"Tatort": Wie viel Behrendt steckt in Ballauf?

Klaus J. Behrendt exklusiv über seine unermüdliche Lust auf "Tatort", seine soziale Ader – und sein Faible für Mode.

Prasselndes Wasser, nackte Haut, vernebelte Duschwand. Eine Frau schlägt mit der Stirn an die Scheibe. Sie sinkt zu Boden. Ein Strahl aus dem Duschkopf treibt ihr Blut in den Ausguss. Seit der legendären Duschszene in Hitchcocks Thriller "Psycho" weiß man, dass der Schrecken auch an diesem engen, intimen Ort lauern kann. Diese beklemmende Szene folgt gleich nach dem Vorspann des Tatorts "Bausünden" (21. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste).

Trailer zum "Tatort: Bausünden"

Ein Mord in den ersten 100 Sekunden? Klaus J. Behrendt zögert erst: "Ich möchte nicht zu viel verraten." Doch dann skizziert er kurz den Fall, den die Kölner Kommissare dieses Mal zu lösen haben: "Sie müssen den Mord an einer Hotelrezeptionistin klären und haben es dabei mit der dunklen Seite der Baubranche zu tun, in der der Kampf um Großaufträge mit allen Mitteln geführt wird."

Das Geheimnis seines Erfolgs

Herb, ernst und etwas ungestüm: Das ist die TV-Figur Max Ballauf – nicht die Privatperson Behrendt. Gebräunt und mit Jackett kommt er zum Interview in ein Hotel an seinem Wohnort Berlin. Freundlich, höflich und trotzdem reserviert. Gemeinhin sind es die ganz normalen Leute, auf die der Schauspieler Behrendt spezialisiert ist. Denen gibt er Stimme und Gesicht. In "Das Wunder von Lengede" war er ein Bergmann, in "Mein Vater" der Sohn eines Alzheimer-Kranken (Götz George), in "Nord Nord Mord" ein Arzt auf Sylt. Medienpreise zieren seine Filmografie. Aber selbst sein "Tatort"-Kommissar ist normal. Als Max Ballauf kennt ihn die Nation seit nunmehr über 20 Jahren. "Bausünden" ist sein 71. Fall. Wird das nicht langweilig? "Überhaupt nicht. Es gibt immer wieder neue Geschichten zu dem Thema 'Wie tickt ein Mensch?'", sagt der 57-Jährige. Sein Vertrag mit dem WDR läuft bis Ende 2019.

Ans Aufhören denkt er nicht. "Solange die Menschen uns sehen wollen." Und das sind bis zu 11 Millionen Zuschauer pro Folge. Was macht das Kölner Duo besonders? "Jede Mannschaft spielt einen anderen Stil. Münster ist die humorige Ecke, wir die sozialkritische. Til Schweiger macht Knall, Bum, Peng. Alles hat seine Berechtigung." Das Geheimnis seines Erfolgs als Kommissar? Behrendt zuckt mit den Schultern. Liegt es eventuell daran, dass er der Figur so menschliche Züge verleiht? "Vielleicht", grinst er und vermeidet auch bei der nächsten Frage den Blick in sein Inneres. Wie viel Behrendt steckt in Ballauf? "Das weiß ich nicht. Ein Stück bestimmt."

Also zurück zum äußeren Erscheinungsbild. Kleidet sich Ballauf so wie er? "Nein. Der zieht immer das Gleiche an: Jeans, Strickpulli und Lederjacke. Ich trage gern mal ein Hemd oder einen Anzug." Auch als Botschafter des Solinger Bekleidungsunternehmens Walbusch macht er eine gute Figur. Welche Rolle spielt Mode? "Ich will mir gefallen, aber auf keinen Fall so aussehen wie meine Söhne", betont der Vater von fünf Kindern und zweifache Großvater.

Im Einsatz für Kinder in Not

Sein Herz schlägt allgemein für Kinder: "Das Thema Kinderprostitution unseres dritten 'Tatorts: Manila' hat mich stark berührt. Seitdem lässt es mich nicht mehr los." Gemeinsam mit "Tatort"-Kollegen gründete er den Verein "Tatort – Straßen der Welt" zum Schutz philippinischer Straßenkinder (tatort-verein.org). "Dieses Jahr feiern wir 20. Geburtstag", sagt er. "Inzwischen setzen wir uns weltweit für Kinderrechte ein." Er beginnt, von den verschiedenen Projekten zu erzählen, und dabei blitzt ein Lächeln auf. Es strahlt Wärme aus, schafft Vertrauen. Da ist er also doch, der ganz private Klaus J. Behrendt.