Heide Keller nimmt Abschied vom Traumschiff

80 Folgen, fünf Schiffe, vier Kapitäne: Nach 36 Jahren verlässt sie als Chefstewardess Beatrice das Traumschiff im ZDF.

Ungemein schlagfertig, ein wenig kapriziös, aber kein bisschen wehmütig wirkt sie an diesem Mittwochnachmittag in Bonn. Ganzwie Beatrice. 36 Jahre lang hat sie diese Rolle gespielt, wurde so zu Deutschlands berühmtester Chefstewardess auf dem„Traumschiff“, das traditionell zu Weihnachten und Neujahr über den Bildschirm schippert. Nun gehtHeide Keller von Bord. Freiwillig. „Ich wollte aufhören, solange ich noch in Stöckelschuhen die Gangway runterkomme“, sagt sie mit dem Keller-typischen trockenen Humor. Bonn mit Blick auf den Rhein ist ihr Rückzugsort, hier in der Nähe wurde sie geboren, hier plant sie die Zukunft, etwa ein neues Buchprojekt.

Ein Vorstellungsgespräch auf dem Münchener Flughafen

Unglaubliche 78 Jahre ist sie Ende Oktober geworden und genießt das Erstaunen darüber. Mindestens zehn Jahre jünger sieh sie aus, das war schon zu Beginn ihrer Karriere so. Sie kannte vom Theaterspielen Harald Juhnke. Der saß bei einem Stück in Berlin mit seinem Showproduzenten Wolfgang Rademann im Publikum. Rademann, auf der Suche nach Darstellern für ein neues TV-Projekt namens „Traumschiff“, gefiel sie so, dass er sie zum Vorstellungsgespräch auf dem Münchener Flughafen bat.

„Da saß er wie immer in lauter Papieren und mit Plastiktüten um sich herum, guckte mich an und sagte: ‚Tach. Also auch vom Nahen und im Hellen juut.‘“ Rademann, Urberliner mit dem üblichen Hang zur Direktheit, fragte weiter, ob sie eine jener Künstlerinnen sei, „die unbekannt im Dunkeln Theater spielen wollen“. Wollte sie nicht. Es war der Beginn ihrer TV-Karriere und einer langen Freundschaft. Gerüchte um eine Affäre bestreitet sie: „Wer uns zusammen erlebt hat, kann das nicht denken. Aber ich darf sagen, dass ich ihn sehr gern hatte – und er mich auch. Ich verdanke ihm vieles.“

Palmen statt Alaska

Rademann starb Anfang 2016, auch das ein Grund, warum Heide Keller nicht weiter mag. Premiere fürs „Traumschiff“ war 1981. „Ich war auf allen Reisen dabei. Immer vom ersten bis zum letzten Drehtag.“ Pro Folge waren das gern sechs Wochen auf See. Seither hat sie mehr Seemeilen angesammelt als mancher Kapitän. Am schönsten sei es auf Bora-Bora, sagt sie, die „alles auf der Welt gesehen hat. Außer Alaska. Doch wenn ich Rademann darauf angesprochen habe, grummelte er: ,Lass mich mit Alaska in Ruhe. Da ist es kalt, und ich will Palmen.“

Rademann setzte so sehr auf heile Welt mit Palmen, dass Lästerzungen bis heute behaupten, die Darsteller seien bloßer Schmuck zu den Grünwedeln. Es wurmt Keller noch: „Es gab am Anfang Gastschauspieler, für die war ich die vom ,Traumschiff‘, die kaum einen Satz richtig denken kann.“ Doch die schönen Erinnerungen überwiegen. Etwa an Topstar Manfred Krug. Mit ihm hat sie Bücher ausgetauscht, „er hat mich auf Augenhöhe behandelt“. Walter Richter, damals „Tatort“-Star, hat für sie geschmuggelt: „Er hat mir geholfen, eine kleine, im Urwald ausgerissene Kokospalme, die ich vorm Bullauge weitergezüchtet hatte, in der Plastiktüte von Brasilien in die USA ein- und wieder ausreisen zu lassen!“ Ein Sakrileg, wie jeder weiß, der mal in den USA war.

Wie kleiner Bruder und große Schwester

Amüsant, genauso wie das alte Gerede über sie und Sascha Hehn: „Er war immer schon 15 Jahre jünger als ich. Und ich war damals noch so jung, dass ich nicht auf junge Männer stand.“ Für die Fotografen waren sie trotzdem ein dankbares Motiv. „Sascha Hehn rettet Heide Keller aus Seenot!“, titelte der Boulevard zu einem Bild, das sie beide knackig auf einem Boot zeigt. Nur dass das Boot am Strand lag. Heute haben sie ein herzliches Verhältnis: „An Bord ist eine neue Beziehung entstanden, eine von alter Freundschaft. Ein bisschen wie kleiner Bruder und große Schwester. So ist es auch im wirklichen Leben.“

So vieles andere hat sich auch verändert. Fünf Schiffe und vier Kapitäne hat sie als Chefstewardess erlebt, es fühlt sich gut an, über den eigenen Abschied selbst zu entscheiden. Ihre Nachfolgerin wird Barbara Wussow sein – als Hoteldirektorin, nicht als Chefstewardess. Dieser Posten bleibt vergeben – selbst wenn Beatrice von Bord gegangen ist.

Worum geht's in der letzten Folge mit Heide Keller?

Die Reise nach Los Angeles stellt Chefstewardess Beatrice vor eine schmerzliche Entscheidung. Soll sie das Schiff, das ihr so lange ein Zuhause war, verlassen und sich einer neuen Herausforderung stellen? Denn der Roman, den sie geschrieben hat, wird auf Anhieb ein Bestseller. Nun möchte der Verlag, dass sie direkt ein zweites Buch schreibt. Aber wie soll sie das mit ihrer Arbeit an Bord vereinbaren? Und wie wird Kapitän Victor Burger reagieren? Mit an Bord sind auch die Brüder Ralf und Christoph, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ralf, der nach dem Tod seiner Frau völlig zurückgezogen lebt, ist mit seiner pubertierenden Tochter Sophie und ihrer ersten großen Liebe Timo überfordert. Dagegen ist Christoph ganz auf Sophies Seite. Er selbst hat sich nämlich gerade Hals über Kopf in Clara verliebt. An Bord macht Ralf die Bekanntschaft einer schönen Unbekannten. Dummerweise stellt sich kurz darauf heraus, dass besagte Fremde niemand anderes ist als die neue große Liebe seines Bruders. Auch Sabine hat das ein oder andere Problem mit ihrer Reisebegleitung: Sie ist mit ihrem ebenso schwierigen wie geliebten Pflegesohn Nico an Bord der MS Amadea. Nico hat die Schule geschmissen, weil er sich dazu berufen fühlt, in Hollywood Stuntman zu werden. Sabine hofft, ihm diese Flausen auf der Reise aus dem Kopf treiben zu können.

"Traumschiff: Los Angeles", Mo, 1. Januar 2018, 20.15 Uhr, ZDF