Skurriler Rachefeldzug in Weimar: "Tatort: Der wüste Gobi"

Der ""Würger von Weimar" ist aus der Psychiatrie geflohen. Für die Weimarer Kommissare beginnen 24 turbulente Stunden.

In ihrem 5. Fall müssen Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) diesmal auch in die Kanalisation der Stadt Weimar absteigen, die so düster ist wie das Netz der Verstrickungen, in das die Kommissare in geraten. "Der wüste Gobi" (26. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) hat als Weihnachts-Tatort" keinerlei Bezug zu den Feiertagen - was aber nicht im Geringsten stört. Im Gegenteil: Die Mischung aus Witz und Grusel erinnert an die guten Filme der alten Edgar-Wallace-Reihe.

Darum geht's im "Tatort: Der wüste Gobi"

Als der dreifache Frauenmörder Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili, genannt Gobi (Jürgen Vogel), fünf Jahre nach seiner Verurteilung aus der forensischen Psychiatrie ausbricht, hinterlässt er eine erwürgte Krankenschwester und deren junge Kollegin, die unter Schock steht. Noch in derselben Nacht wird auch die Ehefrau von Professor Eisler, Chefarzt der Psychiatrie, tot im eigenen Bett aufgefunden. Die Ermittlungen führen Kira Dorn und Lessing auch zu seiner eifersüchtigen Verlobten Mimi Kalkbrenner, hauptberufliche Harfenistin, die Gobi möglicherweise zur Flucht verholfen hat.

Als nach und nach Indizien auftauchen, die Gobis Täterschaft infrage stellen, gerät Professor Eisler ins Visier der Ermittlungen, der in den letzten Jahren ein durchaus fragwürdiges Verhältnis zu seiner kranken Ehefrau pflegte. Handelt es sich bei den jüngsten Morden etwa um einen "Trittbrettwürger"? Eine fehlende frühere Ermittlungsakte und der verschwiegene ehemalige Kommissariatsleiter Bruno Götze, der Gobi vor fünf Jahren festgenommen hat, erschweren die Ermittlungen.

Wer ist mit dabei?

Für Jürgen Vogel scheint die Rolle des georgischen Bademeisters, mit Vorliebe für gestrickte Unterwäsche, ein Weihnachtsgeschenk zu sein, auf das er lange warten musste. Das könnte seine Spielfreude erklären. An Vogels Seite glänzt auch Jeanette Hain als seine undurchsichtige Verlobte Mimi Kalkbrenner. Ebenso sehenswert: Ernst Stötzner als psychisch angeknackster Professor Eisler. Und Tschirner und Ulmen? Sind gewohnt stark in ihren verschlüsselten Witz-Dialogen, denen man als Zuschauer konzentriert folgen muss, um die Zwischentöne zu verstehen.

Was ist das Besondere?

Am 2. Weihnachtsfeiertag einen dreifachen Frauenmörder in den Tatort-Mittelpunkt zu rücken, klingt nach gewolltem Weichnachts-Kontrastprogramm. Doch die skurrile Suche nach dem schrägen Psycho ist alles andere als düster, was auch daran liegen dürfte, dass der MDR für diesen Weimar-Tatort erstmals den Krimikomödienspezialisten Ed Herzog ("Dampfnudelblues") verpflichten konnte.

GOKA-Wertung

Ein bitterböser Krimispaß. Vielleicht nicht der beste Weimar-Tatort, aber gelungen. Wer auf Thiel & Börne aus Münster steht, dürfte den wüsten Gobi in Weimar lieben.