voller Schmerz und Hass aus. Als sie auf Saschas Sohn Jasper (Jeremias Meyer) trifft, lässt sie ihrer zerstörerischen Wut freien Lauf.

Jella Haase als Antonia

Jella Haase (24) kann jedes Gesicht spielen: Von der "Fack ju Göhte"-Tussi Chantal, als Prostituierte im "Tatort" bis hin zur Geistigkranken in "4 Könige" und "Loopin". Als gestörter Teen in ihrem ersten Kinofilm „Lollipop Monster“ gewann sie 2011 den Bayerischen Filmpreis als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Auch in "Das Leben danach" leidet sie unter einer psychischen Krankheit – alles andere als eine einfache Rolle: „Da habe ich so viel geweint, dass ich irgendwann am Ende war,“ erklärt sie im Interview mit der GOLDENEN KAMERA. Dennoch versteht sie es die Zerrissenheit und den Vernichtungstrieb der Antonia mit Bravour darzustellen. Sie verkörpert den Schmerz so glaubwürdig, dass man als Zuschauer einfach mitleiden muss.

Carlo Ljubek als Sascha

Egal, ob als brutaler Killer im Til Schweiger-"Tatort" oder als Verbrecher im RTL-"Winnetou"-Remake, Carlo Ljubek (41) glänzt oft als Fiesling. Aber in "Das Leben danach" zeigt er sich von seiner sanfte Seite, etwa als er Antonia aus einer aufkeimenden Panikattacke heraus hilft.

Bereits im Film "Atempause" war Ljubek nach einem Schicksalsschlag auf der Suche nach Erlösung. Auch in "Das Leben danach" versteht Ljubek es wieder, Schuld und die Suche nach Rettung so zu spielen, dass es nicht gefühlsduselig wirkt. Als starker Gegenpart zu Jella Haase harmonieren die beiden Rollen so glaubwürdig, dass Teile des Filmes definitiv keine leichte Kost sind.