Zombies gegen Wutbürger: "Tatort: Böser Boden"

In ihrem ersten gemeinsamen Fall erleben die Kommissare Falke und Grosz, wie Umweltzerstörung in der niedersächsischen Provinz horrende Auswirkungen nach sich zieht. Wir trafen Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz zum investigativen Gespräch.

Der achte Fall des Hamburger "Tatort"-Kommissars Thorsten Falke ist zugleich die erste gemeinsame Ermittlung mit seiner neuen und emotional recht unnahbaren Kollegin Julia Grosz. Die GOLDENE KAMERA traf die beiden Spürnasen-Darsteller zum Interview und sprach mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz über Spannungen innerhalb ihres Teams, ein Reinheitsgebot für das "Tatort"-Krimiformat ohne "privates Gedöns" und die gesellschaftskritische Komponente von "Tatort: Böser Boden" (26. November, 20.15 Uhr in Das Erste)...

"Tatort"-Talk mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz

Darum geht's im "Tatort: Böser Boden"

Jobwunder oder Dreckschleuder? Die örtliche Frackinganlage spaltet ein niedersächsisches Dorf und hat nun einen Toten gefordert. Das aus dem Iran geflohene Opfer arbeitete als Fahrer für Norfrac und hatte sich unter den immer militanter auftretenden Ökoaktivisten des Ortes viele Feinde gemacht. Die aus Hamburg zur Unterstützung hinzugerufenen Bundespolizei-Kommissare Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) wundern sich über das seltsame, fast schon zombiehafte Verhalten der Leute. Und woher stammen die mysteriösen Hautausschläge?

Wer ist mit dabei?

Als Gegenspieler von Falke und Grosz fungieren Rainer Furch, der den Landwirt und fanatischen Anführer der Ökoaktivisten Jan Kielsperg verkörpert, und Lenja Schultze, die als dickköpfige Dorfpolizistin Kerstin Starke den Ermittlungen der Bundespolizei wiederholt in die Parade fährt. Außerdem gibt die Indie-Rock-Band AnnenMayKantereit in der Szene, in der Falke in einem Kiez-Club nach seinem abgehauenen Sohn sucht, ein musikalisches Gastspiel.

Was ist das Besondere an diesem "Tatort"?

Mit ihrem ungewöhnlichen Ökothriller outet sich die "Club der roten Bänder"-Regisseurin Sabine Bernardi als "Walking Dead"-Fan. Natürlich laufen hier keine Untoten herum, aber die Szenen zitieren geschickt die Machart der auf einer erfolgreichen Comic-Saga basierenden Kultserie und Grundmotive des klassischen Zombiefilms. Zur Stärkung des Social-Media-Auftritts und als weitere "Walking Dead"-Hommage wurde "Tatort: Böser Boden" außerdem in eine Video-Comic-Reihe übertragen.

GOKA-WERTUNG

So lobenswert es ist, das alte Flagschiff "Tatort" mit Genre-Zitaten aufzupolieren – im Fall von "Böser Boden" geht der Schuss halbwegs nach hinten los. Denn auch wenn das doppelbödige Gruselszenario atmosphärisch packend in Szene gesetzt wurde, sorgt die inhaltliche Kombination mit privaten Problemen des Kommissars, wutbürgerlicher Fracking-Angst und Flüchtlingsproblematik dafür, dass dieser "Zombie-Krimi" überladen erscheint. Zu viel des Guten ist halt auch zu viel.

Interview: Alexander Attimonelli