Alec Baldwin als Donald Trump: Die Rolle seines Lebens

Wie schlüpft man in die Haut des Präsidenten der USA? GOLDENE KAMERA traf Alec Baldwin, Hollywoodstar und Donald-Trump-Imitator.

Tolle Rollen hat Alec Baldwin schon viele gehabt. Noch vor Harrison Ford war er 1990 der allererste Jack Ryan im Actionthriller „Jagd auf Roter Oktober“. Für seine Rolle im Serienhit „30 Rock“ (2006–13) bekam Baldwin dreimal den Golden Globe als bester Darsteller. Und wer seinen furiosen Auftritt als cholerischer Vertriebsboss im Drama „Glengarry Glen Ross“ (1992) gesehen hat, wird ihn nicht mehr vergessen.

Dennoch – so populär wie aktuell war Baldwin in seiner über 30-jährigen Karriere noch nie. Grund ist seine Rolle als Donald Trump. In der US-Comedyshow „Saturday Night Live“ (kurz: „SNL“) imitiert der 59-Jährige regelmäßig den aktuellen US-Präsidenten. Und immer wieder sorgt seine grandiose Parodie für Schlagzeilen, Klicks und Gesprächsstoff. Der verdiente Lohn für Baldwin: Im September 2017 wurde er für die Rolle mit dem Emmy ausgezeichnet. Und jetzt lässt Baldwin als Trump sogar in einem Comedy-Buch das erste Jahr seiner Präsidentschaft humorvoll Revue passieren (s. rechts).

Wie der Sprung von einer Klippe

So witzig und leichtfüßig Baldwins Parodie wirkt, so schwierig waren die Anfänge. Das verrät ein gut gelaunter Alec Baldwin, als GOLDENE KAMERA ihn in Los Angeles zum Gespräch trifft. „Es klingt zwar dramatisch, aber Donald Trump zu spielen war für mich wie der Sprung von einer Klippe“, verrät der Star. „Natürlich habe ich mir Videoaufnahmen von ihm genau angeschaut. Aber ich bin kein professioneller Imitator, sondern Amateur – um jemanden zu imitieren, muss ich ihn eigentlich mögen. Künstler wie De Niro oder Pacino nachzuahmen fällt mir leicht, weil ich sie verehre. Aber bei Trump ist das nicht der Fall“, sagt Baldwin und lacht. „Ich wusste bis zur letzten Sekunde vor meinem ersten Auftritt bei ‚SNL‘ nicht, wie ich ihn spielen sollte. Aber dank der Perücke, den vorgestreckten Lippen und dem Verstellen der Stimme habe ich meine Version gefunden.“

Donald Trump (Alec Baldwin) telefoniert mit Australiens Premier Malcolm Turnbull

Baldwin ist bekennender Anhänger der Demokratischen Partei und war schon auf deren Parteiveranstaltungen aktiv; mit seiner politischen Meinung hält er selten hinter dem Berg. Doch gleichzeitig betont er: „Ich spiele Trump nicht, um zu protestieren, sondern um Menschen zu unterhalten.“ Dass seine Präsidenten-Imitation aus der Flut anderer heraus­ sticht, könnte an Baldwins Ansatz liegen: „Viele spielen ihn als dumm oder albern, aber meiner Meinung nach treffen diese Interpretationen nicht den Kern. Ich wollte ihn zeigen, wie er wirklich ist: fies und gehässig.

Nach der Wahl genauso verbittert wie vorher

Denn Trump ist jemand, der nie glücklich ist, selbst wenn er gewinnt. Das größte Rätsel für mich – und das sage ich jenseits jeglicher politischer Differenzen – ist, dass Trump sich seit seinem Wahltriumph kein bisschen verändert hat. Egal ob im Sport oder im Geschäftsleben, selbst nach dem härtesten Konkurrenzkampf schüttelt man sich die Hände oder geht ein ier zusammen trinken. Aber Trump ist nach der Wahl genauso verbittert wie vorher.“

Trump hat die Parodie gesehen und war – wen wundert’s? – wenig begeistert. Über sein Lieblingsmedium Twitter nannte er Baldwins Auftritte ein „widerwärtiges“ Porträt, das „nicht schlimmer werden könnte“. Und „SNL“ sei „unerträglich“ – höchste Zeit „diese langweilige und unlustige Show abzusetzen“. Die Zuschauer sehen das völlig anders: Die vergangene Staffel von „SNL“ war gemessen an den Quoten die erfolgreichste seit 23 Jahren – nicht zuletzt dank Alec Baldwin als Trump.

Eine orange Perücke ist das perfekte Verhütungsmittel!

Wie lange er diese Rolle noch ausfüllen wird, ist ungewiss. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Donald Trump noch sehr lange spielen werde. Irgendwann erreichen wir den Punkt, wo die politische Situation so ernst wird, dass man sie ganz einfach nicht mehr satirisch oder parodistisch darstellen kann.“

Ein bestimmtes Requisit wird er dann garantiert nicht vermissen. „Meine Frau und ich haben zuletzt drei Kinder in drei Jahren bekommen“, sagte Alec Baldwin bei seiner Emmy-Dankesrede. „Während der vergangenen „SNL“-Staffel haben wir keins bekommen. Ich frage mich, ob es da einen Zusammenhang gibt. An alle Männer da draußen: Eine orange Perücke ist das perfekte Verhütungsmittel!“