"Die Puppenspieler": Ein Spiel um Geld Macht

Erbitterte Gegner: Ulrich Matthes als korrupter Kirchenmann, Samuel Schneider, Herbert Knaup als Jakob Fugger und Helen Woigk (v. l.)
Erbitterte Gegner: Ulrich Matthes als korrupter Kirchenmann, Samuel Schneider, Herbert Knaup als Jakob Fugger und Helen Woigk (v. l.)
Foto: Das Erste
In dem GOKA-Kandidaten führt Jakob Fugger einen aussichtslosen Kampf gegen die Kirche. Ein historischer Zweiteiler nach dem Roman von Tanja Kinkel.

Die Bilder sind schwer zu ertragen: Vor den Augen ihres kleinen Sohns wird eine Frau auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Es ist nicht der einzige Moment im zweiteiligen Drama „Die Puppenspieler“ (Mi, 27. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste; Teil 2 am 29.12.), in dem deutlich wird: Im Spätmittelalter herrschte äußerste Brutalität. Hexenverbrennung und Inquisition, brachiale Machtkämpfe zwischen der katholischen Kirche und den weltlichen Fürsten, die Intrigen von Kardinälen im Kampf um das Amt des Papstes: Diese Epoche war keine Zeit für zarte Gemüter.„Ihr könnt nicht Gott dienen und zugleich dem Mammon“, heißt es beim Evangelisten Matthäus in der Bergpredigt. Aber das sehen die Oberhäupter der katholischen Kirche im ausgehenden 15. Jahrhundert ganz anders. Sie streben nach Prunk und Reichtum als Zeichen ihrer Macht.

Jakob Fugger: der reichste Mann seiner Zeit

Einer der wichtigsten Strippenzieher ist der Augsburger Kaufmann Jakob Fugger,der als einer der ersten Großkapitalisten gilt und der reichste Mann seiner Zeit war. Mit seinem Geld versuchte er, Kirche und Krone in seinem Sinne zu lenken. Aber auch andere zogen mit an den Strippen der Macht, allen voran der spanische Kardinal Rodrigo Borgia, der Papst werden wollte und jedes Mittel einsetzte im Kampf gegen seine Konkurrenten: die Kardinäle Giuliano della Rovere und Ascanio Sforza.

So weit der geschichtliche Rahmen des Films. Ansonsten ist seine Handlung frei erfunden: Sie beruht auf dem gleichnamigen Roman der Bestsellerautorin Tanja Kinkel. „Die historischen Figuren werden in eine fiktive Handlung eingebettet“, erklärt Herbert Knaup, der Jakob Fugger spielt. Der Kaufmann vermehrt mit seinen Finanzgeschäften und weltweiten Beteiligungen das Familienvermögen und seinen Einfluss. „Sein Kalkül war es, mit seinem Geld seine Macht auszubauen, indem er ein Beziehungsgeflecht über Käuflichkeit aufbaute“, sagt Knaup, der sich intensiv mit seiner Figur beschäftigte. „Er war wohl ein sehr rationaler, kühl kalkulierender Mensch.

Die Fiktion Fiktion verleiht Spannung und Dramatik

Für mich als emotionalen Menschen lag die Herausforderung darin, ihn zurückhaltend, schwer durchschaubar zu spielen. Er wirkt stoisch, kaum berührbar.“ Im TV-Zweiteiler kümmert er sich um seinen Ziehsohn, den hitzköpfigen Richard (Samuel Schneider), und um dessen Liebe Saviya (Helen Woigk). Das alles ist reine Fiktion, die dem Film Spannung und Dramatik verleihen soll. Zudem hat sie für die Darstellung Fuggers eine wichtige Funktion, denn sie gibt ihm doch noch einige menschliche Züge: „Durch die Geschichte seines Ziehsohns zeigt er Gefühlsregungen“, erläutert Herbert Knaup.

Zurückhaltung musste sich Ulrich Matthes als Kardinal Borgia nicht auferlegen. Der Spanier scheute keine Mittel, um Papst zu werden, ja, er ging sogar über Leichen. Auch sein freizügiger Lebenswandel sorgte in seiner Zeit für Anstoß. Trotzdem spielt Matthes den Kirchenfürsten nicht als gefühlloses, eiskaltes Monster, sondern als geschickten Taktierer: „Ich glaube, dass er trotz seines bedingungslosen Machtstrebens und seiner Skrupellosigkeit auch eine charmante, gewinnende Seite hatte. Für mich ist das eine widersprüchliche Figur.“ Die Zeitreise in die Renaissance hat für den Charakterdarsteller noch einen weiteren Reiz: „Ich finde es spannend, wie durch ein Schlüsselloch in die geheimen Räume der Macht zu blicken“, sagt Matthes. „Die katholische Kirche ist bis heute Paradebeispiel für ein intransparentes System. Diese Intransparenz macht natürlich auch einen Großteil ihrer Aura aus.“

Trotz seines historischen Stoffs wirkt der Zweiteiler sehr aktuell: Er schildert eine Zeit des Wandels, in der neue Ideen aufkommen, alte Machtstrukturen durch neue abgelöst werden, gesellschaftliche Umbrüche stattfinden. Er zeigt eine Welt im Aufbruch. Parallelen zur Gegenwart sind nicht ausgeschlossen.

GOKA-Wertung

Ein prächtiges Porträt der Hochrenaissance, in dem das Mittelalter voller ungezügelter Begierde, Intrigen und Irrglaube gezeigt wird.

Muss ich sehen, weil...

...die Ausstattung imposant ist und Ulrich Matthes als Papst sehenswert ist.

Für Fans von...

"Die Wanderhure" oder "Borgia"

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig)

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