Haben Sie das Glück gefunden, Herr Lichter?

Horst Lichter auf seinem Motorrad in Norwegen.
Horst Lichter auf seinem Motorrad in Norwegen.
Foto: ZDF
Mit dem Motorrad fuhr Horst Lichter durchs glücklichste Land der Welt: Norwegen. Ein überraschend ernstes Interview.

Stets zu Späßen aufgelegt und das Herz am rechten Fleck, so kennt man ihn aus seiner Show "Bares für Rares". (Kandidat bei der GOLDENE KAMERA Publikumswahl "Bestes Dokutainment-Format"). Doch hinter der lustigen Fassade verbirgt Horst Lichter noch ein anderes Gesicht. Ernst und nachdenklich gibt uns der 55-jährige Rheinländer ein Exklusivinterview. Auch in der TV-Reportage über seinen Motorradtrip durch Norwegen, wo laut den Vereinten Nationen die glücklichsten Menschen der Welt leben, lässt er tief in seine Seele blicken. Jetzt zeigt das ZDF die Doku „Horst Lichter sucht das Glück“. (Mo, 25. Dezember, 19.15 Uhr, ZDF) Mit Jenke von Wilmsdorff düste Lichter rund 2000 Kilometer durch Norwegen.

GOLDENE KAMERA: Haben Sie das Glück gefunden?

HORST LICHTER: Für mich privat schon ganz lange.

Welches Glück erlebten Sie bei Ihrem Motorradtrip in Norwegen?

Zum einen Menschen, die viel relaxter und bewusster als wir leben, zum anderen eine Freundschaft, die dort entstanden ist. Ich bin mit Jenke von Wilmsdorff gereist, ohne ihn wirklich zu kennen. Wir haben gemeinsam so viel gelacht und geweint. Das waren unglaublich tolle Momente.

Wie wichtig sind Freunde fürs Glück?

Sehr wichtig. Man braucht einen Freund, der einen versteht, ohne dass man mitein- ander redet. Der weiß, was los ist, wenn er einen sieht, der einen in den Arm nimmt. Eine wahre Freundschaft fordert nie, gibt aber gern. Sie verlangt nicht nach Zeit und macht keine Vorwürfe.

Das Glück ist mit den Tüchtigen“ lautet ein Sprichwort. Passt es zu Ihnen?

Wenn ich überlege, wo ich herkomme, was ich gelernt habe, was ich heute alles machen darf, kann ich rückblickend sagen: Ich habe ein Riesenschwein gehabt. Aber ich bin auch sehr fleißig. Viele Menschen verbrauchen die meiste Energie zum Nörgeln. Über Politiker, Chefs, den Verkehr. Sie finden für alles Schuldige. Einer jungen Person erkläre ich gern: Du selbst hast es in der Hand, was aus deinem Leben wird.

"Das Wichtigste, um glücklich zu sein, ist sich selbst zu mögen"

Macht Erfolg allein immer glücklich?

Erfolg hat viele Blüten, die man vorher nicht sehen möchte: Neid, Selbstzweifel, Angst, dass es morgen aufhört. Entscheidend ist, dass das gesamte Umfeld stimmt.

Wie gelang Ihnen nach persönlichem und gesundheitlichem Leid die Wende?

Das, was mir passiert ist (Verlust eines Kindes, zwei Schlaganfälle, ein Herzinfarkt, zwei gescheiterte Ehen; Anm. der Red.), wünsche ich niemandem. Aber ich bin dankbar, dass ich durch diese Dinge heute so bin, wie ich bin. Und jetzt achte ich darauf, dass ich bei all meinem Erfolg nicht den Bezug zur Realität verliere. Gott sei Dank habe ich meine Frau, die „mein Anker“ und zugleich „der Wind in meinen Segeln“ ist.

Bedeutet mehr Geld automatisch auch mehr Glück?

Ich hatte mal sehr viele Schulden. Vor rund zwölf Jahren, als mein Lokal „Oldiethek“ in Betrieb war. Aber ich hatte deswegen keine schlaflosen Nächte, weil ich wusste: Wir schaffen das. Wir waren glücklich, hatten Spaß, haben uns wenig gegönnt. Aber das, was wir uns gegönnt haben, haben wir sehr genossen. Heute geht es uns sehr gut. Wir haben keine finanziellen Probleme mehr.

Behind the Show: Generalprobe mit Horst Lichter

Also auch keine Sorgen mehr?

Andere. Wie bei jedem anderen wahrscheinlich auch. Hier und da erlebt man auch schon mal Enttäuschungen unter anderem durch Missgunst.

Was wünschen Sie sich?

Mehr Dankbarkeit. Mehr Empathie, mehr Respekt anderen Menschen gegenüber. Eine kluge Lebensregel besagt: Tu das, was du auch gern hättest, das man dir tut!

Wie lautet Ihre Glücksformel?

Sie ist schwierig – und doch auch so einfach: Das Wichtigste, um glücklich zu sein, ist, sich selbst zu mögen. Ich mag mich. Klar, ich bekomme im Alter weniger Haare, der Bart wird immer grauer, ich kriege einen Bauchansatz, und mir tun schon mal die Füße weh. Trotzdem gefalle ich mir so, wie ich bin. Wer sich mag, strahlt das auch aus – und wird mit positiver Aufmerksamkeit belohnt.

Was sind Glücksmomente für Sie?

Wenn ich an einem Freitag nach Drehschluss heimkomme, zwischen zehn und halb zwölf bei uns auf den Hof fahre, sehe ich unser Haus mit ganz anderen Augen. Es ist hell erleuchtet. Ich gucke hinein. Und dann sitzt da mein Schatz, für mich eine der schönsten Frauen. Sie hat für mich gekocht und freut sich auf mich. Das ist ein unglaublicher Glücksmoment, den ich sehr zu schätzen weiß.

„Horst Lichter sucht das Glück“: Mo, 25. Dezember, 19.15 Uhr, ZDF

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Quirin Berg: Jury-Mitglied der GOLDENEN KAMERA 2018.
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