Thomas Hermanns: "Humorlose Deutsche? Der Drops ist gelutscht!"

"Quatsch Comedy Club": Die Mutter der deutschen Comedy wird 25 und kommt zurück ins TV!

Der "Quatsch Comedy Club" war die Karrierestartrampe für fast alle, die in der deutschen Comedy-Szene Rang und Namen haben – von unserem Jury-Mitglied Michael Mittermeier und Dieter Nuhr bis zu Cindy aus Marzahn oder Olaf Schubert. Jetzt wird "Quatsch" 25 Jahre und feiert mit neuen Folgen bei Sky 1 (ab 16. November, 20.15 Uhr).

Wir trafen "QCC"-Erfinder Thomas Hermanns zum Interview und sprachen mit ihm über Tabus, Talente und deutschen Humor.

Interview mit Thomas Hermanns

Glückwunsch zu 25 Jahren "Quatsch Comedy Club"! Stimmt es, dass diese Art der Show – mehrere Comedians treten an einem Abend auf – zuvor in Deutschland unbekannt war?

Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen: Aber als wir das 1992 in Hamburg auf die Bühne brachten, war diese "Ein Mann/eine Frau und ein Mikro"-Situation völlig neu. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Zuschauer es lieben werden, wenn ihnen verschiedene Humorstile präsentiert werden.

War es eine Eingebung oder ein Prozess, die Idee nach Deutschland zu bringen?

Ich hatte zwei Jahre in New York gelebt und als Erster Karaoke importiert, das gab es 1989 noch nicht in Deutschland. Danach dachte ich: Was gibt es noch in New York und nicht bei uns? Und das war eben die Stand-up-Comedy.

Wie kam es jetzt zum Comeback bei Sky?

Wir sind bei Premiere auf die Fernsehwelt gekommen, hatten wunderbare Jahre bei ProSieben und sind dort erwachsen geworden. Jetzt freuen wir uns, wieder "nach Hause" zu kommen. Deshalb heißt diese Staffel ja auch "Quatsch is coming home!".

Hat die Comedy Ihrer Meinung nach mittlerweile das Kabarett abgelöst?

Anfangs gab es eine klare Trennung: Der Kabarettist macht Witze über Autoritäten, und der Comedian macht Witze übers Leben. Das hat sich schnell gemischt. Heute ist alles nebeneinander und durcheinander und befruchtet sich gegenseitig.

Gibt es eigentlich noch Tabus?

Comedy muss vor nichts zurückscheuen, darf über alles Gags machen, auch über Terroranschläge und Beerdigungen. Die müssen dann aber sehr, sehr gut sein: Je größer das Tabu, desto besser muss der Gag sein.

Wie hat sich die Zahl der Bewerbungen bei "Quatsch" entwickelt?

Die steigt und steigt. Dieser Zweig der Unterhaltungsindustrie ist ja irrsinnig gewachsen und wächst weiter. Als der erste 16-Jährige bei uns auf der Bühne stand, wurde mir klar: Der war gezeugt worden, als wir schon auf Sendung waren! Der könnte aufs Arbeitsamt gehen und sich als Stand-up-Comedian vermitteln lassen. Der Beamte weiß, was das ist – ein normaler, attraktiver Job.

Sichten Sie alle Bewerbungen selbst?

Das könnte ich nicht schaffen, dafür haben wir eine künstlerische Leitung. Und wir haben in Berlin das Format der Talentschmiede. Da können Leute, die ganz am Anfang sind, einfach auf die Bühne raufgehen und sich dem Publikum stellen. Dann müssen sie dreimal gewinnen – und wenn sie das Jahresfinale gewonnen haben, gehen sie in die reguläre Show. Cindy aus Marzahn hat beispielsweise 2004 in der Talentschmiede angefangen und dann eine Karriere hingelegt, die innerhalb von zwei Jahren vom Boden zu den Sternen ging.

Liegen Sie mit Ihrer Einschätzung, wer Talent hat und wer nicht, immer richtig?

Ich kann gut einschätzen, wer live abliefert. Ich sehe die Qualität der Nummer und auch, wie derjenige sie präsentiert. Aber wer medial Karriere macht, das lässt sich nicht vorhersagen. Es gibt sehr, sehr gute Comedians, die aus irgendeinem Grund keine Fernsehkarriere gemacht haben. Obwohl sie nicht schlechter sind als diejenigen, die man aus den großen TV-Shows kennt.

Hat sich nach 25 Jahren Comedy das Image der Deutschen in Sachen Humor im Ausland verbessert?

Ja, das ist viel besser geworden! Pioniere wie Michael Mittermeier, der in Amerika auf Englisch spielt, haben das Klischee des unlustigen Deutschen gebrochen. Oder Christian Schulte-Loh, ein Deutscher, der in England lebt und auf Englisch spielt. Es gibt noch eine Handvoll mehr. Umgekehrt gehen auch internationale Comedians auf den deutschen Markt zu. Die internationale Comedy-Kultur wächst immer mehr zusammen. Humorlose Deutsche? Der Drops ist gelutscht!

Versuchen Fremde häufig, Ihnen gegenüber zwanghaft witzig zu sein?

Eher nicht, die meisten Menschen sind bei Profi-Comedians lieber vorsichtig, selber witzig zu sein. Mir erzählt höchstens mal ein Taxifahrer einen Witz.

Sie haben für 2018 eine Kinokomödie angekündigt – wie konkret sind die Pläne?

Die Komödie ist noch in Arbeit. Das wird eine Verfilmung von meinem Buch "Das Tomatensaft-Mysterium", in dem ich mich über das Fliegen ausgetobt habe. Ob es wirklich 2018 wird, das ist im Filmgeschäft immer so eine Sache. Noch steht niemand in der Maske. Aber wir sind dran.

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