GOKA-Kandidat: "Brüder" mit Edin Hasanovic

Im zweiteiligen TV-Drama "Brüder" spielt Edin Hasanovic einen deutschen Studenten, der sich von einem salafistischen Prediger für den Islam begeistern lässt.

Warum wird jemand zum Extremisten? Wie kommt es, dass Menschen sich radikalisieren? Fragen, denen sich sich noch kein Film so radikal angenommen hat, wie der Zweiteiler "Brüder" von Züli Aladag ("Mitten in Deutschland - NSU: Die Opfer"), der sich ins Innenleben des Islamischen Staates vorwagt.

Darum geht's in "Brüder"

Student Jan Welke (GOLDENE KAMERA Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic, hier im Interview), gequält von dem Gefühl innerer Leere, lernt den bosnischen Salafisten Hasanovic (Tamer Yigit) kennen – und ist fasziniert von dessen unkomplizierter Art, Antwort auf ihm wesentliche Fragen zu liefern. Bei den Glaubensbrüdern findet Jan Gemeinschaft. Er befasst sich mit den Predigten Hasanovics – und konvertiert schließlich.

Als die Schwester seines Mitbewohners Tariq (Erol Afsin) in Stuttgart eintrifft, traumatisiert vom Krieg in Aleppo und den Erlebnissen auf der Flucht, will Jan sich für sie einsetzen und identifiziert sich mit dem Kampf gegen Assad. Er überredet Tariq, sich von Prediger Hasanovic helfen zu lassen. Beide reisen gemeinsam nach Syrien, um den Rest von Tariqs Familie aus Syrien nach Deutschland zu holen.

Doch an an einem Grenzposten des IS wird Jan vor Tariqs Augen zum Schein entführt und zu einem Ausbildungslager der Terrororganisation gebracht. Dort lernt er zu töten - und jene zu hassen, die nicht denken wie er und seine vermeintlichen Brüder. Gemeinsam mit seinen Glaubensbrüdern zieht er in den Kampf und erlebt dabei die Grausamkeiten der radikalen Islamisten. Allah ist allmächtig – das ist das Mantra der Gotteskrieger. Nach dieser Hirnwäsche soll er zurück nach Deutschland, als Attentäter.

Tariq findet derweil seine Eltern und schleust sie aus dem Bürgerkriegsland hinaus. Er glaubt weiterhin, dass Jan gekidnappt wurde. Doch dann trifft er in Deutschland auf Jan. Das Wiedersehen mit seinem WG-Kumpel Tariq und dessen Familie lässt leise Zweifel in ihm aufkeimen...

"Brüder" im Stream

Wer "Beüder im TV verpasst hat, kann beide Teile bis zum 22. Dezember 2017 in der ARD-Mediathek streamen:

Hier gibt es den 1. Teil "Brüder" in der ARD-Mediathek.

Hier gibt es den 2. Teil "Brüder" in der ARD-Mediathek.

Hintergrund

Züli Aladag führte Regie und Kristin Derfler schrieb das Drehbuch für den Fernsehfilm, der im zweiten Teil einen ungewöhnlichen Einblick in das Leben der jungen Männer in einem Ausbildungslager des IS gibt. Im Anschluss folgt die Dokumentation "Sebastian wird Salafist" (23.45 Uhr, Das Erste). Darin zeichnet der Dokumentarfilmer Ghafoor Zamani nach, wie sich ein junger Deutscher zum Salafisten entwickelt – und wieder zurück. Zamani beobachtet dabei, wie sich ein ganz "normaler" junger Mann dem Islam verschreibt, was ihn dazu bewegt, sich zu radikalisieren und was ihn im letzten Moment davon abhält, sich salafistischen Kämpfern anzuschließen.

GOKA-Wertung

Regisseur Züli Aladag ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das die Mechanismen der Islamisten entlarvt, ohne in Klischees zu verfallen.

Muss ich sehen, weil...

... "Brüder" eindrucksvoll religiöse Extreme demaskiert.

Für Fans von...

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(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

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