Devid Striesow: "Ich liebe ambivalente Rollen"

Schauspieler Devid Striesow gehört zum erstklassigen Ensemble von Volker Schlöndorffs erstem TV-Krimi "Der namenlose Tag". Wir trafen den 44-Jährigen exklusiv zum Interview.

In "Der namenlose Tag" (5. Februar, 20.15 Uhr, ZDF) spielt Devid Striesow einen verzweifelten Mann, der nicht an den Selbstmord seiner 17-jährigen Tochter glauben will. Wir trafen den Schauspieler zu einem Exklusiv-Interview.

Devid Striesow sagt, worauf es bei der Rollenauswahl ankommt

Interview mit Devid Striesow

Warum heißt der Krimi "Der namenslose Tag"?

Ich spiele Ludwig Winther, dessen Ehefrau sich erhängt hat – nachdem zwei Jahre zuvor auch seine Tochter erhängt aufgefunden wurde. Niemand spricht über diese entsetzlichen Ereignisse. Und niemand reflektiert darüber. Es ist ein namenloser Tag, weil es eine Kommunikationsstörung in der betroffenen Familie gibt.

Was hat Sie am Drehbuch gereizt? Warum haben Sie die Rolle des wahlweise wütenden, verzweifelten und hilflosen Witwers Ludwig Winther angenommen?

Wegen Winthers Sprachlosigkeit! Die Rolle ist wirklich besonders. Außerdem hat mich die Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff – sowie Thomas Thieme, meinem ehemaligen Lehrer an der Hochschule, gereizt. "Der namenlose Tag" war das erste Projekt, in dem wir richtig miteinander spielen konnten.

Hat "Der namenlose Tag" neben der Tatsache, dass es ein Unterhaltungsfilm ist, auch eine Message?

Ich tue mich immer ein bisschen schwer mit Messages. Das muss jeder für sich entscheiden, denn das Anschauen eines Films ist wie der Vorgang einer Bildbetrachtung! Jeder assoziiert etwas komplett Unterschiedliches mit dem Gesehenen – weil es völlig unterschiedlich auf ihn wirkt.

Der Ermittler Jakob Franck – gespielt von Thomas Thieme – sieht, quasi vor seinem geistigen Auge und während er im Bett liegt, den Ablauf von Verbrechen an der Zimmerdecke. Glauben Sie an die Macht der Intuition und dass uns unser Bauchgefühl mehr verrät, als unser Gehirn bewusst wahrnimmt?

Ich glaube, dass die Intuition im Laufe unseres Lebens eine immer wichtigere Rolle spielt, weil sie zunimmt. Unbewusst haben wir viele Vorgänge abgespeichert, an denen wir uns im Bewusstsein gar nicht bedienen können. Und das Intuitive lässt uns in manchen Situationen auf bestimmte Arten und Weisen reagieren.

Sind Sie eher ein Kopf- oder Bauchmensch?

Eher ein Bauchmensch.

Heißt das, Sie treffen Ihre Entscheidung für oder gegen die Annahme einer Rolle ebenfalls per Bauch?

Wenn ich Dialoge lese, kann ich gut entscheiden, ob ich darauf Lust habe oder nicht. Aber abgesehen vom Drehbuch kommt es für mich auch immer darauf an, mit welchen Leuten ich rund fünf bis sechs Wochen meines Lebens verbringe.

Und inhaltlich? Spielen Sie lieber Rollen, die Ihrem Charakter entgegenkommen oder eher solche, die konträr angelegt sind?

Ich liebe ambivalente Rollen, weil sie eine große Projektionsfläche bieten und der Zuschauer solche Figuren vielschichtiger wahrnehmen kann. Als Schauspieler kann man dabei seine Phantasie ausufern lassen. Das ist das A und O in diesem Beruf.

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Ich habe gerade für SKY die Serie "Acht Tage" abgedreht. Außerdem spiele ich in dem ZDF-Film Schwartz und Schwartz" einen unzuverlässigen Detektiv mit sehr unkonventionellen Methoden. Regie führt Rainer Kaufmann.