"Das Nebelhaus": Felicitas Woll gefangen in einem Albtraum

Sie kann auch Horror! Schauspielerin Felicitas Woll über ihr neues Mysterydrama "Das Nebelhaus", Quoten-Glück und die Lust am Spielen.

Eine Verdächtige mit Gedächtnislücken, die im Sterben liegt, ein Dreifachmord in einer gruseligen Villa und eine mutige Journalistin, die den Fall neu aufrollt: Das sind die Zutaten des Mysterydramas "Das Nebelhaus" (28. November, 20.15 Uhr, Sat.1). Wir sprachen mit Hauptdarstellerin Felicitas Woll (37) über ihre ungewöhnliche Rolle.

Interview mit Felicitas Woll

Ein Horror-Mordhaus, drei tote Schuss-Opfer und eine vermeintliche Täterin mit einem Blackout – das sind die Zutaten von "Das Nebelhaus". Worum geht's in diesem Thriller?

Eine Gruppe ehemaliger Studenten feiert ihr Wiedersehen in einer unheimlichen Villa namens "Nebelhaus" – auf einer Insel. Doch statt eines schönen Wochenendes ereignen sich plötzlich drei Morde. Niemand weiß, was geschehen ist. Außerdem liegt die Tatverdächtige im Koma. Daraufhin ermittle ich alias Doro Kagel, was passiert ist.

Was ist der Reiz an dieser Rolle?

Zwei Dinge. Zum einen wurde die Tatverdächtige früher von Doro gemobbt. Mir gefällt an der Geschichte, dass sie nicht nur eine ehrgeizige Journalistin ist, sondern ihre Fehler aus der Vergangenheit wieder gut machen möchte. Des Weiteren mag ich, dass der Film ein Mysterydrama ist, bei dem es um ein persönliches Schicksal geht.

Wie war der Dreh?

Matschig und nass (lacht). Wir haben im März gedreht und es hat pausenlos gestürmt, das passte sehr gut zur Geschichte. Ich selbst wollte mich dabei nicht die ganze Zeit in warme Mäntel einpacken lassen oder ständig unter einem Regenschirm stehen, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Figur sonst zu sehr beschützt wird. Denn beim Spielen möchte ich meine Figuren spüren. Durch das Wetter hat sich die mysteriöse Grundstimmung mit dem Nebelhaus und der unheimlichen Szenerie letztlich automatisch entwickelt.

Denkbar, dass Doro zur Hauptfigur in einer neuen Reihe wird?

Reihen sind immer toll für einen Schauspieler, weil man eine Figur dann weiterentwickeln kann. Jetzt müssen wir aber erst einmal schauen, wie "Das Nebelhaus" bei den Zuschauern ankommt.

Warum wohl erlebt die deutsche Serie gerade ein Comeback?

Weil sich die Filmemacher mehr trauen, und das ist längst überfällig. Ich bin auch ein Freund davon, neue Dinge auszuprobieren statt ständig auf Altbewährtes zu setzen. Aber wir können hier noch viel besser werden. Ausländische Serien trauen sich da deutlich mehr.

Welche Serien mögen Sie?

Ich mag es, wenn Geschichten auf mehreren Handlungsebenen erzählt werden und auch etwas Humor dabei ist. Außerdem gefallen mir historische Serien wie "Vikings", bei denen man als Zuschauer in andere Zeiten eintauchen kann.

Kaum jemand weiß, dass Sie als 19-Jährige 20 Folgen der chinesischen Telenovela "True Love Is Invisible – Magic Love" gedreht haben. Wie kam es dazu – und wen haben Sie gespielt?

Die Figur war eine junge Kunststudentin, die sich in einen chinesischen Studenten verliebte. Dann jedoch bereiteten dem Paar die chinesische Mafia und eine andere Frau Probleme – und meine Figur zog zurück nach Deutschland, woraufhin der chinesische Student total traurig war. "True Love" war eine Telenovela, und ich bin damals als totaler Neuling in diese Geschichte hineingesprungen. Es kam mir total absurd vor, dass die Chinesen überhaupt auf mich gestoßen waren – denn schließlich war ich erst zwei Jahre im Filmgeschäft und noch relativ unbekannt. Doch die chinesische Einschaltquote war mit 300 Millionen superhoch. Diese Zahl habe ich überhaupt nicht in meinen Kopf bekommen, weil sie so abstrakt war. Sobald wir in China auf der Straße drehten, bildete sich immer ganz schnell eine Menschentraube, die meine Haare und meine Nase anfassten, weil sie mich wunderschön fanden. Das war wirklich unglaublich. Heute kommt es mir wie ein Traum vor.

Apropos Traum: Wie viele traumhafte Drehbücher landen auf Ihrem Tisch? Wie ist es um die Drehbuchqualität in Deutschland bestellt?

Es ist selten, dass ein Buch so gut ist, dass man überhaupt nicht mehr daran arbeiten muss. Aber natürlich gibt es gute Drehbücher. Bei Komödien ist das oftmals schwieriger, da müssen die Gags schon richtig gut sein.

Hätten Sie Lust, selbst mal ein Drehbuch zu schreiben und gibt es Stoffe, die Ihnen unter den Nägeln brennen?

Ja, auf jeden Fall. Ich würde gerne Kinderfilme schreiben, weil ich finde, dass es für Kinder kaum noch schöne, intelligente Geschichten gibt. In den meisten Kinderfilmen wird pausenlos geschrien und gekreischt, und sie sind viel zu grell und zu farbig. Außerdem liebe ich tragische Liebesgeschichten.

Ihre Meinung zur Einschaltquote?

Für mich ist wichtig, dass der Film gut ist – und das kann er auch sein, wenn "nur" eine Million Menschen zugeschaut haben.

Ihre Meinung über Fernsehfilme: Sind sie experimentell genug oder gibt es zu viel vom immer Gleichen im deutschen TV zu sehen?

Die Fernsehlandschaft ist auf einem guten Weg, sie verändert sich zum Positiven. Aber wir können noch viel mehr, denn wir sind Dichter und Denker und haben als Fernsehmacher eine Verantwortung für die Zuschauer.

Welche Filmgenres mögen Sie besonders gern – und warum?

Ich bin "genrefrei" und ich liebe es, total in eine Figur reinzugehen, die mich auch nach Drehschluss nicht loslässt. Für mich ist die Komödie immer die Königsklasse. Damit habe ich angefangen und ich würde auch unglaublich gerne wieder eine gute Komödie drehen. Aber ich mag auch die Dramen, und ich merke, dass ich dramatische Figuren immer besser mit Leben füllen kann …

Schauspieler haben aktuell immer mehr Möglichkeiten – weil es immer mehr digitale Sender gibt. Richtig?

Ja. Deshalb befürworte ich auch, wenn junge Leute Schauspieler werden möchten. Wer für diesen Job brennt, soll sich nicht aufhalten lassen. Aber natürlich muss man auch davon leben können – und das ist für viele nicht immer ganz einfach. Für mich ist es der schönste Beruf. Ich kann mir nichts Anderes vorstellen. Meine Seele lebt voll und ganz für die Schauspielerei.

Hatten Sie Angst vor dem Älterwerden?

Es ist wichtig, dass wir uns nicht an Zahlen und am Alter festklammern, denn das Leben geht viel zu schnell vorbei. Je älter man wird, desto mehr merkt man, wie schnell die Zeit rast. Doch wenn man sich von den bloßen Zahlen löst, kann man das Leben und den aktuellen Moment richtig genießen. Meine Großtante ist 86 – und sie hat mir mal gesagt: "Auch mit 80 hat man noch das Gefühl, dass man sich jeden Moment Hals über Kopf verlieben könnte – genau wie mit 16." Diese Vorstellung ist wunderschön.

Bald gibt es wieder neue Fälle vom "Taunuskrimi". Bleiben Sie der Reihe erhalten?

Ich stehe gerne für den "Taunuskrimi" vor der Kamera. Ob es weiter geht, hängt auch davon ab, ob neue Romanvorlagen kommen. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

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